Zwei-Klassen-Gesellschaft: Platz eins und Platz zwei sind für Tina Maze und Anna Fenninger reserviert, Lindsey Vonn kann nur bitter lächeln.

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Mit ihrem doppelten Hundertstel-Krimi haben sie Lokalmatadorin Vonn den Rang abgelaufen.
02/07/2015

Die zwei Schnee-Königinnen

Mit ihrem doppelten Hundertstel-Krimi haben sie Lokalmatadorin Vonn den Rang abgelaufen.

Eine Hundertstelsekunde liegt Anna Fenninger vor Tina Maze. Die Österreicherin hatte am Dienstag den Super-G drei Hundertstel vor Maze gewonnen. Die Slowenin revanchierte sich am Freitag in der Abfahrt mit zwei Hundertsteln Vorsprung.

Fenninger gegen Maze – das ist das Gold-Duell der Schnee-Königinnen von Vail. Enttäuschte Beobachterin dabei ist Lindsey Vonn, die US-Grand-Dame des Skisports, die mit 64 Weltcupsiegen im Gepäck angereist ist, bei der Heim-WM bislang aber lediglich eine Bronzemedaille geholt hat.

Vonn (30) und Maze (31) hatten einander in ihrer Karriere schon manches Scharmützel geliefert. Vonn hatte sogar schon einmal das F...-Wort gegen die Slowenin gebraucht.

Zwischen den neuen Ski-Königinnen herrscht jedoch Eintracht. Auch wenn Tina Maze polarisiert. Etliche können mit der verbissenen Kämpfernatur aus Slowenien auch in ihrer 15. Weltcup-Saison nichts anfangen. Was aber Kritiker und Bewunderer eint, ist der Respekt vor der großen Sportkarriere der 31-jährigen Slowenin.

Zwölf Medaillen hat Tina Maze bei Großereignissen bereits gesammelt. Vier bei Olympischen Spielen in Vancouver (Silber in Super-G und Riesenslalom) und Sotschi (Gold in Abfahrt und Riesenslalom) und acht bei Weltmeisterschaften. Nach WM-Gold in Riesentorlauf (2011) und Super-G (2013) wurde sie in Beaver Creek auch erstmals in der Abfahrt zur besten Skifahrerin der Welt gekürt. Und zur ältesten Weltmeisterin der Ski-Geschichte.

"Ich bin auch nicht mehr die Jüngste", hört man Maze mitunter scherzen, angesprochen auf das immense Trainingspensum der letzten Jahre. "Es ist nicht immer leicht, hungrig zu bleiben bei all den Rennen und nach all den Jahren", gibt sie zu. "Aber hier war ich es."

Die Slowenin gehört zu einer aussterbenden Spezies im Ski-Zirkus: Zu jenen Athleten, die alle Disziplinen bestreiten und auch in allen gewinnen können. Den Wechsel zwischen den Disziplinen beschreibt sie so, "als steige man von Tischtennis auf Tennis um".

Die Einzelkämpferin

Tina Maze ist nicht für ihre Kompromissfähigkeit bekannt. Eher dafür, dass sie geradlinig ihren eigenen Weg geht. Koste es, was es wolle. Das mag eines ihrer Erfolgsgeheimnisse sein. Seit 2008 hat sich die Hobbysängerin ihr eigenes Umfeld geschaffen und sich vom slowenischen Verband losgesagt. Stattdessen vertraut sie auf ihr eigenes kleines Team – vom Coach bis zum Materialwart. Ihr Trainer und Lebensgefährte, der Italiener Andrea Massi, ist der Manager des "Team to aMaze", wie sich das Unternehmen nennt.

Die Umstellung sollte sich auszahlen. 2012/2013 folgte die Rekordsaison. Maze gelang, woran Erzrivalin Vonn gescheitert war: Mit 2414 Weltcup-Punkten (elf Siege, 24 Podestplätze) pulverisierte sie die Marke von Hermann Maier (2000). In Schladming krönte sie ihr Ausnahmejahr mit WM-Gold im Super-G und Silber in Kombination und Riesenslalom.

Was folgte, war ein Lehrjahr, in dem es ihr zunächst nicht gelingen sollte, an die Erfolge des Vorjahres anzuknüpfen. "Es war die schwierigste Saison meines Lebens", erzählt sie – bis zu Olympia in Sotschi, wo sie Doppel-Olympiasiegerin wurde.

Und jetzt also die WM in Vail und Beaver Creek. Mit (wieder) neuem Trainer, Valerio Ghirardi, hat Maze in dieser Saison zu alter Konstanz zurückgefunden. Und auch zurück in jene Rolle, die ihr auf den Leib geschneidert scheint: die der Vielfahrerin und Medaillenkandidatin in allen Disziplinen.

Die nächsten Duelle

Der Zweikampf mit Fenninger wird im Riesentorlauf und in der Kombination weitergehen. Zwei Rennen, zwei Medaillen. Besser hätte die WM in Vail und Beaver Creek für Anna Fenninger nicht laufen können. Statt sich über die vergebene Chance zum Doppel-Triumph zu ärgern, nahm es die Super-G-Olympiasiegerin und Gesamtweltcupsiegerin gewohnt sportlich: "Die zwei Hundertstel, um die es gegangen ist, kommen im Leben zurück. Ich bin glücklich, dass ich Silber gewonnen habe." Damit muss die flinke Dame aus Salzburg allerdings weiter auf den ersten Sieg in einer Abfahrt warten. "Ich weiß, dass ich es drauf habe", sagt sie. Trotzdem verzichtete sie am Samstag auf das Training für die Kombination am Montag. Stattdessen widmete sich die 25-Jährige dem Riesentorlaufschwung.

(aus Vail/Beaver Creek)

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