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Sport
10/28/2019

Thiem nach Wien-Triumph: "Titel mit dem größten Stellenwert"

Der frischgebackene Erste-Bank-Open-Sieger denkt schon an eine noch bessere Saison 2020.

von Harald Ottawa

Es war der 14. September. Da blickte Dominic Thiem nicht wirklich frohgemut aus der Tennis-Wäsch. Der 26-Jährige hatte soeben sein Daviscup-Spiel gegen den weitgehend unbekannten 20-jährigen Finnen Emil Ruusuvuori verloren. Sang-, aber nicht klanglos. Kritiker wurden wieder auf den Plan gerufen, Thiem würde eben gegen Ende der Saison formschwach sein. Wie so oft halt.

Sechs Wochen später ist die Düsterkeit verflogen. Und der Lichtenwörther durfte mit Glanz in den Augen verkünden: „Der Titel in Wien hat den größten Stellenwert in meiner Karriere.“ Und das sagt einer, der heuer in Indian Wells sein erstes ATP-1000-Turnier in Indian Wells gewann, der zum zweiten Mal bei den French Open im Endspiel stand. Doch ein Heimtitel ist eben das, „wovon ich als Kind schon geträumt habe.“ Der Finalsieg über seinen argentinischen Freund Diego Schwartzman (Nummer 15 der Welt) war das Highlight.

Ritterschlag

Einen Ritterschlag bekommt er von Herwig Straka, seit heuer sein Manager und seit 2009 Turnierboss der Erste Bank Open. Weil er wieder die Form des Frühjahrs fand. „Das schaffen nur Leute, die das Zeug haben, auch Nummer eins zu werden. Das ist sehr eindrucksvoll, auch wie er sich hier in der Woche durchgespielt hat. Da stößt er sicherlich auch in eine neue Dimension vor.“

Überthiemensional. Jetzt ist er der erste Österreicher, der sowohl in Kitzbühel („Das war schon großartig“), als auch in Wien gewann. Und das sogar noch in einem Jahr. Thomas Muster siegte in Kitzbühel 1993, vergab aber in drei Finali (1988, 1993 und 1995) den Titel in der Stadthalle. Thiem attestiert für sich, dass er dazu gelernt hat, und nun auch mit dem großen Druck von außen in der Heimat besser umgehen kann. „Ich bin froh, dass ich mich da verbessert habe, und meine Energie trotzdem auf das Wichtige fokussiere.“

Thiem ist bereits in Paris, wo er beim ATP-1000-Turnier als Nummer fünf gesetzt ist. Nach einem Freilos ist der Kanadier Milos Raonic sein erster Gegner. 

Wichtiger als Bercy („Dort früh auszuscheiden, wäre kein Malheur“) ist aber das abschließende ATP-Endturnier in London, das Finale der besten acht Spieler des Jahres ab 10. November. „Dort gibt es keine leichten Partien, da ist jedes Match wie Grand-Slam-Viertel-, Halbfinale oder Finale, da gibt es keine Garantie für einen Sieg.“ Thiem ist übrigens der einzige Spieler, der seit 2016 regelmäßig immer dabei ist. „Diese Konstanz ist das beeindruckendste“, sagt Vater Wolfgang Thiem, der bei den glanzvollen Auftritten im China (Sieg in Peking, Viertelfinale in Schanghai) mit von der Partie war. Als „Thiem-Chef“ sozusagen.

Sein Sohn ist der einzige Spieler, der in diesem Jahr fünf Titel holte. Und dennoch will Dominic Thiem im nächsten Jahr noch mehr. „Ich hatte trotz allem viele Leerläufe heuer“, sagt Thiem auch nach seiner bislang besten Saison.

Schlag auf Schlag

Deshalb wird die Vorbereitung fürs nächste Jahr noch besser geplant. Nach dem ATP-Finale geht es zwei Wochen in den Urlaub, danach startet in Miami mit Fitnesscoach Duglas Cordero die Saison 2020. Noch vor Weihnachten geht es nach Australien, mit von der Partie sind neben Vater Wolfgang auch Freund Dennis Novak und Sebastian Ofner. „Ich möchte bei den nächsten Australian Open besser sein.“

Das große Ziel – Nummer eins zu werden – ist also nicht illusorisch. „Wer Nummer vier oder fünf ist, kann auch Nummer eins werden“, sagt Thomas Muster. Der Steirer weiß, wie es geht.

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