Kampf um die Top 6: Warum Rapid ein weiterer Millionenschaden droht

5 Klubs haben Chancen auf 2 Tickets für die Top 6. Nur Rapid hat mit den Mehreinnahmen kalkuliert. Was für die Vereine finanziell heute auf dem Spiel steht.
FUSSBALL: ADMIRAL BUNDESLIGA/9. RUNDE: RED BULL SALZBURG - SK RAPID

Um 17 Uhr beginnt der spannendste Showdown im Kampf um die Meistergruppe seit der Ligareform 2019.

Hartberg ist beinahe fix durch, aber noch nicht endgültig. Rapid muss gegen Salzburg den Platz in den Top 6 verteidigen.

Altach, Ried und die WSG lauern.

Sportlich ist das Ziel im Modus „2 aus 5“ klar. Aber was ändert sich ober und unterhalb des Strichs für die betroffenen Vereine finanziell?

Vor allem für Rapid wäre der Sturz in die Quali-Gruppe eine Zäsur.

Eine KURIER-Analyse:

Hartberg (Platz 5)

Hartberg-Kapitän Heil

Hartberg-Kapitän Heil

Eine Saison, die im Südstädter Ausweichquartier begonnen hat, steht im ausgebauten Hartberger Stadion gegen Schlusslicht Blau-Weiß ganz knapp vor der frühen Krönung.

Geplant haben die bodenständigen Oststeirer nicht mit der Meistergruppe. Mit den Mehreinnahmen wäre es leichter, die Kaufoption beim LASK auf Goalgetter Havel (um einen mittleren sechsstelligen Betrag) zu ziehen.

Außerdem wäre es leichter, wieder viele Talente von der Sinnhaftigkeit eines Zwischenstopps in Hartberg zu überzeugen.

Und wenn die Hartberger noch einen Wunsch frei hätten, würden sie Rapid mit in die Top 6 nehmen: Dann wäre das Stadion nicht nur gegen Sturm ausverkauft.

Rapid (6.)

Seidl (l.) gegen Alajbegovic

Rapid-Kapitän Seidl (l.) gegen Alajbegovic

Nach den Rekordeinnahmen wurde gegen Ende der Transferzeit so viel ausgegeben (für die bisherigen Flops Gulliksen, Ndzie und Tilio), dass nach einem schwachen Europacup-Herbst lediglich eine schwarze Null in der Bilanz zu erwarten war.

Danach kamen der teure Trainerwechsel (mit laufenden Zahlungen an die Ex-Coaches) und als weiterer finanzieller Tiefschlag die Derby-Ausschreitungen, die insgesamt eine knappe Million kosten.

Und auch das Verpassen der eingeplanten Meistergruppe würde einen Millionenschaden auslösen.

In der Qualigruppe sind kaum Tagestickets zu verkaufen, der Weg in den finanziell wichtigen Europacup ist extrem hart. Kurzum: Sollte Rapid nach 2019 wieder die Top 6 verpassen, wäre das eine äußerst schmerzhafte Blamage.

Der Verein würde es überleben, müsste aber massive Einsparungen vornehmen und wieder mehr auf Spielerverkäufe setzen als eigentlich geplant war.

TRAININGSSTART SK RAPID WIEN: HOFF THORUP

Keine Siegprämien in der Quali-Gruppe 

Einziger Trost: So wie vom damaligen Sportchef Bickel ausverhandelt, sind auch jetzt keine Siegesprämien zu zahlen, wenn Rapid in der unteren Tabellenhälfte steht. Siege wären bis Saisonende also „gratis“.

Mit einem wichtigen Unterschied: 2019 war der prozentuelle Anteil der Prämien an den Gehaltskosten laut KURIER-Recherchen wesentlich höher als jetzt, beim teuersten Kader der Vereinsgeschichte.

Altach (7.)

Altach-Kapitän Jäger (l.)

Altach-Kapitän Jäger (l.)

Für das beste Frühjahrsteam wäre die Meistergruppe nicht die erste unerwartete Zusatzeinnahme 2026: Zuerst die Ablöse von Gegner Sturm für Trainer Ingolitsch. Dann in Salzburg der Einzug ins Cupfinale.

Und auch mit den Top 6 wurde bei den seriös wirtschaftenden Rheintalern nicht kalkuliert. Das ausgebaute Stadion wäre nun würdig für die Meistergruppe.

Ried (8.)

Ried-Kapitän Leitner

Ried-Kapitän Leitner

Anfang 2025 riskierten die Rieder, lehnten ein lukratives Angebot für Havenaar ab und stiegen auch wegen der Kopfballstärke des Abwehrspielers bei den eintrainierten Standards auf.

Anfang 2026 lehnten die Innviertler ein Angebot knapp unter der Millionengrenze für Van Wyk ab. Seither hat der Südafrikaner mit Toren gegen den LASK und bei der WSG Punkte gerettet, die Ried das Finale gegen die Austria einbrachten.

Kalkuliert wurde nicht mit den Top 6, umso lieber würde Ried die Premiere feiern.

WSG Tirol (9.)

WSG-Kapitän Müller (r.)

WSG-Kapitän Müller (r.)

Trainer Philipp Semlic war bereits bei größeren Vereinen im Gespräch, etwa bei Rapid. Dennoch verlängerte der Steirer seinen Vertrag, weil Semlic daran glaubt, dass die WSG ein stabiler Anwärter auf die Top 6 werden kann.

Etwa durch den Ausbau der Heimstätte – die Rückkehr nach Wattens 2027 in ein schmuckes Kleinstadion ist mittlerweile tatsächlich realistisch.

Sollte mit einem Heimsieg gegen den GAK der historische Sprung von Rang 9 auf 6 gelingen, „wären die Mehreinnahmen in Innsbruck gar nicht so groß, so realistisch müssen wir sein“, sagt Semlic.

„Aber wir hätten drei Monate früher Planungssicherheit und könnten beim Kader früher Nägel mit Köpfen machen“.

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