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Sport
01/21/2021

Lieblingsgegner: Wie Donald Trump den US-Sport geprägt hat

Der 45. US-Präsident prägte den Sport wie kaum einer seiner Vorgänger. Er vereinte die Athleten - im Kampf gegen ihn.

von Philipp Albrechtsberger

Donald Trump soll außer sich gewesen sein. So verärgert wie schon lange nicht mehr, berichteten vergangene Woche Insider aus dem Weißen Haus der New York Times. Die Erstürmung des Kapitols hatte die USA in eine schwere Krise gestürzt, dem Präsidenten stand das zweite Amtsenthebungsverfahren – einmalig in der Geschichte des Landes – bevor.

Doch all das schien den 74-Jährigen in diesem Moment nicht zu kümmern. Donald Trumps Gedanken drehten sich um eines: Golf.

Die Vereinigung der amerikanischen Berufsgolfer PGA hatte bekannt gegeben, die PGA Championship, eines der vier größten Turniere, im Jahr 2022 nicht auf dem Trump-Kurs in Bedminster (New Jersey) abzuhalten. Die Gefahr eines Imageschades sei zu groß.

Das traf Trump, den leidenschaftlichen Golfer, hart – und final. Es war die letzte Sport-Posse in der an Angriffen und Auseinandersetzungen nicht armen Ära des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Auch für den US-Sport gilt: Kaum ein Staatsoberhaupt vor ihm hat diesen Bereich so stark geprägt wie das einstige Baseball-Talent. Die Errungenschaften, die direkt auf Trump zurückgehen, sind jedoch rasch aufgezählt: Los Angeles erhielt während seiner Amtszeit den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2028. Gleiches gilt für die Fußball-WM der Männer, die die USA 2026 gemeinsam mit Kanada und – kein Witz! – Mexiko veranstalten werden.

Ohne Frage, es gibt unter den Athleten eine Form von Aktivismus, die seit den 1960er-Jahren nicht mehr existiert hat.“

N. Jeremi Duru | US-Sportrechtsexperte

Darüber hinaus bestand sein Verdienst für den Sport im – höflich formuliert – Aufstacheln. Auf paradoxe Weise vereinte auch Trump Athleten unterschiedlichster Disziplinen, Rassen und Geschlechter – und zwar im Kampf gegen ihn. „Ohne Frage, es gibt unter den Athleten eine Form von Aktivismus, die seit den 1960er-Jahren nicht mehr existiert hat“, sagt N. Jeremi Duru, einer der führenden Sportrechtsexperten des Landes.

In Sportveranstaltungen sah Trump prinzipiell nur ein Geschäft. Sei es ein Boxkampf in einem seiner Hotels in Atlantic City oder die Bewirtschaftung einer von mittlerweile rund ein Dutzend Golfanlagen in seinem Namen. Die Kraft der Athleten mag er unterschätzt haben, denn ihre Stimmen ließ er ungehört. Doch sie verstanden es, Zeichen zu setzen. Indem sie sich abwandten. Zuletzt weigerte sich Football-Coach Bill Belichick, lange Zeit ein Trump-Unterstützer, die Medal of Freedom anzunehmen.

Der Konflikt hat seinen Ursprung im Wahlkampf 2016. Als Quarterback Colin Kaepernick aus Protest gegen die Unterdrückung der Schwarzen bei der US-Hymne kniete und ihn Trump als „Hurensohn“ bezeichnete, löste das jenen gesellschaftspolitischen Konflikt aus, der in der Black-Lives-Matter-Bewegung einen Höhepunkt fand.

Mit American Football, dem US-Sport Nummer eins, hatte Trump stets Probleme. Die Übernahme eines Teams war in der Vergangenheit gescheitert, die neue Regelauslegung, wonach die NFL-Spieler besser vor Verletzungen geschützt werden, fand er peinlich: „Football ist ein Sport für Softies geworden. So wie unser ganzes Land verweichlicht ist.“

Nicht nur dieser Satz wird Joe Biden wohl nie über die Lippen kommen. Der 46. US-Präsident war während seiner Schulzeit im American Football ein exzellenter Passempfänger. Und der Leader im Team.

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