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16.06.2018

Wiener Neustadt bezieht in Lizenz-Causa Stellung

Nach der gescheiterten Relegation flossen bei den Neustädtern bittere Tränen. © Bild: DIENER / Philipp Schalber / DIENER / Philipp Schalber

Wiener Neustadt meldet sich in der Causa "Relegationsrückspiel" erstmals seit dem Protest zu Wort.

"Gleich vorweg unsere wichtigsten Botschaften – ganz egal, wie der Instanzenzug in der Causa “Beglaubigung Relegationsrückspiel” ausgeht: Den SC Wiener Neustadt wird es weiterhin geben!" In einer Aussendung am Samstag gibt sich Wiener Neustadt angesichts des zunehmenden Drucks durch die Bundesliga und das Land Niederösterreich kämpferisch. Es ist die erste Stellungnahme seit dem Protest gegen das Relegationsrückspiel.

"Seit Übermittlung unseres Antrags an den Senat 1 am Abend des 04.06. haben wir uns bewusst bis dato kaum bis gar nicht öffentlich zu dieser Causa geäußert", heißt es in der Aussendung. "Dies deshalb, weil es an der Sache selbst nichts geändert hätte und die mediale Kommunikation und Diskussion dieses Themas ohnehin sofort in unterschiedlichster Qualität und aus verschiedenen Bereichen ihren Lauf nahm."

Zur Vorgeschichte: Beim 1:1 im Rückspiel setzte Gegner St. Pölten den Kooperationsspieler David Atanga ein. Weil das Remis nach dem 2:0-Sieg des SKN im Hinspiel für Wiener Neustadt das Scheitern in der Relegation und damit eine weitere Saison in der zweiten Liga bedeutete, legte man gegen den Einsatz von Atanga - und damit das Ergebnis des Rückspiels - Protest ein. Grund dafür: Atanga war bei den St. Pöltenern bei seinem insgesamt dritten Verein im Einsatz - das FIFA-Regulativ begrenzt die Anzahl der Klubs, für die ein Spieler pro Saison auflaufen darf, aber auf zwei.

In der Aussendung führen die Neustädter auch eine Mail der Bundesliga zu Alex Sobczyk an: Sobczyk kam in der abgelaufenen Saison zunächst für Rapid und den SKN und anschließend - als Kooperationsspieler - für Wiener Neustadt zum Einsatz. Von der Bundesliga erbat man sich in Wiener Neustadt eine Klarstellung über die Rechtslage - und erhielt den Verweis auf das bestehende FIFA-Regulativ.

Die Bundesliga wies den Protest unter Verweis auf die Kooperationsspieler-Regelung zurück. Damit nicht genug - St. Pölten entzog Wiener Neustadt den eigentlich schon beschlossenen Stadionzugang - dieser war notwendig, weil in der Heimarena der Neustädter keine Rasenheizung verbaut ist, für die Winter-Partien daher ein Ausweichquartier notwendig wurde. Ohne Zugang in die NV-Arena fällt für Wiener Neustadt damit also auch ein Lizenzkriterium weg.

Die Aussendung des SC Wiener Neustadt im Wortlaut

Gleich vorweg unsere wichtigsten Botschaften – ganz egal, wie der Instanzenzug in der Causa “Beglaubigung Relegationsrückspiel” ausgeht:

  • Den SC Wiener Neustadt wird es weiterhin geben!
  • Beim SC Wiener Neustadt wird in Wiener Neustadt weiterhin Fußball gespielt werden!
  • Für alle Bewerbe, für die wir aufgrund der Regulative zugelassen bzw. spielberechtigt sind, werden wir in der Saison 2018/2019 eine Mannschaft stellen!

Nun aber ein wenig zurück in der Historie:

Die letzten Tage seit dem 25.05.2018 waren sehr herausfordernd und spannend für uns.

Am Freitag, den 25.05.2018 konnten wir uns im letzten Spiel der Meisterschaft auswärts beim FC Liefering den 3. Tabellenplatz sichern. Ein Tabellenplatz, den uns zu Saisonbeginn niemand wirklich zugetraut hat.
Richtig freuen konnten wir uns aber nur bedingt, weil nicht klar war, was dieser 3. Platz genau bedeutet.

  • Fixaufstieg?
  • Oder doch Relegation gegen den SKN St. Pölten am 31.05. / 03.06.2018?

Eigentlich schade, dass wir nach unserem letzten Meisterschaftsspiel in Grödig in ein gefühlt nicht enden wollendes Wochenende gehen mussten – aber wir, also die Klubs der Bundesliga, haben diesen zeitlichen Rahmenterminplan sowie auch den Zeitplan des Lizenzierungsverfahrens mit all seinen Konsequenzen ja selbst beschlossen.

Aber am Montag, den 28.05.2018, sollten wir endlich mehr wissen. Denn ab dem späten Vormittag war das Ständig Neutrale Schiedsgericht zu Gange, um in der Causa „Lizenz TSV Hartberg“ eine finale Entscheidung in 3. Instanz zu treffen. Es gab von vielen Seiten heftigste Kritik, ob diese Entscheidung nicht schon früher oder zumindest bis zum Meisterschaftsende am 25.05. getroffen hätte werden können. Dies war aber nicht möglich bzw. war der 28.05. ohnehin schon ein „früher“ Verhandlungstermin, denn jeder Klub soll das Recht haben, die definierten Rechtsmittel in Anspruch zu nehmen. Klar, verständlich, würde ja jeder Klub wollen, dass man ihm bei Vorliegen von relevanten Gründen den definierten Instanzenzug mit den vorgesehenen Fristen zubilligt!
Leider wussten wir aber auch am frühen Abend des 28.05. noch nichts Genaueres, denn die Verhandlung wurde auf den 29.05. ab 18 Uhr vertagt. Also ging das Warten weiter…

Am Dienstag, den 29.05.2018, gab es dann endlich kurz nach 20 Uhr Gewissheit. Der Instanzenzug des TSV Hartberg war absolut berechtigt, die Lizenz wurde dem TSV Hartberg vom Ständig Neutralen Schiedsgericht erteilt.

Der Rest ist schon fast Geschichte – aus unserer Sicht hatten wir binnen 46 Stunden das Relegationshinspiel zu organisieren. Angefangen von Spielanlage und dem Ticketverkauf (natürlich hätten wir die Tickets schon ab dem 25.05. ca. 20:24 Uhr verkaufen können – haben wir aber nicht, weil wir uns eine Rückabwicklung im Falle des Nicht-Stattfindens ersparen wollten…) über Security, Sanität, Polizei, Catering und vieles mehr. Gut – herausfordernde Situationen erfordern kreativen und schnellen Einsatz und darin sind wird ganz gut.

Nach dem Relegationsrückspiel (Endstand 1:1) wurde uns im Zuge der routinemäßigen Kontrolle des Spielberichts bewusst, dass David Atanga, der im Rückspiel das eventuell entscheidende 1:0 für den SKN St. Pölten geschossen hat, möglicherweise gar nicht spielberechtigt gewesen ist.
Wir erinnerten uns an Ende Jänner 2018, und zwar sehr konkret an Telefonate mit der Bundesliga und an ein Mail, das wir in der Sache Alex Sobczyk von der Bundesliga erhalten haben.

Kurze Vorgeschichte dazu:
Wir wussten, dass Alex Sobczyk im Herbst 2017 bereits für den SK Rapid Wien und den SKN St. Pölten gespielt hatte und wir somit im Frühjahr 2018 der 3. Klub wären, für den Sobczyk zum Einsatz käme. Auch wenn das ÖFB-Regulativ über Kooperationsverträge definiert, dass es im Falle eines Kooperationsspielers zu keinem Übertritt dieses Spielers kommt, war für uns die Frage über den (tatsächlichen) Einsatz nicht klar. Darum haben wir proaktiv die Bundesliga kontaktiert und eben ein Mail erhalten, in dem im ersten Satz die Erteilung der Spielberechtigung kommuniziert, in den zwei folgenden längeren Absätzen aber sehr klar auf das bestehende FIFA- und ÖFB-Regulativ (3/2-Regelung) und auch auf die möglichen rechtlichen Konsequenzen verwiesen wurde. Uns war in der gesamten Frühjahrssaison das Risiko eines Einsatzes von Alex Sobczyk für den SC Wiener Neustadt bekannt und wir haben dieses Risiko in den ersten Spielen des Frühjahrs 2018 auch bewusst auf uns genommen bzw. ab April 2018 wegen dieses Risikos auf den Einsatz von Alex Sobczyk verzichtet
Genau dieser erwähnte sehr ausführlich formulierte Hinweis im Mail der Bundesliga veranlasste uns dazu, nach dem Relegationsrückspiel mit unseren Rechtsvertretern mögliche Schritte zu überlegen und in weiterer Folge den Senat 1 in dieser Angelegenheit zu bemühen.

Seit Übermittlung unseres Antrags an den Senat 1 am Abend des 04.06. haben wir uns bewusst bis dato kaum bis gar nicht öffentlich zu dieser Causa geäußert. Dies deshalb, weil es an der Sache selbst nichts geändert hätte und die mediale Kommunikation und Diskussion dieses Themas ohnehin sofort in unterschiedlichster Qualität und aus verschiedenen Bereichen ihren Lauf nahm.

Wir haben von vielen Seiten – einmal lauter, einmal leiser – Verständnis, Zuspruch und Unterstützung erhalten.
Andere Meinungen und Kritik über unseren Schritt haben wir zur Kenntnis genommen.
Zu aus unserer Sicht nicht korrekten Berichten haben wir auf Gegendarstellungen verzichtet, weil dies die ohnehin schon sehr pulsierende Medienberichterstattung nur noch weiter angeheizt hätte.
Auch beleidigende, beschimpfende Äußerungen bis hin zu persönlichen Angriffen haben wir ohne weitere Bewertungen angenommen.

Warum haben wir den Antrag an den Senat 1 gestellt?

  • Weil die Rechtslage aus unserer Sicht vor allem auf Basis eines Mails der Bundesliga zu genau diesem Thema nicht klar ist – das haben uns auch Juristen bestätigt.
  • Weil es schlichtweg die (nicht nur moralische, sondern vor allem auch die gesetzliche) Verpflichtung der Klubverantwortlichen ist, alles zu unternehmen, um das bestmögliche Ergebnis für den Klub zu erzielen.

Und immer wieder stellten und stellen wir uns die Frage: 

  • Warum weist uns die Bundesliga schriftlich darauf hin, dass es zu einem Einspruch gegen die Beglaubigung eines Spiels und letztendlich zu einer Entscheidung der unabhängigen Gremien über den berechtigten/unberechtigten Einsatz des Spielers und somit zu einer Strafverifizierung kommen kann?
  • Warum informiert die Bundesliga sehr ausführlich über mögliche Konsequenzen?
  • Warum, wenn doch alles so eindeutig ist?

Was uns ebenfalls noch ganz wichtig ist: Unser Vorgehen ist unabhängig vom zweiten betroffenen Verein (in diesem Fall der SKN St. Pölten) zu sehen. Ganz im Gegenteil, wir schätzen den SKN St. Pölten und all seine Verantwortlichen im Vorstand und in der operativen Führung sehr! Wir hätten die gleichen Gedanken und Überlegungen angestellt und die gleiche Vorgehensweise gewählt, wenn der Relegationsgegner zB WAC geheißen hätte.

Ach ja, wir haben uns auch gefragt:

  • Was ist fair bzw. unfair oder moralisch korrekt bzw. moralisch verwerflich?
  • Wer kann das wirklich beurteilen?
  • Aufgrund welcher rechtlichen Legitimation könnte diese Beurteilung erfolgen?

Alles Worte und Bewertungen/Beurteilungen, die in den letzten Tagen immer wieder verwendet wurden und deren Bedeutung für viele sonnenklar zu sein scheint.
Wir haben darauf keine passenden Antworten gefunden, weil diese Beurteilung unserer Ansicht nach letztendlich immer im Auge des jeweiligen Betrachters in Kombination mit der entsprechenden Situation liegen wird.

Wie schon eingangs erwähnt – wir stehen zu unserem Klub, wir stehen hinter unserem Klub und wir werden weiterhin alles in unserer Macht stehende unternehmen,  um für unseren SC Wiener Neustadt auch zukünftig das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Dabei freuen wir uns auf jede Form der Unterstützung!