(Schauer-)Märchen aus 1.000 und einer Nacht

Ernst Happel, Alfred Riedl oder Josef Hickersberger sprachen über den Fußball im Nahen Osten. "Die Perser wollten mi mit Geld zuschütten."
Wolfgang Winheim
Riedl und Hickersberger baden im Meer.

Weil der deutsche Nachwuchsteamspieler Paul Wanner, 20, bei der WM Österreich verstärken will, wird der deutsche ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick vor dem ersten WM-Test gegen Ghana hauptsächlich auf das Ausnahmetalent angesprochen werden. Die brennende Einserfrage aber bleibt:

Ist eine WM ohne moralische Bedenken und Konflikte überhaupt möglich, wenn das Veranstalterland USA Krieg führt und in Nahost die Bomben fliegen? Ebendort waren die meisten von Rangnicks österreichischen Teamchef-Vor-Vor-Vorgängern einst auf Gehalts- oder Wunschlisten diverser Scheichs gestanden.

Es war zu Weihnachten 1988, als mir Ernst Happel in einem verrauchten Wiener Gürtel-Cafe verriet, dass er fast zeitgleich eine Krebsdiagnose und ein Top-Offert aus dem Iran erhalten habe. Um nach dem nächsten Lungenzug zu sagen, dass er absagen werde „obwohl mi die Perser mit Geld zuschütten wollen“. Dass die Mullahs keine Frauen in Stadien ließen, gefiel Happel gar nicht. Obwohl von der Krankheit gezeichnet, machte Happel danach den FC Tirol zweimal zum Meister und coachte in neun Länderspielen noch die Nationalelf.

Als Frauen keine Autos lenken durften

Happels damaliger Co Dietmar Constantini, der zwei Jahrzehnte später selbst Teamchef wurde, hatte als Assistent von Walter Skocik in Saudi-Arabien Trainer-Erfahrung gesammelt. Als Frauen dort noch kein Auto lenken durften.

Ex-Teamchef Alfred Riedl fühlte sich (von 1995 bis 1997) als Sportdirektor des iranischen Verbandes in Teheran korrekt behandelt doch rund um die Uhr kontrolliert. Weshalb er sich bei (mutmaßlich abgehörten) Telefonaten mit der Heimat auf unverfängliche Aussagen beschränkte. Dramatisch endete Riedls Trainerära in Kuwait, als Georg Bush 2002 die Panzer rollen ließ und Riedl sowie Gattin Jolanda schon Gasmasken ausfassten, ehe die beiden mit der letzten Maschine ausgeflogen wurden.

Josef Hickersberger hielt am längsten, nämlich insgesamt 13 Jahre, Öl-Dollar scheffelnd in der Wüste durch, ohne in selbige gejagt zu werden.

Verhöre und Folter

Wie sehr einander Sunniten und Schiiten misstrauen – dazu braucht er nicht erst die aktuellen TV-Nachrichten zu konsumieren. Das  bekam Wüsten-Pepi schon vor einem Jahrzehnt in Abu Dhabi mit, als ihm sein ehemaliger dorthin geflüchteter Teamkapitän Bahrains von Verhör und Folter erzählte –  weil er Handykontakt zu Bekannten im schiitischen Iran hatte.    

Am wohlsten, meint  Hickersberger, habe er sich in Katar gefühlt. Dort, wo Rapids vorletzter Meistermacher (2005) auch mit Kataris den Titel holte. Und wo 2022 Argentinien Weltmeister wurde bei einer Endrunde, die mit Protesten gegen das Veranstalterland wegen dessen Menschenrechtssituation begonnen hatte. Damals hieß es in dieser Kolumne, dass es nach Südafrika 2010, Brasilien 2014, Russland 2018 und Katar 2022, in den USA 2026 endlich eine politisch unbedenkliche WM geben werde.

Was für ein Irrtum.

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