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Sport Wintersport
01/02/2019

Höhenkranke Helden: Die Skisprung-Stars in der Krise

Von Stefan Kraft bis Severin Freund, von Peter Prevc bis Gregor Schlierenzauer – viele Stars suchen ihre alte Umlaufbahn.

von Christoph Geiler

Es ist Stefan Kraft hoch anzurechnen, dass er in seiner Situation jetzt nicht die Konkurrenz ins Spiel bringt und darauf hinweist, dass es anderen nicht viel anders geht.

Dass er nämlich nicht der einzige Skispringer von Rang und Namen ist, der sich blutig hart tut, auf seine frühere Umlaufbahn zurück zu kehren. Dass er gerade höchst prominente Leidensgenossen hat, die ein ähnliches Schicksal teilen.

Auf Formsuche

Peter Prevc etwa, der 26-jährige Slowene, der die Bestmarke für die meisten Weltcupsiege (15) in einer Saison (2015/’ 16) hält, hat die Tournee vorzeitig beendet.

Oder Severin Freund, der deutsche Gesamtweltcupsieger von 2014/’15 wurde nach Garmisch aus dem deutschen Tourneeteam gestrichen.

Oder auch Teamkollege Andreas Wellinger, der Olympiasieger verpasste zwei Mal den Sprung in das Finale, weil er, Ironie des Schicksals, seine K.o.-Duelle gegen zwei Österreicher verloren hat.

Nicht zuletzt findet sich im eigenen Adlerhorst eines der größten Rätsel in der Geschichte dieses Sports: In Person von Rekordspringer Gregor Schlierenzauer (53 Weltcupsiege), der seit Jahren verzweifelt den Anschluss an die Weltspitze sucht.

Die Stars in der Krise, das scheint im Skispringen geradezu ein Massenphänomen zu sein. Und auch wenn die einen durch eine Verletzung aus der Flugbahn geworfen wurden, und die anderen auf Grund von Materialänderungen auf ein Normalmaß gestutzt wurden, so ist all diesen früheren Dominatoren eines gemeinsam. Die fehlende Gelassenheit. „Wenn ein Skispringer es gewohnt war, ganz vorne zu stehen, kann er leicht ungeduldig werden, wenn es nicht so schnell vorwärts geht“, sagt der deutsche Chefcoach Werner Schuster.

Auf Spurensuche

Genau das war auch das große Dilemma von Stefan Kraft bei seinem Totalabsturz in Garmisch (49.). Als Doppelweltmeister und Skiflugweltrekordhalter zählen für ihn nur Spitzenplätze, „ich will ja nicht 20. werden“, sagte der Salzburger. Das Problem ist nur, dass der 25-Jährige im Moment nicht in der Lage ist, konstant seine Leistungen abzurufen und es deshalb noch zu oft mit der Brechstange versucht. „Wenn das letzte Selbstvertrauen fehlt, dann kommt genau so etwas raus wie in Garmisch. Ich bin anfällig dafür. Das ist gerade eine schwierige Phase.“

Freilich nicht nur für Stefan Kraft, mit Ausnahme von Daniel Huber, dem Zehnten in der Tournee-Gesamtwertung, schwächelt gerade das gesamte ÖSV-Team. Gründe dafür gibt es viele, einer davon führt in die erfolgreiche Vergangenheit, in der die Superadler eine Trophäe nach der anderen eingeflogen waren. In dieser Ära sei es schwierig gewesen, so Sportdirektor Mario Stecher, „dass man die jungen Springer aufkommen lässt. Jetzt ist definitiv eine Lücke da.“

Dass österreichische Trainer der Konkurrenz aus Norwegen, Deutschland und aus Polen auf die Sprünge geholfen haben, kommt erschwerend hinzu. „Wir haben viel Know-how ins Ausland verloren“, weiß Stecher. „Und den Materialvorteil von früher haben wir auch nicht mehr.“

Immerhin genießt das Skisprungteam die volle Rückendeckung von Präsident Peter Schröcksnadel. Wie meinte der ÖSV-Boss doch gleich. „Ein Verband, bei dem es in jeder Sparte laufen würde, das wäre ja kitschig.“

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