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30.04.2018

Wer nach dem Baku-Grand-Prix mit Sorgenfalten abgereist ist

Der strahlende Sieger am Sonntag hieß Lewis Hamilton - in seinem Schatten standen aber viele Verlierer.

Bei Red Bull wird man den Großen Preis von Aserbaidschan möglichst schnell vergessen wollen. Hatte man mit Daniel Ricciardo in China noch den überragenden Sieger gestellt, holte man sich in Baku eine bittere Niederlage ab. Und das nicht nur, weil sich die beiden Piloten gegenseitig aus dem Rennen nahmen.

Kein Zweifel, das Doppel-Aus war ein herber Rückschlag für die nach dem China-Erfolg aufgekeimten Titelansprüche. Und weil Ricciardo und Max Verstappen auch in den Trainings durchaus schnell aussahen, hoffte man bei den Bullen auf einen zweiten Sieg in Serie. Das Qualifying sorgte dann für Ernüchterung: Nicht nur Ferrari, sondern auch die beiden Mercedes-Piloten waren außer Reichweite. Und auch im Rennen war man bis zur Kollision der beiden Renner nur die dritte Kraft.

Während die Stimmung zwischen dem Australier und dem Niederländer nach der Kollision nicht gerade die beste sein dürfte - und frappierend an die teaminternen Verstimmungen zwischen Sebastian Vettel und Mark Webber 2010 nach dem Istanbul-Crash erinnert - dürften sich die Sorgenfalten bei Red Bull über die Performance aber in Grenzen halten. Denn Baku ist eine Ausnahmestrecke, und für die kommenden Rennen ist wohl China der bessere Maßstab.

Sorgen machen wird man sich aber wohl auch bei Mercedes - denn dass der erste Saisonsieg nur durch Glück zustande kam, steht außer Frage. Das schnellste Auto hatte in Aserbaidschan einmal mehr der rote Rivale, und ohne die Red-Bull-Kollision wäre Ferrari-Star Vettel nicht am Sieg zu hindern gewesen. Dass Bottas seinen Vorteil aus der Safety-Car-Phase dann nicht umsetzen konnte, schmerzt nicht nur den Finnen, der sich den Sieg durchaus verdient hätte.

Positives für Bottas

Und genau darüber dürfte auch der glückliche Sieger von Aserbaidschan ins Grübeln geraten. Denn wo er 2017 noch der deutlich bessere Mercedes-Pilot gewesen war, muss Lewis Hamilton 2018 anerkennen, dass Bottas den Abstand zum Weltmeister deutlich verkürzt hat - und ohne seinen Reifenschaden den ersten Mercedes-Sieg in diesem Jahr geholt hätte. Nicht zuletzt darum wirkte Hamilton auf dem Siegertreppchen nicht so befreit, wie man es angesichts seiner zu Ende gegangenen Durststrecke - sechs sieglose Rennen in Folge sind für Hamilton angesichts der Mercedes-Dominanz der vergangenen Jahre durchaus als solche zu beurteilen - hätte erwarten können.

Stichwort Bottas: Auch wenn der Finne sicherlich noch an einem verlorenen Sieg zu knabbern haben wird - aktuell darf er mit seiner Saison durchaus zufrieden sein. Denn die bisherigen Leistungen unterstreichen, dass Bottas durchaus Potenzial hat, für Mercedes einmal Weltmeister zu werden. Sowohl in Baku als auch in China verpasste er nur durch viel Pech einen möglichen Sieg, in Bahrain war er dicht dran an Vettel. Gut möglich also, dass Bottas auch über die Saison 2018 hinaus bei den Silberpfeilen bleiben darf.

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Und der Mann, der den Sieg durch ein Safety-Car und eine unüberlegte Aktion beim Restart verlor? Sebastian Vettel geht überraschend entspannt in die zweiwöchige Pause vor dem Großen Preis von Spanien. Denn der Deutsche hat in Baku unterstrichen, dass der Ferrari in diesem Jahr nicht nur konkurrenzfähig ist, sondern wohl das beste Auto im Feld. Zu keinem Zeitpunkt bis zum Safety-Car stand sein Sieg wirklich in Frage. Und dass er mit dem Überholversuch gegen Bottas einen seiner seltenen Fehler machte, lässt den Deutschen ebenso kalt. "Ich musste es versuchen", urteilt er.