Andreas Brucker hatte am Freitag alle Hände voll zu tun

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Sport Wintersport
03/31/2019

Eishockey: Die Meisterprüfung von Andreas Brucker in Salzburg

Semifinale: Vor dem Sonntag-Spiel gegen die Capitals spricht der Salzburg-Coach über seine Arbeit und das Duell mit Wien.

von Peter Karlik

Wie die Jungfrau zum Kind schlüpfte Andreas Brucker in die Rolle des Headcoaches bei Salzburg. Zu seiner eigenen Überraschung wurde die Arbeit des 51-jährigen Linzers im Nachwuchs so sehr geschätzt, dass er im vergangenen Sommer zum Co-Trainer von Greg Poss wurde.

Nach dem Abgang des Amerikaners übernahm Brucker am 26. Februar und schaffte es, das Sinken des Schiffes zu verhindern. Von den bisherigen elf Spielen wurden sechs gewonnen. Am Freitag setzte es zum Auftakt der Semifinalserie gegen die Capitals zwar eine 2:4-Niederlage. Aber die Leistung machte den Salzburgern vor dem Sonntag-Heimspiel (14 Uhr) Mut. „Wir waren 40 Minuten lang das bessere Team“, sagte Brucker.

Im Interview spricht er über die aufregenden letzten Wochen als erster österreichischer Headcoach in der Salzburger Bundesliga-Geschichte und über die Probleme im Team.

KURIER: Was haben Sie nach Ihrem Amtsantritt gemacht?
Andreas Brucker:
Es war große Unruhe im Team. Viele waren mental am Ende. Die Ergebnisse sind ausgeblieben und eine Kettenreaktion ist entstanden. Wir haben Einzelgespräche geführt und Spieler gefragt, wie wir als Mannschaft wieder zusammenfinden können. Dann haben wir in den Trainings das Spielerische und den Spaß eingebaut, somit war die Stimmung gleich besser. Wichtig war auch, dass die ersten Ergebnisse positiv waren. Damit haben alle an die Änderungen auch geglaubt.

Wie sind die beiden Gesichter der Mannschaft in der EBEL und in der Champions Hockey League mit dem Semifinaleinzug entstanden?
Salzburg hat immer den Anspruch Favorit in der EBEL zu sein. Einige Spieler haben bestätigt, dass sie nicht mit der letzten Konsequenz in Partien gegen Teams wie Dornbirn oder Innsbruck gegangen sind. Aber die Liga ist in den letzten Jahren so zusammengerückt, dass es keinen großen Klassenunterschied mehr gibt. In der CHL war das anders. Da haben wir gegen den schwedischen, finnischen und den Schweizer Meister gespielt. Da waren die Spieler zu 150 Prozent fokussiert, weil wir sonst keine Chance gehabt hätten. Und man muss schon auch zugeben, dass wir Glück gehabt haben. Gegen Kärpät hätten wir uns über acht Gegentore nicht beschweren können. Wir haben ein Unentschieden erreicht.

Auch nach Ihrem Amtsantritt gab es Aussaugen, dass nicht alle Spieler an einem Strang gezogen haben. Ist die Salzburger Mannschaft eine schwierige?
Unser Anspruch ist sehr, sehr hoch. Ein paar Spieler sind schon sehr lange in Salzburg. Es ist nicht immer einfach, die richtige Einstellung zu finden. Man muss ihnen bewusst machen, dass es den Klassenunterschied zu den anderen Teams nicht mehr gibt. Viele hier leben noch in der Vergangenheit. Die anderen Mannschaften haben aufgerüstet. Wien, Klagenfurt und Graz – da ist von der Qualität her nicht mehr viel Unterschied. Manche Spieler haben im Hinterkopf, am Schluss sind wir eh vorne dabei. Aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Auch das Viertelfinale gegen Fehervar hätte anders ausgehen können.

Der 4:2-Sieg der Capitals am Freitag

Hat sich diese Einstellung jetzt gebessert?
Ich denke schon. Es ist jetzt jedem bewusst, dass er an sich arbeiten muss. Wir haben auch an der Spielart ein bisschen geändert. Jeder muss daran arbeiten, dass wir uns als Mannschaft verbessern. Ich glaube doch, dass uns das Schritt für Schritt gelungen ist.

Capitals-Coach Dave Cameron sagt, dass das Duell sehr spannend ist, weil die Mannschaften ausgeglichen sind.
Das sehe ich auch so. Es gibt keinen Favoriten. Die Wiener spielen ein sehr starkes Eishockey, sie sind sehr konsequent. So, wie wir es spielen wollen – aggressiv und schnell. Und sie haben Spieler, die gute Entscheidungen am Puck treffen und Tore erzielen können.

Worauf wird es ankommen?
Nur auf Kleinigkeiten. Eishockey besteht aus Fehlern. Diese muss man minimieren und seine Chancen nutzen. Wir haben zuletzt gehadert, dass wir zu wenige Tore geschossen haben. Und es hängt natürlich an den Torhütern. Wer den besseren Tag erwischt, der wird gewinnen.

Welches Eishockey würden Sie spielen lassen, wenn Sie sich die Spieler dafür aussuchen könnten?
Schnell, aggressiv und kreativ. Man kann einen gewissen Rahmen vorgeben, aber die Spieler sollten doch kreativ bleiben. Viele Trainer engen die Spieler zu sehr ein. Das ist nicht der Sinn und Zweck. Und das macht das Spiel unattraktiv.

Würden Sie auch wieder etwas anderes im Klub machen, wenn ein anderer Headcoach kommt?
Absolut. Ich gehe wieder als Assistenz-Coach oder in den Nachwuchs. Das ist kein Thema. Ich war auch sehr gerne im Nachwuchs. Aber als Head-Coach habe ich jetzt auch sehr großen Spaß.

Was machen Sie, wenn Sie nicht in der Eishalle sind?
Ich fahre gerne Motorrad. Ich habe zwei Ducatis, die mir heilig sind. Ich gehe sehr gerne radfahren und laufen, spiele gerne mit meinen Kindern Tennis, mit Freunden Fußball. Es bewegt sich alles um den Sport.

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