33. VIENNA CITY MARATHON

© APA/HERBERT PFARRHOFER / HERBERT PFARRHOFER

Sport
12/13/2020

Marathon: Wie ein Corona-Test eine Sportlerkarriere gefährdet

Valentin Pfeil hatte das Virus besiegt und alles Olympia untergeordnet. Nach einem weiteren positiven Test stellt er alles infrage.

von Philipp Albrechtsberger

Wer regelmäßig Marathon läuft, ist an Schmerzen gewöhnt. Aber die Qualen, die Valentin Pfeil am ersten Dezember-Wochenende in Valencia aushalten musste, sind selten in der Sportwelt. Existenzängste und die Sinnfrage begleiteten den 32 Jahre alten Langstreckenläufer aus Oberösterreich, als er sich einen Tag vor seinem wichtigsten Lauf im Jahr 2020 in Quarantäne befand.

Statt den weltbesten Marathonmännern auf den Fersen zu sein und das geforderte Limit für seinen Lebenstraum, die Olympischen Sommerspiele in Tokio im Sommer 2021, einzulaufen, saß er in seinem Hotelzimmer fest. Am Samstag, einen Tag vor dem Marathon, hatte der routinemäßige PCR-Test eine Corona-Infektion festgestellt, wenige Tage nach einem negativen Test in Österreich und – noch unverständlicher – fünf Wochen nach überstandener Corona-Infektion.

„Ich war mir im ersten Moment sicher, dass ich es erklären kann“, sagt Valentin Pfeil ein paar Tage danach im KURIER-Gespräch. Als Veterinärmediziner kennt er sich nicht nur mit Virusinfektionen aus, sondern auch mit Unschärfen bei Testverfahren.

Nur wollte das medizinische Personal der spanischen Laufveranstaltung nichts von seinen Argumenten und seiner Vorgeschichte hören. Pfeil forderte sogar schriftlich die Bekanntgabe seines CT-Werts ein. Dieser Wert gibt an, wie ansteckend eine positiv getestete Person tatsächlich ist. Ein Wert über 30 ist etwa für die österreichischen Behörden unbedenklich, wenn es darum geht, wann medizinisches Personal wieder arbeiten darf.

Der CT-Wert bei der Probe von Valentin Pfeil betrug 34, allerdings erfuhr der Tierarzt dies erst am Montag, am Tag nach dem Marathon von Valencia. Ein weiterer PCR-Test war obendrein negativ.

Neun Monate hat der Athlet aus Steyr auf diesen einen Tag in Valencia hingearbeitet. Es war die zweite echte Marathon-Veranstaltung im Corona-Jahr, die erste mit einem Weltklasse-Starterfeld. Das ist – neben einer passenden Strecke und guter Witterung – mitentscheidend für eine Bestleistung. „Es war immer klar, dass ich den Lauf meines Lebens brauchen werde, um das Olympia-Limit zu schaffen“, sagt Pfeil, der erst seit 2016 professionell die Marathon-Distanz in Angriff nimmt. Seine persönliche Bestleistung liegt bei 2:12:55 Stunden, gefordert für Tokio sind mindestens 2:11:30.

Man muss mit sich und der Welt im Reinen sein, um Marathon laufen zu können.“

Valentin Pfeil | über die Herausforderung

Theoretisch hat Pfeil noch bis Ende April Zeit, um sich für Olympia zu qualifizieren. Leichter gesagt als getan: Der internationale Laufkalender weist große Lücken auf. „Veranstalter haben derzeit kein Interesse, einen Marathon auszurichten. Solange sie nicht die Massen an den Start bringen, ist es kein Geschäft“, erklärt Pfeil, für den aber etwas Anderes entscheidender ist: „Man muss mit sich und der Welt im Reinen sein, um Marathon laufen zu können.“

Deshalb zögerte er lange, ob er am Sonntag bei den Marathon-Meisterschaften im Prater mitlaufen soll. Tut er nun doch. Wetter, Strecke und Teilnehmerfeld sind jedoch suboptimal. Anstatt Laufstrategien durchzuspielen, fragt er sich derzeit vielmehr: „Ist Sport noch das Wichtigste für mich? Ergibt das so alles noch Sinn?“ Die Verträge mit seinen Privatsponsoren laufen mit Jahresende aus, neue Gespräche mit den Unterstützern verliefen „eher schlecht“, wie Valentin Pfeil gesteht.

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