Olympia 1936: Als ein Viererbob voller Nazis für Österreich fuhr
Olympische Spiele 1936
Bobfahren ist länger olympisch als alpiner Skilauf. Die Schlitten waren schon bei den ersten Winterspielen, 1924 in Chamonix, dabei. Skifahren kam erst 1936 in Garmisch-Partenkirchen ins Programm – wegen Streitereien um den Amateurstatus allerdings ohne österreichische Beteiligung. In den Bob-Bewerben aber war Österreich am Start – mit politisch teils fragwürdigen Athleten.
Der „Anschluss“ sollte zwar erst zwei Jahre danach erfolgen. Der Bob „Österreich II“ hätte aber bereits 1936 als „Ostmark II“ an den Start gehen können. Der Wiener Autor und Musiker Richard Weihs ist bei den Recherchen für sein zweibändiges Werk zur NS-Geschichte des Semmerings („Zertrümmerte Erinnerung am Semmering“) auf die bemerkenswerte Crew von Bob „Österreich II“ gestoßen: Alle vier waren glühende Nationalsozialisten oder zumindest Sympathisanten.
Die Brüder Franz und Robert Bednar aus Breitenstein am Semmering waren laut Weihs „stramme Nazis, was sich für sie bald bezahlt machen sollte“. Franz wurde zum kommissarischen Verwalter des Sanatoriums Breitenstein eingesetzt, dessen jüdische Besitzer vertrieben oder ermordet wurden. Bruder Robert wurde Besitzer der arisierten Villa Székely in Breitenstein (sie wurde 1949 widerwillig restituiert).
Zum Lenker des Bobs, dem Semmeringer Malermeister Viktor Wigelbeyer, hat Weihs immerhin herausgefunden, dass er Fan des NS-Dichters Karl Heinrich Waggerl war.
13. und letzter Platz
Der vierte Mann im Bob ist der prominenteste: Johann Baptist Gudenus, Vater des langjährigen FPÖ-Abgeordneten John Gudenus und Großvater des spätestens seit seiner Rolle im Ibiza-Video berüchtigten Johann Gudenus. Der alte Gudenus sollte es bei der SA zum Obersturmbannführer bringen. Der Autor von Büchern wie "Sport ist Kampf" trat 1936 auch bei den Sommerspielen in Berlin an, und zwar im 400-Meter-Lauf. Gudenus wurde in seinem Vorlauf Letzter.
Auch Bob Österreich II belegte in Garmisch-Partenkirchen nur den 13. und letzten Platz. Rückstand auf den siegreichen Bob Schweiz II: 38 Sekunden.
Kommentare