Sport | Fußball
15.04.2018

Wohlfahrt: "Große Sprünge sind derzeit finanziell nicht drinnen"

Austrias Sportdirektor spricht vor dem Derby über die verkorkste Saison, Fehltritte der Spieler und die Zukunftsaussichten.

Die Austria spielt einen Doppelpass zwischen dem Jetzt und dem Morgen. Einerseits möchte man in dieser Saison noch das Wunder mit einem Europacup-Startplatz schaffen, andererseits braucht man ein schlagkräftiges Team, wenn man im Juli in die runderneuerte Generali Arena einzieht. Das heutige Derby gegen Rapid im Happel-Stadion (16.30 Uhr/live auf ORFeins, Sky Sport Austria) wird für die Violetten die Richtung weisen, ob die Mission Impossible doch noch Realität werden könnte. Das weiß auch Sportdirektor Franz Wohlfahrt.

KURIER: Inwieweit ist das Derby die Möglichkeit, mit einem Sieg noch einmal richtig durchzustarten?

Franz Wohlfahrt: Der Sieg zuletzt bei Sturm hat den Spielern gezeigt, was möglich ist. Diesmal müssen wir umstellen, trotzdem habe ich ein gutes Gefühl. Aber wir werden in allen verbleibenden Spielen da und dort Probleme haben. Denn der Druck ist da, weil wir wahrscheinlich mindestens fünf Mal gewinnen müssen.

Wie weit sind die Planungen für die kommende Saison?

Wir sind sehr intensiv am Planen, weil wir davon ausgehen, dass personell einiges passieren wird. Bei einigen Spielern wie Lee, Ruan, Alhassan, Stronati und Gluhakovic laufen die Optionen aus. Da werden wir bald Entscheidungen treffen.

Gegen Sturm spielten drei 18-Jährige, die Verpflichtungen des letzten Sommers waren nicht erste Wahl.

Und sofort wurde unsere Kaderplanung kritisiert.

Zu Recht oder zu Unrecht?

Wir haben ja bewusst Spieler als Perspektive geholt. Außerdem planen wir den Kader, nicht die Startelf. Die entwickelt sich aus dem Kader. Und wir haben nur Geld für österreichische Spieler ausgegeben. Ein Fakt, das gerne unterschlagen wird.

Und wie wird es dann im Sommer aussehen?

Auch heuer richten wir uns nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten. Dementsprechend genau werden wir uns orientieren bezüglich der Zugänge und auch der Abgänge.

Ist Ihr Spielraum dabei groß?

Vom Personalbudget wird es ähnlich wie in der vergangenen Saison. Wenn ich dann lese, warum sich die Austria nicht um Junuzovic bemüht, der bei Salzburg im Gespräch sein soll ...

... dann sagen Sie was genau?

Dass der finanzielle Unterschied ein Vielfaches ist. Außerdem war ich bereits vor einigen Wochen bei ihm und habe über eine Rückkehr gesprochen. Er ist für uns nicht finanzierbar.

Gibt es noch Hoffnung, dass Holzhauser bleibt?

Alles ist möglich.

Nach welchen Gesichtspunkten holen Sie künftige Spieler? Sollen Sie in die Philosophie von Thomas Letsch passen?

Es gibt grundsätzliche Eigenschaften, die Spieler mitbringen müssen. Wenn ich aber so wie aktuell spielen möchte, dann brauchen wir Spieler, die ausdauernd und aggressiv sind.

Soll die Austria künftig für diesen Stil stehen?

Wir haben das unter Fink ja auch ab und zu gespielt. Grundsätzlich soll es so sein, dass wir so schnell wie möglich vor das gegnerische Tor kommen. Dieser Gesichtspunkt bleibt unverändert.

Sind die vielen Verletzten wirklich der Grund für die schwache Saison?

Es ist keine Ausrede. Fakt ist aber, dass wir phasenweise zwölf Verletzte hatten, darunter sieben Stammspieler. Das hält vielleicht Bayern München aus. Was mich wirklich irritiert hat, war der schlechte Start ins Frühjahr.

Ist das nicht eine Charaktersache? Sie haben die Lebensweise mancher Spieler kritisiert.

Das ist vor allem eine Frage der Schlauheit. Wenn ich in den Europacup komme, dann ist klar, dass man das feiert. Nicht schlau ist es, zwischen Europacup und Meisterschaft zu feiern, wenn nur drei Tage Pause sind.

Dann müssen Sie als Sportdirektor Konsequenten ziehen.

Mit Konsequenzen wird es schwierig, wenn es zwölf Verletzte gibt. Irgendwer muss ja spielen. Natürlich braucht es gewisse Regeln, und es müssen die Sinne immer wieder geschärft werden. Wir haben in die Spieler investiert, die sind ja auch unser Kapital.

Wann haben Sie eine Antwort auf die Trainerfrage?

Wenn für uns der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Sind Sie mit der Arbeit von Thomas Letsch zufrieden?

Ja. Die Leistungen waren großteils sehr gut.

Die Austria hat den Anspruch, international zu spielen. Ist das mit dieser Mannschaft in dieser Saison überhaupt möglich? Oder muss man den Anspruch relativieren?

Die Austria verlangt das von sich selbst. Wir werden bis zum Schluss alles unternehmen. Unsere Aufgabe ist es, den Glauben bei den Spielern zu stärken. Ich lasse es nicht zu, dass man sich aufgibt wie in der zweiten Hälfte in Salzburg. Das macht man nicht als Sportler.

Wie sehen die nächsten Jahre in Violett aus? Anders als jetzt?

Die großen Sprünge sind derzeit finanziell nicht drinnen. Wir müssen aus unseren Möglichkeiten das Optimum herausholen, ein internationaler Platz bleibt aber weiterhin unser Ziel. Die Austria hat als letzter Klub bewiesen, dass man Salzburg mit weit weniger Mitteln niederringen kann. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Und es kann auch dauern, bis es wieder mal gelingt.

Schlechte Stimmung vor dem letzten Prater-Derby

So angespannt war die Lage zwischen den ewigen Rivalen schon lange nicht mehr: Gemeinsame Aufritte der Kontrahenten sollte es vor dem 326. Wiener Derby nicht geben. Der KURIER hat um ein Doppel-Interview der beiden Trainer angefragt. Thomas Letsch und Goran Djuricin - zwei junge, ehrgeizige Trainer, die im Nachwuchs begonnen haben und nicht nur optisch  zusammenpassen. Doch die Austria sagte ab.

Austria-Vorstand Markus Kraetschmer erklärt: „Nach einigen Vorfällen in der Vergangenheit wollen wir bis auf weiteres keine gemeinsamen Termine mit Rapidlern. Diese Regelung gilt für alle Medienanfragen.“

Auch auf der Tribüne sollen beim letzten Derby im Happel-Stadion für (viele?) Jahre Austrianer und Rapidler so wenig wie möglich in Berührung treten: Aus Sicherheitsgründen können auf den Längsseiten nur violette Mitglieder und Abonnenten Karten erwerben. Deshalb werden nur rund 10.000 Zuschauer im Prater erwartet.