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Sport
07/13/2021

Sensation bei der Tour de France: Patrick Konrad gewinnt 16. Etappe

Der 29-Jährige sichert sich die 16. Etappe und krönt sich zum erst dritten Tour-Etappensieger aus Österreich.

von Christoph Geiler

Man konnte Patrick Konrad auf seinem Husarenritt ins Tal kaum zusehen. Wie er sich völlig ausgepumpt und zugleich auch völlig furchtlos die steile Abfahrt vom  Col de Portet-d’ Aspet hinunterstürzte. Ein Berg, der eine tragische Geschichte erzählen kann: 1995 war dort der Italiener Fabio Casartelli tödlich verunglückt, eine weiße Gedenktafel  erinnert am Straßenrand an den  italienischen Profi.

Umso bemerkenswerter, wie Patrick  Konrad auf der regennassen Bergstraße wagemutig und kompromisslos die vielen engen Kurven kratzte und  alles  Menschenmögliche unternahm, um diese historische Gelegenheit zu nützen. Wie viele österreichische Tagessiege hatte es in der langen Geschichte   der Tour de France schon zu  feiern gegeben?

Mit Leidenschaft und Mut

Die Leidenschaft und der Mut von Patrick Konrad machten sich bezahlt. Mit seiner famosen Abfahrt, mit der er den Vorsprung auf die Verfolger ausbaute, legte der 29-Jährige den Grundstein für den Sieg auf der 16.Etappe der Tour de France.

Als er nach 169 Kilometern in Saint-Gaudens über die Ziellinie fuhr, konnte er sein Glück kaum fassen. Entgeistert schlug sich Konrad auf den Helm, ehe er  die Fäuste ballte.

Der Blick auf seine Vorgänger macht den sporthistorischen Stellenwert dieses Erfolges erst deutlich: Vor Patrick Konrad hatten erst zwei österreichische Radfahrer beim berühmtesten Etappenrennen der Welt einen Tagessieg einfahren können.

Bei der Tour de France 1931 hatte der Wiener Max Bulla drei Etappen gewonnen und durfte als bislang einziger heimischer Radfahrer kurzzeitig auch das Gelbe Trikot tragen. 2005 kam der Zillertaler Georg Totschnig auf der Bergetappe nach  Ax-3-Domaines als Erster ins Ziel.

Mit Ansage

Die Triumphfahrt von Patrick Konrad hatte sich in den vergangenen Tagen bereits angekündigt. Der Profi vom Bora-hansgrohe-Team fährt eine bärenstarke Tour de France und war schon mehrmals in Ausreißergruppen zu  finden.

Auf der siebenten und längste Etappe war  der  Niederösterreicher auf Rang sieben gelandet, die 14. Etappe hatte er auf dem zweiten Platz beendet. „Ich  werde vielleicht noch meine Chance bekommen“, hatte er damals angekündigt.

Gesagt, getan, geradelt.

Patrick Konrad liegt der Ausdauersport in den Genen. Sein Vater Wolfgang war ein erfolgreicher Mittel- und Langstreckenläufer, heute organisiert er erfolgreich den Vienna City Marathon.

Seinen Sohn zog es nicht auf die Tartanbahn, sondern lieber aufs Rad. Und dort gilt Patrick Konrad als ausgewiesener Kletterspezialist und Mann für große Rundfahrten. Beim  Giro d’Italia war der 29-Jährige in der Gesamtwertung   schon zwei Mal in den Top Ten.


Nach dem historischen Etappensieg bleibt wenig Zeit zum Verschnaufen. Nicht nur bei der Tour de France, auch danach. Denn Patrick Konrad startet auch bei den Sommerspielen in Tokio. Dort soll der Kurs extrem anspruchsvoll sein.

Genau das, was Patrick Konrad liegt.

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