Voll motiviert: Stefan Schwab beginnt im Oktober zu studieren. 

© DIENER / Eva Manhart

Sport
07/14/2019

Karriere nach der Karriere: Sportler mit Köpfchen auf dem Sprung

Immer mehr Athleten sorgen mit einem Fernstudium für die Zeit danach vor.

von Peter Karlik

Sie kämpfen, sie rutschen, sie springen, laufen, rodeln, schwimmen, spielen, jubeln – und sie lernen.

Ja, das Image des „dummen Sportlers“ hat Kratzer abbekommen. Immer mehr Athleten beginnen noch während ihrer sportlichen Karriere eine Ausbildung, die ihnen den Sprung in ihr neues Leben erleichtert.

Seit 2016 gibt es in Österreich mit dem MBA-Lehrgang „Business Administration & Sport“ (Kosten: 16.680 Euro für 18 Monate) ein ideales Angebot für Sportler. 77 Athleten mit Erfahrung bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften studieren oder sind bereits fertig.

Der KURIER sprach mit den drei Teilnehmern Clemens Doppler (Beachvolleyball-Vizeweltmeister), Stefan Schwab (Rapid-Kapitän) und Christoph Schösswendter (Admira-Verteidiger).

  • Clemens DopplerDer 38-Jährige hat seinen Laptop nicht mehr zum Filmeschauen mit auf Reisen. „Pro Woche habe ich im Schnitt zwei Onlinevorlesungen“, sagt Doppler. Diese kann man live ansehen und mit dem Vortragenden interagieren, oder man kann sie später herunterladen. „Auf Langstreckenflügen habe ich mir mehrere Vorlesungen angesehen. Das ist der große Mehrwert dieses Lehrgangs.“ Der Beachvolleyballer hat alle Prüfungen absolviert und muss nur noch seine Masterarbeit schreiben. Doppler begeistert die Flexibilität: „Geht nicht, gibt’s nicht. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass ein Studium individueller ginge. Das war der Grund, warum ich es gemacht habe. Den meisten Sportlern geht es so. Deshalb ist der Anklang so groß.“
BEACH-VOLLEYBALL MAJOR SERIES TURNIER

Die Inhalte sind besonders auf Sportler zugeschnitten. „80 Prozent ist Betriebswirtschaft. Es ist extrem praxisbezogen. Wenn du dich selbstständig machst, weißt du, wie das funktioniert.“

Wie viele andere Teilnehmer auch musste Doppler erst wieder lernen, zu lernen. „Ich habe einige Zeit gar nichts gemacht. Es war am Anfang Hardcore. Ich habe gar keinen Rhythmus gehabt.“ Doch das hat sich schnell geändert: „Ich habe bisher nur Motivation im Sport kennengelernt. Es war für mich neu, welche Motivation eine bestandene Prüfung auslösen kann. Das war eine Bestätigung, dass du nicht nur deppert auf eine Frucht draufhauen kannst.“

  • Stefan Schwab: Der 28-jährige Rapid-Spielmacher beginnt im Oktober mit dem MBA-Studium. „Ich bin jetzt Ende 20, mein Ziel ist es, dass ich am Ende meiner Karriere einen Abschluss habe.“ Er hat lange nach einem geeigneten Angebot gesucht. Entschieden hat er sich, weil auch sein guter Freund Christoph Schösswendter den MBA-Lehrgang macht. „Als Teamsportler kannst du deine Trainings nicht nach einem Stundenplan richten. Daher ist es perfekt. Außerdem kann es bei Fußballern sein, dass sie zu einem anderen Verein wechseln. Bei diesem Studium kannst du trotzdem auch in einem anderen Land weitermachen.“

Wie Doppler und Schösswendter muss auch Schwab die Zulassungsprüfung machen. „Ich habe nur die Handelsschule gemacht. Hoffentlich klappt das bis August oder September. Seit der Handelsschule habe ich nichts gemacht, außer Italienisch gelernt.“ Doch er glaubt nicht, dass er sich schwertun wird. „Der Vorteil von Sportlern ist die Selbstdisziplin. Du weißt, dass du die Stunden investieren musst. Wenn du das nicht könntest, wärst du auch nicht Profisportler geworden.“

Schwab weiß, in welche Richtung es bei ihm gehen wird: „Mein Ziel ist es, die höchste Trainerausbildung zu machen. Dann kommt das Studium und meine sportliche Erfahrung dazu. Mit diesen drei Schienen stehen dir dann im Fußball alle Türen offen.“

  • Christoph Schösswendter: Der 30-jährige Admira-Verteidiger und Einzelhandelskaufmann denkt auch über seine zweite Karriere im Fußball nach und studiert seit knapp einem Jahr. „Ich möchte entweder Trainer werden oder im Management bleiben. Aber so wie sich das Trainergeschäft entwickelt hat, ist es nicht sehr interessant.“

Mit den Inhalten Betriebswirtschaft, Sportmanagement und Vermarktung sei das Studium breit gefächert. „Ich habe dann vielen anderen Fußballern einiges voraus, wenn ich diesen Abschluss vorweisen kann.“

Laut Schösswendter gibt es bei den Kickern ein Umdenken. „Fußballer verdienen relativ gut und haben sich daher lange keine Gedanken über die Zeit danach gemacht. Aber es kommen jetzt immer mehr Spieler mit etwas Weitblick.“

Vor seiner Entscheidung, mit dem MBA-Lehrgang zu beginnen, erkundigte sich Schösswendter bei Clemens Doppler. „Ich habe mich dann schnell dafür entschlossen.“ Das Lernen fällt dem Admiraner nicht schwer: „Man ist schnell wieder drinnen. Am Anfang habe ich nach 20 Minuten schon pausieren müssen. Jetzt lerne ich zwei, drei Stunden ohne Pause.“