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Sport Wintersport
12/20/2018

Marcel Hirscher ist nun erfolgreichster Skisportler Österreichs

Am Ziel seiner Träume: Der Salzburger gewinnt den Saalbach-Slalom und ist mit 63. Weltcup-Siegen alleiniger Rekordhalter.

von Christoph Geiler

Wenn man es nicht besser wüsste, dann hätte man beinahe glauben können, dass am Donnerstag in Saalbach-Hinterglemm eine lange Negativserie zu Ende gegangen wäre. Am Fuße des Zwölferkogels ging’s zu, als hätte Marcel Hirscher seit Ewigkeiten nicht mehr ein Rennen gewonnen. ÖSV-Betreuer, die sich sichtlich erleichtert um den Hals fielen. Fans, die ausgelassen eine Siegesparty feierten, als hätte das letzte rot-weiß-rote Skifest im letzten Jahrtausend stattgefunden. Und ein Stadion-DJ, der aus den Boxen dröhnen ließ: „So was hat man lange nicht geseh’n!“

Erstaunlich, was das alles mit den Menschen macht, wenn ein Seriensieger einmal einen schlechten Tag hat.

Marcel Hirschers Weltcup-Karriere:

 

Marcel Hirscher wurde am 2. März 1989 in Hallein geboren, als erstes Kind von Ferdinand und Sylvia Hirscher.

Von Kindesbeinen an wird Marcel von seinem Vater Ferdinand (re.), einem staatlich geprüften Ski- und Snowboardlehrer, betreut. Im Trainer-Team seines Sohnes gilt er als eine Art "Supervisor", der auch bei Video-Analysen dabei ist. Der um sieben Jahre jüngere Bruder Leon (Mi.) wollte in die Fußstapfen seines Bruders treten, eine schwere Hüftkrankheit bremste ihn aus. 

Stets an seiner Seite: Mit Laura Moisl war Marcel zehn Jahre liiert, bis sich das Paar im vergangenen Sommer endlich dazu entschloss, eine Ehe zu schließen.

Im Oktober bekamen sie einen Sohn. Seitdem habe der Ski-Star andere Prioritäten, sagte er kurz nach der Geburt.

Bereits in der Jugend ließ der 173 cm große Fahrer sein Talent aufblitzen. Als 14-Jähriger wurde er dreifacher österreichischer Schülermeister, als 15-Jähriger kam er nach Erreichen des Alterslimits bei FIS-Rennen zum Einsatz.

Bei der Junioren-WM 2007 gewann er die Goldmedaille im Riesenslalom und die Silbermedaille im Slalom.

Sein Weltcup-Debüt feierte der in Annaberg/Salzburg lebende Ausnahmeathlet am 17. März 2007.

In Lenzerheide kam er damals - zum Start war er als Juniorenweltmeister berechtigt - als Drittletzter auf Rang 24 mit einem Rückstand von 3,17 Sekunden auf Sieger Aksel Lund Svindal.

Seinen Durchbruch im Weltcup erlebte Marcel Hirscher im olympischen Winter 2009/2010. In Val d'Isère carvte er in seiner Paradedisziplin Riesenslalom zu seinem ersten Weltcup-Sieg.

Am 12. Dezember 2010 feierte Hirscher, wieder in Val-d’Isère, seinen ersten Slalom-Sieg im Weltcup.

Im Jänner 2012 gelang ihm beim Schladminger Nachtslalom der erste Sieg auf österreichischem Boden. 

Und der Höhenflug hielt an. 

Es folgten 8 Gesamtsiege (2011/12, 2012/13, 2013/14, 2014/15, 2015/16, 2016/17, 2017/18, 2018/19), die letzte große Kugel...

... erhielt er beim Saison-Finale am 17. März in Soldeu (Andorra). 

Hirscher ist zudem sechsmaliger Riesentorlauf-Weltcupsieger (2011/'12, 2014/'15, 2015/'16, 2016/'17, 2017/'18, 2018/'19) und hat ebenso...

... viele Slalom-Weltcupsiege (2012/'13, 2013/'14, 2014/'15, 2016/'17, 2017/'18, 2018/'19) bislang verbuchen können.

Der Salzburger triumphierte im vergangenen Dezember in Alta Badia erstmals auch im Parallel-Riesentorlauf und egalisierte mit dem 62. Weltcupsieg die ÖSV-Bestmarke der österreichischen Jahrhundert-Sportlerin Annemarie Moser-Pröll. Inzwischen hält er bei 67.

Nach dem Sieg in Saalbach ist er die alleinige Nummer eins. 

Auch bei den Weltmeisterschaften hagelt es Medaillen für Hirscher. 2013 gewann er in Schladming bei seinem ersten Antreten, dem Mannschaftsbewerb, die Goldmedaille mit dem österreichischen Team. Im Riesenslalom gewann er seine erste WM-Einzelmedaille, eine silberne.

Nach der WM in Åre hält er bei 13 Medaillen. Dank Gold im Slalom am letzten WM-Tag übertraf der 29-Jährige mit nun sieben Gold- und vier Silbermedaillen Landsmann Toni Sailer (7/1/0) in der Allzeit-WM-Bestenliste der Herren.

Bei Olympia sammelte er drei Medaillen: Gold im Riesenslalom und Kombination (Pyeongchang) sowie Silber im Slalom von Sotschi. 

Österreichs Sportler des Jahres wurde er fünf Mal - 2012, 2015, 2016, 2017 und 2018. 

Im vergangenen Oktober wurde Hirscher zum vierten Mal von den Mitgliedern der Internationalen Ski-Journalisten-Vereinigung (AIJS) zum Alpinskisportler des Jahres gewählt. Damit schloss er zum bis dato allein führenden Schweizer Pirmin Zurbriggen auf.

Im vergangenen Jahr wurde der Salzburger von der Zeitung L’Equipe zum "Champion der Champions 2018" bzw. zum Weltsportler des Jahres gekürt. Hirscher ist der erste Skifahrer überhaupt, der die prestigeträchtige Trophäe in Empfang nehmen durfte. Diese Ehre wurde vor ihm keinem Österreicher zuteil. 

Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich erhielt Hirscher 2016. Den Orden überreichte ihm der damalige Bundeskanzler Werner Faymann. 

Alles wie gehabt

Wer jetzt gedacht hatte, dass der sechste Rang im Riesentorlauf bei Marcel Hirscher („ich bin kein Roboter“) Spuren hinterlassen würde, der sah sich schnell eines Besseren belehrt. 24 Stunden nach einem Rennen, das in den Augen des siebenfachen Gesamtweltcupsieger „zum Schämen“ und ein „Horror“ gewesen war, präsentierte sich Hirscher schon wieder so, wie ihn alle seit Jahren kennen, schätzen oder auch fürchten.

Der Riesentorlauf, das wurde bereits im ersten Slalom-Durchgang deutlich, in dem der 29-Jährige eine deutliche Bestzeit aufstellte, war nur ein einmaliger Ausrutscher. Im zweiten Rennen in Saalbach rückte Hirscher die Rangordnung im Skisport wieder gerade. Mit 38 Hundertstelsekunden machte sich der Vorsprung auf den Schweizer Loïc Meillard zwar für Hischer-Verhältnisse bescheiden aus, aber das war dem Salzburger diesmal herzlich egal.

Wertschätzung

Zum einen, weil er damit die passende Antwort gegeben hatte. Zum anderen auch, weil ihm ab sofort eine Frage erspart bleibt, die den Annaberger schon seit Monaten begleitet. Wann er nämlich endlich Annemarie Moser-Pröll übertrumpft und der erfolgreichste Skisportler von Österreich wird?

Mit dem Sieg im Slalom, dem 63. in seiner Karriere, hat Hirscher nun die Jahrhundertsportlerin endgültig übertrumpft und ist die Nummer drei der ewigen Bestenliste. „So etwas kann man nicht planen, das muss passieren“, sagte der Salzburger. „Dass ich jetzt der Leader bin, bedeutet mir viel.“

Und dass er den historischen Erfolg dann auch noch vor den Augen von Moser-Pröll einfahren konnte, machte den Moment für Hirscher nur noch magischer. „Mich freut die Wertschätzung, die mir die Annemarie entgegenbringt.“

Im allgemeinen Jubel über den Rekordsieg von Hirscher gingen – wieder einmal – die starken Leistungen der übrigen Österreicher etwas unter. Wie etwa der fünfte Rang von Michael Matt, der wegen Rückenbeschwerden in der Früh noch gar nicht gewusst hat, „ob ich überhaupt starten kann“. Oder aber auch Manuel Feller, für den die Heimrennen mit dem vierten Platz im Slalom doch noch ein positives Ende nahmen, nachdem er im Riesentorlauf auf dem Weg zum Sieg ausgeschieden war.

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Wie im Zoo

Der Mann aus Fieberbrunn hatte im Glemmtal die Schattenseiten seiner Popularität kennen gelernt. „Natürlich ist es fein, wenn viele Fans kommen. Aber es ist dann schwer die Konzentration zu bewahren“, sagte der 26-Jährige. „Die Tage hier waren nicht ganz einfach für mich. Ich bin mir fast vorgekommen wie ein Bär im Zoo.“

Der ganze Rummel um seine Person war bereits ein Vorgeschmack, was Feller an gleicher Stelle möglicherweise in sechs Jahren erwartet. Saalbach-Hinterglemm gab am Mittwoch die Bewerbung für die Ski-WM 2025 bekannt, die Pinzgauer hatten sich schon für die Titelkämpfe 2023 beworben, waren allerdings an Courchevel-Méribel (FRA) gescheitert.

Lampionrennen

Der Wintersportort will sein Konzept noch einmal optimieren, Peter Schröcksnadel sprach sich für mehrere „Lampionrennen“ aus, wie der ÖSV-Präsident Wettkämpfe bei Flutlicht scherzhaft nennt. „Eine Abfahrt bei Flutlicht hätte was.“

Auf Marcel Hirscher übt die Heim-WM freilich keinen Reiz aus. Als ihn ein Reporter nach einem Start 2025 fragte, meinte er nur: „Wie alt bin ich da? Nein, da bin ich nicht mehr dabei.“

Endstand:

1.

Marcel Hirscher (AUT)

1:54,98

 

56,52

58,46

2.

Loic Meillard (SUI)

1:55,36

+00,38

58,65

56,71

3.

Henrik Kristoffersen (NOR)

1:55,45

+00,47

57,11

58,34

4.

Manuel Feller (AUT)

1:55,64

+00,66

59,27

56,37

5.

Michael Matt (AUT)

1:55,76

+00,78

57,04

58,72

.

Daniel Yule (SUI)

1:55,76

+00,78

57,78

57,98

7.

Clement Noel (FRA)

1:55,77

+00,79

57,50

58,27

8.

Stefan Hadalin (SLO)

1:55,98

+01,00

1:00,88

55,10

9.

Marco Schwarz (AUT)

1:56,00

+01,02

58,58

57,42

10.

Ramon Zenhäusern (SUI)

1:56,06

+01,08

57,35

58,71

11.

Manfred Mölgg (ITA)

1:56,09

+01,11

58,71

57,38

12.

Andre Myhrer (SWE)

1:56,17

+01,19

57,46

58,71

13.

Julien Lizeroux (FRA)

1:56,28

+01,30

1:00,58

55,70

14.

Alexis Pinturault (FRA)

1:56,44

+01,46

58,50

57,94

15.

Sebastian-Foss Solevaag (NOR)

1:56,56

+01,58

59,07

57,49

16.

Alex Vinatzer (ITA)

1:56,57

+01,59

1:00,14

56,43

17.

Luca Aerni (SUI)

1:56,62

+01,64

59,22

57,40

18.

David Ketterer (GER)

1:56,91

+01,93

1:00,84

56,07

19.

Christian Hirschbühl (AUT)

1:56,92

+01,94

59,70

57,22

20.

Victor Muffat-Jeandet (FRA)

1:57,22

+02,24

59,22

58,00

21.

Matej Vidovic (CRO)

1:57,23

+02,25

1:00,61

56,62

22.

Marc Digruber (AUT)

1:57,35

+02,37

1:00,75

56,60

23.

David Ryding (GBR)

1:57,39

+02,41

58,47

58,92

24.

Mattias Hargin (SWE)

1:57,91

+02,93

1:00,03

57,87

25.

Dominik Stehle (GER)

1:58,22

+03,24

1:01,12

57,10

26.

Sandro Simonet (SUI)

1:58,66

+03,68

1:01,83

56,83

27.

Felix Neureuther (GER)

1:58,99

+04,01

57,30

1:01,69

Ausgeschieden im 2. Durchgang: Leif Kristian Nestvold-Haugen (NOR), Tanguy Nef (SUI), Jean-Baptiste Grange (FRA)

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