JOCHEN RINDT,

Unvergessen: Jochen Rindt wurde nur 28 Jahre alt.

© kristian bissuti / kristian bissuti

Sport Motorsport
08/30/2020

Als Rennautos rasende Särge waren

Jochen Rindt starb in einer Sanitätsbaracke, die nur für harmlose Zuschauer-Verletzungen und Mückenstiche eingerichtet war.

von Wolfgang Winheim

Er sollte und wollte schon vor dem Abschlusstraining für den ORF einleitende Worte zur Formel-1-Rennübertragung des nächsten Tages sprechen. Verhaspelte sich, irritiert vom Motorenlärm, bei der versuchten Anmoderation und sagte zum Regisseur: „Jetzt is’ zu laut. Machen wir’s, wenn i wieder zurück bin von der Streck’n.“

Jochen Rindt, 28, kam nicht mehr zurück.

Heinz Prüller und Edi Finger Senior, dem Rindt zuvor noch Autogrammwünsche erfüllt hatte, warteten mit ihren Mikros vergebens.

Rindts fragiler Lotus hatte sich nach einem Bruch der rechten vorderen Bremswelle unter die Leitschiene gebohrt. War wie zwei Jahre zuvor für Jim Clark zum rasenden Sarg geworden.

Rindt starb in einer Sanitätsbaracke, die nur für harmlose Zuschauer-Verletzungen und Mückenstiche eingerichtet war. Obwohl sich kaum fünfzig Meter entfernt ein neues Grand-Prix-Medicalcenter mit mobilem OP-Saal befand.

Die Tragödie ereignete sich am einem 5. September 1970 in Monza. Dort, wo genau 50 Jahre später am kommenden Samstag beim Qualifying für den Italien GP im Kreis gefahren wird.

Rindt-Tramway in Graz

Zu Ehren des 1970 posthum gewordenen Weltmeisters wird am 2.9. in Graz eine Straßenbahn nach Jochen Rindt benannt. Für das Zeremoniell haben die sonst öffentlichkeitsscheue Witwe Nina und Tochter Natasha (eine ausgebildete Flugpilotin) ihr Kommen aus der Schweiz angesagt. Auch wird es Sondersendungen im Gedenken an Rindt geben. Den Deutsche (weil sein Vater Deutscher war) und Österreicher (Mama war Steirerin) als einen der Ihren verehrten.

Druckwerke über den außergewöhnlichen, in Graz als Vollwaise aufgewachsenen Rennfahrer entpuppten sich damals als Renner.

Jetzt verrät Erich Glavitza aus Anlass des 50.Todestag im Buch „Jochen Rindt. Der Mann mit tausend Gesichtern“ bislang Unveröffentlichtes, wobei auch die Karriere des Autors filmreif war. Der Rindt-Freund gab seinen KURIER-Reporterjob auf, um Stuntman für James Bond „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (doubelte u.a. Diana Rigg) und bei Steve McQueen zu werden.

Ungleich länger begleitete Helmut Zwickl – als international anerkannter Experte – vorwiegend für den KURIER den Motorsport. Von seinem Buch „Damals“ wurde heuer die vierte Auflage produziert. Wobei der Inhalt hält, was der Untertitel „Als Sex noch sicher und die Formel 1 gefährlich war“ verspricht.

Im Gegensatz zu Zwickl, Glavitza und dem späteren Verleger Günther Effenberger (Alles Auto) vermochte ich mich für die Formel-I-Berichterstattung nie zu qualifizieren. Ich durfte nur deren Artikel mit Titeln versehen. Und sie grausam oft mit einem Kreuz ergänzen.

ARCIVBILD: JOCHEN RINDT

Vorproduzierte Nachrufe

Makaber aber wahr: Der sprachgeniale Sportchef Martin Maier deponierte vor seinem Urlaub bei Effenberger zwei Nachrufe. „Einen im Fall, dass der Fahrer verbrennt. Und einen mit normaler Unfall-Version.“

Tatsächlich verging fast drei Jahrzehnte lang kaum ein Renn-Wochenende ohne Tragödie. Zwickl schrieb sich mit der Forderung nach stabilen Chassis aus Kohlefaser die Finger wund. Erst nach dem Drama von Imola, wo 1994 innerhalb von 24 Stunden mit dem Österreicher Roland Ratzenberger und dem brasilianischen Weltmeister Ayrton Senna zwei Formel-1-Piloten ihr Leben gelassen hatten, riss die schwarze Serie.

Inzwischen fordern Motorradrennen und Ski-Abfahrten viel mehr Verletzte als die Formel 1, während in der Königsklasse des Motorsports nicht über mangelnde Sicherheit, sondern über das ausufernde Diktat der Technik auf Kosten der Fahrer geklagt wird.

Die Formel 1 werde immer mehr zum Wettbewerb der Ingenieure, bedauert Red Bull-Rennchef Helmut Marko gegenüber dem Spiegel.

Der Grazer war 1970 bei Rindts Begräbnis einer der Sargbegleiter gewesen.

wolfgang.winheim

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