Olympia: Warum Snowboarder Millauer eine "scharfe Bombe" ist

Snowboarder Clemens Millauer in Livigno vor der Olympia Schanze
Snowboarder Clemens Millauer ist bei Olympia der erste Österreicher im Wettkampfeinsatz.

Wenn am Freitag in Mailand die Olympischen Spiele feierlich eröffnet werden, haben die Snowboardbewerbe bereits begonnen. Clemens Millauer wird bereits heute, Donnerstag, als erster Österreicher im Wettkampfeinsatz sein. Für den 31-jährigen Freestyle-Snowboarder fühlt sich die Big-Air-Qualifikation fast wie ein Finale an. Die Konkurrenz im Männer-Snowboarden ist riesig, das Level steigt rasant.

Clemens Millauer

Clemens Millauer

Mit einem 1980er (fünfeinhalb Drehungen), seinem schwierigsten Trick, ist Clemens Millauer in der Konkurrenz voll dabei. Die Qualifikation ist dabei der eigentliche Knackpunkt: „Da gibt es oft ein Favoritensterben.“ Den „19er“ habe er im Repertoire, „wenn der Kicker groß genug ist“. Und: „Wenn ich ins Finale komme, ist alles möglich“, sagt der Oberösterreicher.

Volles Risiko

Seine Partnerin, die zweifache Big-Air-Olympiasiegerin Anna Gasser, sieht ihn als Medaillenkandidaten. „Er hat auf jeden Fall das Können für das Podium“, sagt sie. „Ich finde, der Clemens unterschätzt sich selber ein bisschen.“

Für beide werden es die letzten Olympischen Spiele sein. „Ein olympischer Abschluss macht Sinn, weil weitere vier Jahre auf diesem Level zu bleiben ist unmöglich“, sagt Millauer offen. Mit 35 Jahren 2030 noch einmal für Olympia anzugreifen, sei körperlich kaum realistisch: „Wir sind jetzt wie eine scharfe Bombe. Alles ist sehr am Limit.“ Gerade im Big Air spürt der Oberösterreicher den Generationenwechsel.

Er und Anna Gasser „werden alles riskieren, alles geben“. Wie es danach weitergeht, lässt Millauer bewusst offen. Die Heim-WM 2027 wäre noch ein möglicher Anreiz, doch der Fokus verschiebe sich. „Ich habe so viele andere coole Sachen mit dem Snowboarden vor – Filme, Projekte. Ich will nicht nur einem olympischen Zirkel nachlaufen.“ Ende April fliegt Millauer erstmals nach Alaska zum Freeriden: „Das schlägt für mich ein neues Kapitel auf.“

Emotionaler Abschluss

Der Weg nach Italien ist dennoch emotional aufgeladen. Mailand, Livigno – Orte voller Erinnerungen. „Italien war immer super für uns. Mein erstes Weltcup-Podium war dort.“ Nach dem bitteren Olympia-Aus in Peking mit Knöchelbruch und Heimflug vor Gassers Gold-Finale fühlt sich Livigno wie ein Abschluss an.

Mental zeigt sich Millauer gereift. „Die Welt geht nicht unter, wenn es nicht klappt.“ Der selbst gemachte Druck früherer Jahre sei weniger geworden. Sein Ziel bleibt klar: „Ich würde einfach gerne ins Finale fahren. Zwei Sprünge zeigen. Wenn ich die dann sauber lande, kann alles passieren.“

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