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© APA/AFP/DIMITAR DILKOFF / DIMITAR DILKOFF

Sport
08/28/2020

Nach Kritik: Chef der russischen Anti-Doping-Agentur entlassen

Juri Ganus hatte sich stets für Reformen in der russischen Sportpolitik ausgesprochen und auch Putin zum Handeln aufgerufen.

Juri Ganus ist als Chef der russischen Anti-Doping-Agentur (RUSADA) entlassen worden. Das habe die RUSADA-Generalversammlung am Freitag mehrheitlich entschieden, sagte der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Stanislaw Posdnjakow, der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Zuvor hatte sich der Aufsichtsrat für die Absetzung des 56-Jährigen ausgesprochen.

Als offizielle Begründung wurden Unregelmäßigkeiten bei Finanzen angegeben. Das habe eine Überprüfung ergeben, sagte Posdnjakow bei einer Pressekonferenz. Ganus hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Unklar war, ob die Behörden nun in dem Fall ermitteln werden.

Ganus war inmitten des Skandals um russisches Staatsdoping vor genau drei Jahren an die Spitze von RUSADA gewählt worden. Sie war im vergangenen Dezember von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) für vier Jahre gesperrt worden. Zudem wurde ein Olympia-Bann für die russische Mannschaft ausgesprochen. Die russische Agentur hat dagegen Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof CAS eingelegt.

Deutliche Kritik am System

Ganus hatte sich stets für Reformen in der russischen Sportpolitik ausgesprochen. "Insgesamt ist es so, dass einiges faul ist – und an vielen Stellen bei uns Sportfunktionäre ausgewechselt werden müssen", hatte er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur vor wenigen Monaten gesagt. Mit schnellen Veränderungen rechnete er aber nicht. "Das dauert wohl noch eine Generation." Ganus hatte auch Kremlchef Wladimir Putin persönlich zum Handeln aufgerufen.

Angesichts seiner deutlichen Kritik am System hatten sich Beobachter schon länger gefragt, wie lange sich Ganus noch an der Spitze der RUSADA halten kann. Gegenüber der Agentur Interfax kritisierte er seine Entlassung: "Nach meinem Verständnis ist das eine falsche Entscheidung. Demzufolge sollen sie nun ihre Fehler genießen."

Sein Nachfolger soll innerhalb der nächsten sechs Monate bestimmt werden. Interimschef wird Michail Buchanow, ein Jurist der RUSADA.

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