Österreicherin neue Sauber-Teamchefin

Monisha Kaltenborn wird die erste Frau an der Spitze eines Formel-1-Teams.

Die Neue: Erst vor wenigen Wochen verpflichtete der Formel-1-Rennstall Marussia mit María de Villota eine Frau als Testfahrerin. Die 32-jährige Spanierin, die seit zwölf Jahren im Motorsport aktiv ist, ist die Tochter des früheren Formel-1-Piloten Emilio de Villota. Die Erfahrene: Seit 2006 dreht Susie Wolff , die unter ihrem Mädchennamen Susie Stoddart bekannt wurde, ihre Runden in der DTM. Genauso lange ist die deutsche Tourenwagenmeisterschaft auch keine reine Männerdomäne mehr. Die 29-jährige Schottin ist mit dem Wiener Williams-Großaktionär Toto Wolff verheiratet.
Ihre ersten Erfolge feierte sie im Kartsport, den Durchbruch schaffte sie in der DTM. In ihrem pinken AMG-Mercedes (C-Klasse) erreichte Wolff mit Platz elf in Valencia das beste Ergebnis 2011.
Ab sofort sitzt sie als Entwicklungsfahrerin für Williams im Cockpit. Die Bewunderte: Die Schweizerin Rahel Frey startet 2012 in ihre zweite DTM-Saison und erntet dafür vom Audi-Teamkollegen Mattias Ekström größtes Lob: "Das Schwierigste, was man sich als Frau im Motorsport antun kann ist die DTM", sagt der Schwede. Der Grund: Alle haben dasselbe Material, deshalb spielt die Rennerfahrung, die man sich erst hart erarbeiten muss, eine enorme Rolle. Ihren zwei Vorgängerinnen beim Ingolstädter Rennstall (Katherine Legge und Vanina Ickx) hat Rahel Frey zumindest bereits eines voraus: 2011 sah sie bei allen zehn Rennen die Zielflagge. Ihr bestes Ergebnis war Platz zwölf in Oschersleben. Die Pionierin: Im April 2008 gewann Danica Patrick als erste Frau ein Rennen der IndyCar-Serie. Die 30-jährige Amerikanerin fuhr von 2005 bis 2011 in der Rennserie, die in den USA als Pendant zur Formel 1 gilt. Seit den Neunzigern sind in der IndyCar-Serie traditionell vergleichsweise viele Frauen unterwegs – derzeit sind zwei weibliche Piloten am Start. Ab 2012 begibt sich die Indy-Pionierin auf neues Renn-Terrain: Patrick startet für Chevrolet in der NASCAR-Serie. Die First Lady: Eigentlich ist Jutta Kleinschmidt eine studierte Physikerin. Bekannt wurde die mittlerweile 49-jährige Deutsche, die bis 1992 in der Fahrzeugentwicklung bei BMW gearbeitet hat, aber durch ihre Qualitäten am Steuer eines Rallye-Autos: Kleinschmidt gewann 2001 als erste Frau die Gesamtwertung der berühmt-berüchtigten Wüstenrallye Dakar. Zuvor war die Kölnerin mehrmals (weniger erfolgreich) mit dem Motorrad angetreten. Monisha Kaltenborn arbeitet seit 13 Jahren bei Sauber.

Eine Österreicherin wird die mächtigste Frau im Motorsport: Monisha Kaltenborn wird Teamchefin beim Formel-1-Rennstall Sauber. Im Oktober wird Peter Sauber, der jetzige Teamchef, 69 Jahre alt.

"Ich möchte mit 70 nicht mehr an der Boxenmauer stehen", sagte der Schweizer im Interview mit der Schweizer Zeitung Der Sonntag.

"Meine Nachfolge ist geregelt. Monisha Kaltenborn ist die neue Teamchefin. Wann es so weit sein wird, ist noch offen." Vermutlich erfolgt die Ablöse am Ende dieser Saison.

Wichtigste Entscheidungsträgerin

Kaltenborn wurde 1971 in Indien geboren, mit sieben Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Österreich, seit 13 Jahren arbeitet sie beim Team, stets in führenden Rollen, derzeit als Geschäftsführerin.

"Ich bin überzeugt, dass sie auch diese Aufgabe sehr gut machen wird", sagt Sauber. Schon jetzt ist die Juristin bei wichtigen Fragen wie etwa jenen zum Concorde Agreement (das die Verteilung der Einnahmen regelt) die wichtigste Entscheidungsträgerin.

Kaltenborn wird also die erste Frau an der Spitze eines Formel-1-Teams. Nur wenige Frauen spielten bisher eine wichtige Rolle in der Männerdomäne Motorsport. Fünf Damen wurden in der Königsklasse bisher ans Steuer gelassen, nur eine, die Italienerin Lella Lombardi, gewann einmal einen halben Punkt (1975 beim abgebrochenen Rennen in Barcelona).

Den Grund dafür glaubt Jenson Button zu kennen: "In kleineren Klassen können Frauen mithalten", sagte der McLaren-Pilot. "Aber in der Formel 1 sind die Fliehkräfte in schnellen Kurven zu groß."

Mercedes-Fahrer Nico Rosberg sagt hingegen: "Die nötige psychische Härte haben einige Frauen ganz sicher drauf." Keinesfalls gäbe es einen Grund, dem Duell Mann gegen Frau aus dem Weg zu gehen, sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug in der FAZ. Im Gegenteil: "Der Motorsport ist dafür prädestiniert."

Das beweisen auch fünf andere Frauen, die sich in der PS-Welt durchsetzten:

(kurier / Christina Leitner, Florian Plavec) Erstellt am
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