TRAINING DES ÖFB-NATIONALTEAMS: FODA

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Winheims Tagebuch
05/22/2020

Corona und der Fußball: Alles nicht ganz normal

"Tagebuch": Normalerweise hätte Franco Foda mit seinem Team am Sonntag das EM-Trainingscamp in Bad Tatzmannsdorf bezogen.

von Wolfgang Winheim

Normalerweise hätten viele Amateurklubs die schöne Jahreszeit mit Sommerfesten zur Finanzierung des Spielbetriebs genützt.

Normalerweise hätte Franco Foda mit seinem Team am Sonntag das EM-Trainingscamp in Bad Tatzmannsdorf bezogen.

Normalerweise wäre Österreichs erster EM-Gegner (Rumänien, Weißrussland, Kosovo, Nordmazedonien oder Georgien) seit Wochen bekannt.

Normalerweise wüsste Andreas Herzog, ob er mit Israel (Play-off-Gegner Schottland) für die EM qualifiziert oder bereits Ex-Teamchef ist.

Normalweise hätte der Fußballbund verkündet, dass der Wiener EM-Test gegen England am 2. Juni ausverkauft ist.

Normalerweise wäre ORF-Analytiker Herbert Prohaska auf Plakaten und Bildschirmen im EM-Vorfeld omnipräsent.

Normalerweise hätte der in den Niederlanden als 17-Jähriger bei Twente als Jahrhunderttalent bestaunte Marko Arnautovic holländischen Reportern längst selbstbewusst wissen lassen, dass er und seine österreichischen Mannschaftskollegen vor dem (zweiten) EM-Match gegen die Niederlande nicht im Geringsten Bauchweh haben.

Coronabedingt ist alles anders. Hat Schanghai-Legionär Arnautovic in China noch kein Ligaspiel in den Beinen. Fiel Prohaska um etliche Werbe-Euros und so nebstbei auch um seine Tennisdoppel („Für Einzel bin i schon zu alt) mit Kickerlegenden à la Gustl Starek um. Kann Herzog statt Israels Profis seine zwei (Admira-)Söhne im Breitenfurter Garten trainieren. Wird Teamchef Foda ohne Stress am 29. 5. im Klagenfurter Stadion als einer von 200 Privilegierten das Cup-Finale SalzburgLustenau sehen. Bangen Hunderte ehrenamtliche Funktionäre um ihren Verein.

Statt Jammern sind Soforthilfen und Teamwork angebracht. So wie es das Nationalteam unter Kapitän Julian Baumgartlinger mit einer 500.000-Euro-Spende an die Basis demonstriert. Auch das ist in Anbetracht des Gerüchts, wonach gerade Großverdiener einen Stacheldraht im Börsel haben, nicht ganz normal.