© APA/AFP/PEDRO PARDO

Sport
08/06/2021

"Hau richtig drauf": Scharfe Kritik an deutscher Fünfkämpferin

Die 31-jährige Schleu verpasste die Medaille, weil das Pferd nicht mitspielte. Während die Deutsche in Tränen ausbrach, wurde viel Kritik laut.

Annika Schleu liefen die Tränen über das Gesicht. Die Moderne Fünfkämpferin aus Berlin war völlig aufgelöst, nachdem sie das ihr zugeloste Pferd einfach nicht in den Griff bekam und so im Springreiten jegliche Chance auf den vorher absolut realistischen Olympiasieg in Tokio einbüßte.

Nach einem wahren Drama mit dem Pferd Saint Boy fiel die 31-Jährige vom ersten Platz vor dem abschließenden Laser Run noch auf Rang 31 zurück - am Ende stand diese Platzierung auch in der Gesamtwertung. Statt einer fast sicheren Medaille blieben in Japan nur jede Menge Frust und große Enttäuschung.

„Ich kann es kaum glauben, dass uns das zwei Olympische Spiele hintereinander passiert“, sagte Bundestrainerin Kim Raisner im deutschen Fernsehen und fing selbst an zu weinen. Ein komplett misslungener Ritt und null Punkte im Springreiten hatten 2016 auch die Träume vom zweiten Olympia-Gold nach 2008 von Lena Schöneborn beendet.

„Es kann fast keiner besser nachempfinden als ich. Es war die gleiche Situation wie in Rio“, sagte Schöneborn, die auf der Tribüne saß über die bitteren Momente ihrer langjährigen Trainingspartnerin miterlebte: „Es ist der worst, worst case, der jetzt eingetreten ist. Mit allen anderen Punktzahlen hätte man Annika keine Medaille mehr nehmen können.“

Tierarzt erklärt Pferd für einsatzbereit

Dabei hatten sich die Probleme des Vierbeiners schon angedeutet. Saint Boy wollte wenige Minuten zuvor bei Gulnas Gubaidullina vom Team des Russischen Olympischen Komitees bereits nicht über die Hindernisse. Ein Tierarzt erklärte das Pferd dennoch für einsatzbereit. Schleu musste auf Saint Boy.

Doch schon in der Eingewöhnung mit dem verunsicherten und aufgeregten Pferd ging kaum etwas. „Hau mal richtig drauf! Hau drauf!“, forderte Bundestrainer Raisner - deutlich hörbar im Fernsehen - ihre verzweifelte Athletin zum Einsatz mit der Gerte auf.

Vor allem dieser Satz sorgte für viel Kritik der Zuseher. „Moderner Fünfkampf oder auch: Moderne Tierquälerei.“, schrieb etwa ein User auf der Plattform Twitter.

Zwar schaffte es Schleu mit dem Pferd noch in den Parcours. Auch übersprangen die beiden die ersten Hindernisse. Dann räumte das Duo aber erst einen Sprung ab, danach verweigerte Saint Boy. Schleu musste das schlechteste Resultat hinnehmen. „Das Pferd hat sich hier absolut nicht wohlgefühlt“, sagte Schöneborn. Raisner betonte: „Es ist nicht ihre Schuld. Das Pferd wollte immer nur zur Tür.“

13 Jahre nach dem historischen Gold von Schöneborn in Peking standen die Fünfkämpferinnen mit leeren Händen da. Gold ging an die Britin Kate French vor Laura Asadauskaitė aus Litauen und Sarolta Kovacs aus Ungarn.

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