© FREMD/Georg Diener

Sport Fußball
11/19/2019

Rapid-Nachwuchs zusperren? Präsidiumskandidat Dokupil denkt um

Ernst Dokupil war Trainer und Sportdirektor. Jetzt kandidiert er für das Präsidium von Rapid und erklärt alte Standpunkte.

von Alexander Huber

Ernst Dokupil ist der letzte Neuzugang im Wahlkampf um die Nachfolge von Präsident Krammer. "Ja, ich wurde von den ’sieben Legenden’ nominiert, nach einem Wahlsieg von Roland Schmid in das Präsidium einzuziehen. Meine Aufgabe wird der Sport sein, ich werde es wie ein Aufsichtsrat anlegen", bestätigt der frühere Meistertrainer die Ankündigungen von Krankl & Co.

Hintergrund ist ein erfolgreicher Mitglieder-Antrag bei der Hauptversammlung 2018: Um die "sportliche Kompetenz" zu erhöhen, soll künftig ein Ex-Kicker einen zusätzlichen, neunten Platz im Präsidium bekommen. Im KURIER-Gespräch äußert sich Dokupil zu seinen kontroversen Standpunkten von früher. Von seinen Aussagen über den Rapid-Nachwuchs bis hin zur Öffnung des Vereins für Investoren.

Die Liste Bruckner hat bereits Gerry Willfurth nominiert.

Schmids Medienabteilung hält zur Dokupil-Nominierung fest: "Über ungelegte Eier brauchen wir jetzt noch nicht zu sprechen. Wir warten ab, ob der Antrag am Montag bei den Mitgliedern Zustimmung findet. Falls es danach dazu kommt, dass ein neuntes Präsidiumsmitglied zugelassen wird, werden die Legenden ihren Vertreter bestimmen. Wir können garantieren, dass das in Abstimmung mit uns und in Einklang mit unseren Konzepten passiert."

Dokupil sagt: "Meines Wissens nach ist die Statutenänderung durch."

Kein "Rapid-Fan"

Der 72-Jährige wird als Coach, der Rapid ins Europacup-Finale geführt hat, auf ewig einen Platz in den Fan-Herzen haben. Dokupil selbst war immer pragmatischer. Als Mitglied der Reformkommission gab er 2013 zu Protokoll: "Ich möchte ehrlicherweise klarstellen, dass ich nie Rapid-Fan war und auch nicht bin."

Rapid geklagt

Nach seinem Rauswurf 2001 hatte Dokupil den Verein sogar (erfolgreich) verklagt: "Nachdem die fristlose Kündigung kam, hatte ich nur drei Tage Zeit, um die völlig berechtigte Klage einzubringen. Aber das ist Schnee von vorvorgestern."

Dokupil war nie um provokante Standpunkte verlegen. Weil diese den Äußerungen von Schmid massiv widersprechen, bat der KURIER um Aufklärung:

1.) Dokupil hatte als Trainer gefordert, den Nachwuchs aus Kostengründen aufzugeben. Schmid will hingegen die Nachwuchsförderung massiv auf sechs Millionen pro Jahr ausbauen.

Der damalige Präsident Günter Kaltenbrunner erinnert sich: "Dokupils Forderung war eindeutig: ’Nachwuchs zusperren!’ Und mit diesen rund fünf Millionen Schilling wollte er Verstärkungen für die Profis einkaufen. Aber das war für mich ein No-go."

Dokupil erklärt: "Ich wollte den Nachwuchs nicht zusperren, sondern auf ganz Wien aufteilen, mit Kooperationsvereinen. Wir hatten damals nur drei Plätze, jetzt bald neun – da kann man den Nachwuchs besser fördern."

2.) Dokupil forderte 2013 in einem KURIER-Interview den Umzug in den Prater und kritisierte Krammer dafür, dass er Rapid trotz großer Pläne nicht für Investoren öffnen würde.

Seine Begründung damals: "Ich war ja in der Reformkommission. Der allgemeine Tenor dort ist: Wir wollen ein Stadion für 24.000 Zuschauer, die Tradition bewahren und damit unter die Top 50 Europas. Das kann sich nie ausgehen!"

Schmid forderte in seinem eigenen Programm die Öffnung für Investoren, betont aber nach der Fusion mit der Liste Grüneis, dass nur Sponsoren gemeint wären.

Dokupil sagt: "Kannte ich 2013 schon den Unterschied zwischen Investoren und Sponsoren? Nein, wir wollen Rapid nicht verkaufen!"

Tojners Rolle

Konkret geht es um die Rolle von Michael Tojner. Der Investor und Rapid-Fan hatte fünf bis acht Millionen Euro für das geplante Trainingszentrum zugesagt, falls Robert Grüneis Präsident wird. Durch die Fusion der Listen ist diese Zusage hinfällig: Tojner hat in einem offenen Brief an Rapid auf eine Wahlempfehlung verzichtet.

Sein Investment ist nicht mehr an Namen gebunden, sondern daran, im Prater ein "Partnerschaftsmodell" umzusetzen, dass "über reines Sponsoring hinausgeht".

Günter Kaltenbrunner war im Sommer für die Liste Grüneis als das zusätzliche "Präsidiumsmitglied mit Sportkompetenz" im Gespräch. "Ich habe Gespräche mit Grüneis und Tojner geführt. Aber nicht mit Schmid. Die Sache ist erledigt", erklärt der Ex-Präsident. Sein Wunsch: "Wichtig wäre, dass der Sportchef nicht jede Entscheidung mit dem Präsidenten und - bei all ihren Verdiensten - den Legenden abklären muss. Dafür habe ich doch einen Geschäftsführer Sport: Damit er als Verantwortlicher entscheidet und dafür einsteht."

Dokupil hatte einst den Spieler Zoran Barisic bei Rapid rausgeworfen, betont nach einer Versöhnung allerdings Richtung Sportdirektor: "Zoki ist der Chef. Der Großteil der sportlichen Führungscrew kennt mich ja. Die wissen, was meine Philosophie ist."

Wer bringt Rapid um?

Harte Kritik gibt es von Dokupil an Krammer: "Er hat sich sportlich nie beraten lassen. Unter uns Legenden hieß es ’Was bildet sich der ein?’ So ist unsere Bewegung für Schmid entstanden. Krammer bringt Rapid um."

Auf den Einwand, dass "umbringen" angesichts des neuen Stadions und der wirtschaftlichen Konsolidierung hart klingt, meint Dokupil: "Ich rede immer vom Sport. Ja, das Stadion ist toll gelungen. Aber Krammer bringt Rapid sportlich um. Es ist Zeit für die große Veränderung.“