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28.03.2018

Routinier Prödl glänzt in seiner Rolle als ÖFB-Abwehrchef

Der Watford-Legionär will das Nationalteam auf und neben dem Platz führen: "Eine Rolle, in der ich mich wohlfühle!"

Lediglich vier Akteure hat Österreichs Fußball-Teamchef Franco Foda in beiden Länderspielen gegen Slowenien (3:0) und Luxemburg (4:0) von Beginn an eingesetzt. Die Achse der Routiniers Sebastian Prödl, Kapitän Julian Baumgartlinger und Stürmer Marko Arnautovic ließ er sehr bewusst auch im zweiten Test spielen. "Damit die anderen auch ein bisschen Halt haben", erklärte der Nationaltrainer.

Prödl dirigierte die Defensive nach der Dreier- auch in einer Viererkette. Der 30-Jährige, unter Marcel Koller nicht immer erste Wahl, dürfte unter Foda gute Karten haben, zum Abwehrchef zu avancieren. In Luxemburg hatte der Steirer alles im Griff, von Baumgartlinger bekam er bei dessen Auswechslung auch zum wiederholten Mal die Kapitänsschleife überreicht.

Nur Arnautovic erfahrener

"Es ist wichtig, dass manche Charaktere diese Mannschaft führen", meinte Prödl, der auch dem Spielerrat angehört. Dass er die Leaderrolle ausfüllen könne, habe er schon mehrmals bewiesen. Auch als er nicht immer gespielt habe, habe er Verantwortung übernommen. "Das ist eine Rolle, in der ich mich wohlfühle - ob am oder neben dem Platz", erklärte der Watford-Profi.

66 Länderspiele hat Prödl mittlerweile auf dem Buckel. Von den derzeit zur Verfügung stehenden Spielern hat nur Arnautovic (69) mehr vorzuweisen. Führung habe aber nichts mit dem Alter oder der Länderspielerfahrung zu tun, betonte Prödl. Man müsse Charaktere bilden. "Wir müssen Erfahrungen teilen, wir müssen vorangehen. Dass Spieler, die neu zum Team dazukommen, irgendwo einen Leitfaden kriegen, das ist das Wichtigste."

Vorerst gilt es, den Platz im Team zu behalten. "In der Innenverteidigung haben wir riesige Konkurrenz", erklärte Prödl. Das sieht auch Foda so, der neben Aleksandar Dragovic und Martin Hinteregger auch Kevin Danso, Kevin Wimmer, Maximilian Wöber und Philipp Lienhart als Kandidaten erwähnte. "Ich glaube, auf der Innenverteidiger-Position müssen wir uns echt nicht viele Gedanken machen", meinte der Teamchef.

Hinteregger, gegen Slowenien stark, sei laut Foda in Luxemburg nur deswegen nicht zum Einsatz gekommen, weil er seit Jänner extrem viele Spiele absolviert habe. Prödl sei in beiden Partien gut gewesen, auch im Passspiel und in der Balleroberung. Der Nationaltrainer wollte aber keinen Spieler herausheben: "Die ganze Mannschaft war gut."

"Es sind zehn Jahre dazwischen"

Im Hinblick auf die Nations League im Herbst gilt es, einen Stamm zu finden. Prödl hatte einst schon bei Sturm Graz (2006-2008) unter Foda gespielt. Überbewerten wollte er das nicht. "Natürlich kennen wir uns von früher", sagte der England-Legionär. "Aber es sind zehn Jahre dazwischen. Franco hat sich weiterentwickelt, er hat neue Ansichten."

Alleine in den beiden jüngsten Tests habe man fast vier verschiedene Systeme gespielt. "Wir wollen und wir werden variabler werden", sagte Prödl. Die ersten Schritte diesbezüglich seien vielversprechend gewesen. "Wir haben die Taktik gut hingebracht." Er selbst habe die verschiedenen Systeme allesamt schon einmal gespielt. "Wenn ich da weiterhelfen kann, bin ich froh."

In seiner Funktion als Führungsspieler fand Prödl auch am Auftritt in Luxemburg Kritikpunkte: "In der ersten Hälfte haben wir ein bisschen leichtsinnig agiert, mit wenig Bewegung, zu statisch." Das Team sei in der Findungsphase. Es warten die Sommertests gegen Russland, Deutschland und Brasilien - laut Prödl fast wie eine kleine WM-Gruppenphase. "Alle drei sind richtige Gradmesser, wo wir dann stehen."