Undankbarer Job: Hannes Trinkl muss Kritik ein- und wegstecken.

© EPA/CHRISTIAN BRUNA

Sport
01/24/2021

Hannes Trinkl: Vom Weltmeister zum unfreiwilligen Schinderhannes

Einige Läufer, darunter Freitag-Sieger Beat Feuz, kritisieren den Oberösterreicher heftig.

von Wolfgang Winheim

Erstmals unter Trainer Dietmar Kühbauer führt Rapid zumindest bis heute – mit dem seit elf Jahren besten Punkteschnitt – die Tabelle an. Erstmals startete die Fußball Bundesliga zeitgleich mit den Hahnenkammrennen ihre winterliche Frühjahrsmeisterschaft. Erstmals hat Kitzbühel alle Zuschauer ausgesperrt.

Nicht zum ersten Mal indes wird nach Stürzen die Sinnfrage gestellt. Eine makabre Antwort ließe sich aus den ORF-Quoten ableiten: über 900.000 allein am Freitag. Und am heutigen Sonntag werden es noch einige 100.000 mehr sein.

Ähnlich wie in der Formel 1 stört das Fehlen von Publikum im Ski-Weltcup daheim im Patschenkino viel, viel weniger als bei Teamsportarten.

Ohne Corona wäre das Rapid-Stadion ausverkauft gewesen. Hätten 25.000 das 4:1 gegen Sturm gefeiert. Wäre, hätte. Noch weiß kein Fan, wie lange er mit dem Konjunktiv leben muss. Selbst Spiele der englischen Premier League mit Pfundskerlen, von denen kaum einer unter umgerechnet 80.000 Euro pro Woche verdient, verkommen oft zu Langweilern. Längst wieder musste in England das Okay für 2.000 Vor-Ort-Zuschauer pro Match zurückgenommen werden.

2.000? Kaum viel mehr waren es in diesem Jahrtausend nur einmal ohne Corona beim Weltcup an der Streif gewesen,

als am 27. Jänner 2003 ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel wetterbedingten Widrigkeiten zum Trotz um einen Kitzbüheler Super-G kämpfte;

als alle VIPs vor dem Montag-Rennen abgereist waren;

als auf der Ehrentribüne statt Arnold Schwarzenegger und Bernie Ecclestone Arbeiter der Kitzbüheler Müllabfuhr erste Reihe fußfrei saßen.

Die ÖSV-Piloten fuhren keinen Mist z’samm. Hermann Maier krönte einen ÖSV-Fünffachtriumph, indem er 521 Tage nach seinem Motorradunfall erstmals wieder siegte. Abfahrtsweltmeister Hannes Trinkl war im Maier-Trubel unbeachteter Zehnter geworden. Derselbe Trinkl, der nun auf der Streif als FIS-Abfahrtsdirektor den positiv getesteten Südtiroler Weltcupchef Markus Waldner als Oberverantwortlichen vertreten muss und sich den Ruf eines Schinderhannes einhandelt. Dabei gestand er einmal, dass er in seiner FIS-Funktion nervöser und um die Sicherheit viel besorgter sei als seinerzeit vor all seinen Weltcupstarts.

Einige Läufer, darunter Freitag-Sieger Beat Feuz, kritisieren den Oberösterreicher heftig. Doch wenn einer dieser gegenwärtigen Stars einmal die Trinkl-Nach- oder Nach-Nachfolge antritt, dann wird er als Funktionär mit den gleichen Vorwürfen konfrontiert werden. Weil Restrisiko in diesem grenzwertigen Sport nie ganz auszuschließen ist.

Wie von der Jury war vom Schweizer Urs Kryenbühl, 26, unterschätzt (bzw. zu spät erkannt) worden, dass gegenüber dem Training mit durchschnittlich 7,2 km/h höherem Tempo auf den finalen Sprung zugerast wurde.

Weil er als Schwerverletzter über die Ziellinie rutschte, bekommt die im Nationencup vor Österreich führende Schweiz sechs Punkte und Kryenbühl 760 Euro. So hoch ist das Schmerzensgeld für Rang 25.

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