Der Meisterpokal bekommt eine neue Aufschrift

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Sport Wintersport
10/19/2019

Die Erste Bank steigt aus dem österreichischen Eishockey aus

Der Liga-Sponsor beendet nach 17 Jahren die Zusammenarbeit. Auch der österreichische Verband bekommt Probleme.

von Peter Karlik

Es ist ein Erdbeben, das das österreichische Eishockey derzeit in seinen Grundfesten erschüttert. Vor knapp zwei Wochen ging eine kurze Info an die elf Vereine der Erste Bank Liga hinaus, wonach die der Hauptsponsor den Vertrag mit der Liga nicht verlängern wird. Gleichzeitig informierte Verbandspräsident Gernot Mittendorfer vor seiner Hochzeitsreise seine Mitarbeiter, dass die Erste Bank auch die Zusammenarbeit mit dem Eishockey-Verband beenden wird.

Die aktuelle ist die 17. Saison der Eishockey-Liga mit dem Titelsponsor. Liga-Geschäftsführer Christian Feichtinger bestätigt: „Wir haben es nach dem Saisonbeginn erfahren. Es ist Weltklasse, einen solchen Sponsor über einen so langen Zeitraum gehabt zu haben. Wir haben mit Hilfe der Erste Bank unser Produkt sehr weit bekommen. Jetzt heißt es Ärmel aufkrempeln.“


Auch Servus sagt "Auf Wiedersehen"

Zu allem Überdruss verlässt ein weiterer Partner die Liga: Mit Saisonende steigt auch ServusTV aus. Damit wird ein Rechtepaket für 44 Partien im Free-TV frei. Wobei: ServusTV hat zwar die Rechte für das Free-TV, überträgt im Grunddurchgang aber nur im Internet. Der Vertrag mit dem Pay-TV-Sender Sky läuft noch ein Jahr weiter.

Der Umbruch wirft viele Fragen auf, der KURIER versucht einige zu beantworten.

Warum kommt es zu der Trennung?
Schon im Frühjahr war aus der Bank von einer Evaluierung der Zusammenarbeit zu hören und dass die Kosten zu hoch geworden seien. Mittlerweile ist Andreas Treichl nicht mehr Generaldirektor, Eishockey-Verbandspräsident und Treichls rechte Hand Gernot Mittendorfer wurde nicht sein Nachfolger und hat die Bank sogar verlassen.

EBEL SAISONAUFTAKT PRESSEKONFERENZ: MITTENDORFER

Um welche Summen geht es?
Die Erste Bank hat dem Vernahmen nach in die Liga jährlich zwei Millionen Euro investiert. Die elf Klubs bekommen zirka ein Drittel, der Rest geht in Spielbetrieb, Investitionen und Verwaltung.

Wie sehr trifft es die Klubs?
Die großen Vereine wie Salzburg, Klagenfurt, die Capitals, Linz und Graz mit einem Gönner wie Pildner-Steinburg werden den Verlust kompensieren können. Kritisch wird es für die finanzschwachen Teams wie Dornbirn, Villach, Innsbruck, Znaim und Fehervar. Eine Fünfer-Liga will niemand.

Wie geht es weiter?
Am Montag gibt es ein Geheimtreffen der acht österreichischen Klubs, die sich untereinander abstimmen. Am Mittwoch gibt es die offizielle Liga-Sitzung in Salzburg, auf der Geschäftsführer Feichtinger ein Konzept vorlegen will.

Welche Optionen gibt es?
Es gibt Hoffnungen, dass ein Sponsor dieser Dimension keinen Trümmerhaufen hinterlassen und für einen geordneten Ausstieg sorgen will. Eine Verlängerung um ein Jahr zu niedrigeren Konditionen würde den Verantwortlichen Zeit geben und der Erste Bank den Vorwurf ersparen, durch die kurzfristige Entscheidung Existenzen zu gefährden. Schlimmer als die Liga wird es aber den Verband treffen, der ohne Sponsor viele Nachwuchsprogramme wird beenden müssen.