Hartberg-Trainer Manfred Schmid: "Egal, ob das die Putzfrau ist"
Fast schon Gewohnheit: Manfred Schmid (mit Stürmerperle Havel) darf mit Hartberg seit 2024 oftmals jubeln.
Während Spitzenklubs Erklärungen für diverse Krisen suchen müssen, darf in Hartberg über eine ausgesprochen starke Saison gejubelt werden. Wenn man etwas findet, dann nur, dass die Oststeirer fünf Punkte in den letzten Minuten liegen ließen – sonst wären sie nicht Dritter, sondern gar Erster. In aller Bescheidenheit soll der Aufwärtstrend auch am Sonntag (14.30/live auf Sky) gegen den zuletzt etwas kriselnden Meister Sturm fortgesetzt werden. Erfolgstrainer Manfred Schmid über Gründe eines Aufstiegs.
KURIER: Gibt es ein Erfolgsgeheimnis?
Manfred Schmid: Wir sind eine verschworene Einheit. Dahinter steht ein erfahrenes Trainerteam, damit meine ich nicht nur mich, sondern auch meine Co-Trainer Christian Mayrleb und Andreas Biritz, der schon unter Adi Hütter bei Young Boys Bern war oder Tormanntrainer Andreas Dobnik. Das ist wichtig für ein junges Team. Wir haben eine klare Spielidee, die zu dieser Mannschaft einfach passt.
Wie viel Manfred Schmid steckt in der Mannschaft?
Es macht mir sehr viel Spaß, hier zu arbeiten, und das ist das Wichtigste. Und bei all der harten Arbeit möchte ich ihnen diesen Spaß auch vermitteln. Und so viel Spaß müssen sie vertragen. Die Spieler müssen aber auch das Gefühl haben, dass wer hinter ihnen steht. Und ich möchte unbedingt immer gewinnen, da ist mir wichtig, dass jeder zumindest alles dafür tut, auch wenn es klarerweise nicht immer gelingt. Die Gegebenheiten sind ja nicht die besten. Aber bei allem Spaß sind mir drei Säulen wichtig. Verantwortung, Vertrauen und Respekt. Die Wertschätzung wird großgeschrieben, Wertschätzung allen gegenüber, ob das jetzt die Putzfrau ist oder wer anderer.
Sie sprachen die Gegebenheiten an. Erst gegen Ried kehrte der TSV vergangene Woche wieder ins eigene Stadion zurück. Zuvor musste in der Südstadt gespielt werden. Eine große Belastung?
Das war nicht einfach, die Reiserei ist anstrengend und der Support freilich im eigenen Stadion größer. Es war schlimm, dass auch die Trainingsmöglichkeiten nicht gut waren. Jetzt haben wir das Stadion, aber wichtig ist, dass wir auch weiter investieren in die Infrastruktur, in Trainingsplätze oder eine Kraftkammer.
Dazu werden wohl oder übel auch Spieler verkauft werden müssen. Hartberg ist ein Ausbildungsverein ...
Natürlich, das wissen wir auch. Aber das kenne ich ja, auch bei der Austria verloren wir Spieler und in Wolfsberg brachten in der Zeit, in der ich Trainer war, die Spielerverkäufe um 16 Millionen Euro ein. Natürlich ist Hartberg auch ein Ausbildungsverein. Worauf wir aber stolz sind, dass wir wieder den Ö-Topf gewonnen haben. Wir haben viele junge Spieler, aber auch zwei, drei Routiniers, denen ich das Vertrauen schenken kann. Ich kann ja nicht ständig in der Kabine sein.
Einer dieser Jungen ist der 22-jährige Elias Havel, Führender der Liga-Torschützenliste und ein Gesicht des Hartberger Aufstiegs. Er ist vom LASK geliehen, wird Hartberg die Kaufoption im Winter ziehen?
Ja, das werden wir, zumal der Preis nicht zu hoch ist.
Und wenn plötzlich beispielsweise Sturm kommt ...
Dann können sie ihn um acht Millionen haben. Nein, im ernst: Er hatte am Anfang körperliche Probleme und damit auch technische. Aber ich wollte ihn halten, weil ich gesehen habe, dass er Charakter hat, dass er alles gibt, um auf 100 Prozent zu kommen. Jetzt geht es auf.
Hat man mit Sturm noch eine kleine Rechnung offen vom Spiel in Graz, wo man durch ein Tor in der in der Verlängerung verlor?
Natürlich, das Tor war außerdem irregulär.
Langsam darf man aber zumindest auf die Meistergruppe schielen, oder?
Unser Ziel ist es einmal, die letzten drei Liga-Spiele des Jahres zu gewinnen, dann denken wir weiter.
Dann kann wieder mit der Präsidentin gefeiert werden. Wie ist Ihr Verhältnis zu Brigitte Annerl?
Ein sehr gutes, sie ist überall dabei, hat mit uns beispielsweise im Frühjahr den Einzug ins Cupfinale gefeiert. Aber wenn wir sprechen, reden wir nicht über Fußball. Generell ist es hier eben anders als bei der Austria, die Wege sind kürzer, es ist alles familiärer.
Haben Sie sich in Hartberg eingelebt und können Sie schon das Steiermarklied?
Ich lebe nahe dem Hauptplatz und liebe es, mit den Leuten zu plaudern. Ich kann den Text schon, mitsingen eher nicht. Ich bin stolzer Wiener, fühle mich aber in der Steiermark sehr wohl.
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