Tom Boonen: Verrückt, aber erfolgreich

Der Belgier griff nach 200 Kilometern des Radklassikers an – und siegte nach einer 53 Kilometer langen Solofahrt.

Nicht über Stock, aber über jede Menge Stein geht es bei La Reine des Classiques, der Königin der Klassiker, oder ... ... einfach nur Paris - Rubaix: Rund 250 Kilometer mit gut ... ... zwei Dutzend Kopfstein bepflasterten Abschnitten ... ... haben dem Klassiker den wohlverdienten Beinamen "Hölle des Nordens" eingebracht. Obwohl der Streckenverlauf ... ... gemeinhin als "brett`leben" bezeichnet werden kann, kann er ob des Untergrundes mit Fünfsterne-Abschnitten (höchste Schwierigkeits-Stufe) aufwarten. Das ... ... bleibt natürlich nicht ohne negative Auswirkungen auf das Arbeitsmaterial. Trotzdem mittlerweile ... ... speziell angepassten Rahmen und Reifen gefahren wird, sind Defekte keine Seltenheit. Am Ostersonntag ... ... gab es einen überlegenen Favoritensieg: Der Belgier Tom Boonen brachte die ... ... Strapazen am Schnellsten hinter sich und ist damit neben seinem in den 70ern aktiven Landsmann Roger De Vlaeminck mit vier Triumphen Rekordsieger. Als ... ... Lohn darf er sich über einen Pflasterstein freuen - kaum gebraucht, wie`s ausschaut. Wagemutig: Boonen brauste solo über Stock und Kopfstein.

Paris–Roubaix ist nicht irgendein Rennen: mehr als 250 Kilometer an einem Tag; mehr als 50 Kilometer davon auf Kopfsteinpflaster; und viele dieser 27 Pavés genannten Abschnitte werden seit Jahren immer wieder repariert und gepflegt – nur damit sie den Radprofis zur Last gereichen können und damit die "Hölle des Nordens" teuflisch bleibt.

Die Strecke durch Nordfrankreich ist seit jeher einer jener Anlässe, der Triumphe und Tragödien nebeneinander schafft, der Helden gebiert und Helden abstürzen lässt. Roger de Vlaeminck war seit den 1970er-Jahren belgische Legende, nachdem er vier Mal Paris–Roubaix gewonnen hatte. Am Ostersonntag schlüpfte ein Landsmann des Belgiers in die Rolle des Nachfolgers: Tom Boonen siegte nach 2005, 2008 und 2009 ebenfalls zum vierten Mal. Und am Ende war der 31-Jährige höchst überrascht, wie leicht doch alles war dieses Mal: Nach 202 Kilometern zog Boonen einen Zwischensprint an – und niemand wollte ihm folgen.

Die Italiener Alessandro Ballan und Filippo Pozzato unterschätzten die Attacke, Niki Terpstra (Nl) ließ Boonen gewähren, weil beide bei Omega-Pharma-Quickstep fahren, und so wurde der 53 Kilometer lange Soloritt zu einer Triumphfahrt. Nicht nur einmal deutete Boonen mit der rechten Hand den vierten Sieg an, schließlich legte der Weltmeister von 2005 1:39 Minuten zwischen sich und den zweitplatzierten Sébastien Turgot (F).

"So früh anzugreifen, war schon etwas verrückt", gestand Boonen nach seinem Coup, "aber es war der perfekte Tag für mich." Und es war für den 31-Jährigen der schönste seiner vier Siege in der Hölle.

Weiter geht’s mit einem Klassiker-Dreierpack: am Sonntag das Amstel Gold Race, am Mittwoch danach die Flèche Wallonne – und am 22. April Lüttich–Bastogne–Lüttich.

(kurier / Wolfgang Greiner) Erstellt am
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