Sport | Fußball
09.11.2018

Rapid-Kapitän Schwab: "Müssen alles tun für ein Endspiel"

Die Rapidler gehen nach der Nullnummer gegen Villarreal selbstbewusst in das Gruppen-Finale.

Realismus herrschte in den Stadionkatakomben von Hütteldorf. „Der Sieg hätte uns gut getan“, sagte Trainer Didi Kühbauer, „aber man muss schon auch sagen, dass uns Richard Strebinger im ersten Abschnitt mit seinen Paraden überhaupt erst im Spiel gehalten hat.“

Sein Gegenüber, Villarreal-Coach Javier Calleja, wirkte weniger zufrieden als der Burgenländer, sagte aber dennoch: „Das Remis ist auch für uns ein positives Auswärtsresultat.“ Der Spanier musste die Leistungssteigerung der Rapidler in der zweiten Hälfte anerkennen: „Sie haben viel direkter und schneller gespielt.“

Rapid-Kapitän Stefan Schwab versuchte Erklärungen für die zwei konträren 45 Minuten zu finden: „Wir wussten, dass die Spanier auch auswärts Fußball spielen können und wollen, aber dass sie dazu so extrem aggressiv ans Werk gehen, hat uns vielleicht zu Beginn doch ein wenig überrascht.“

Die Fortsetzung der starken Heimserie in der Europa-League-Gruppenphase (seit zwölf Partien ohne Niederlage) freute die Hütteldorfer genauso wie der leichte Aufwärtstrend in den jüngsten vier Pflichtspielen ohne Niederlage: „Das muss und wird uns Mut geben“, sagte Joker Christoph Knasmüllner, den Kühbauer besonders hervorhob: „Er hat die anderen mit seiner Präsenz mitgezogen.“

Genug Kraft

„Mehr Mut und mehr Räume für uns“, nannte der für den leicht angeschlagenen Murg gekommene Knasmüllner als die größten Unterschiede der beiden Hälften. „Wir haben als Einheit viel besser funktioniert als noch in Spanien“, lobte Strebinger seine Vorderleute. Ungewöhnliches beobachtete der Teamgoalie im Finish: „Wir sind drüber gegangen, ich hatte das Gefühl, diesmal geht eher den Spaniern der Saft aus.“

Sein Ausblick auf Runde fünf: „Wir haben schon bewiesen, dass wir Spartak schlagen können. Noch ein Dreier in Moskau und es würde super ausschauen.“ Zumindest ein Punkt muss gegen Spartak her, um im Advent noch gegen die Rangers ein Finale haben zu können. Schwab: „Wir müssen in Moskau alles dafür tun, damit wir daheim gegen die Rangers noch ein Endspiel haben.“

Spanische Pressestimmen zu Rapid - Villarreal:

Marca: "So nicht, Villarreal! Die Gelben besiegeln ein trauriges Unentschieden gegen Rapid in Wien. Vor zwei Wochen glich der Besuch von Rapid im Stadion La Ceramica dem Ausflug eines Pensionistenvereins. Sie holten sich eine tüchtige Abreibung. In ihrem Stadion stehen die Dinge anders, die Burschen von Kühbauer machten den Eindruck einer ernsthafteren, geordneteren und würdevolleren Mannschaft. Dennoch hätte Villarreal mit einem Vorsprung in die Pause gehen können. Letztlich war es ein schlechtes Spiel gegen eine sehr limitierte Mannschaft. Villarreal verbessert sich einfach nicht, das B-Team kam letztlich aber unversehrt davon."

AS: "Ein verzweifelter Tabellenführer. Villarreal bezahlte wieder für seine mangelnde Schlagkraft und kam gegen eine unterlegene Rapid-Elf in Bedrängnis, die sie vor ein paar Tagen noch 5:0 abgefertigt hatte. In der ersten Hälfte war Villarreal eine geradezu unheimlich seriöse Mannschaft. Ein Toter schien mit einem Schlag lebendig zu sein. Auch Rapid, ein unkoordiniertes und desorganisiertes Team, wenn es darum geht, Druck zu machen, hatte ein paar Chancen. Sie waren aber eher das Produkt von Fehlern des Gegners, als dass sie selbst herausgearbeitet worden wären. Es scheint unglaublich, dass eine solche Mannschaft 32 Meistertrophäen in ihrer Vitrine stehen hat. Letztlich konnte niemand das Unentschieden verhindern, auch weil sowohl Villarreal als auch Rapid nur ein Schatten davon sind, was sie einmal waren."

El Mundo Deportivo: "Villarreal kann auch in Europa nicht so richtig Gas geben. Die Mannschaft von Calleja hat weiter mit ihren Problemen zu kämpfen. Dazu kam am Ende eine beunruhigende Dominanz einer Rapid-Elf, die letztlich das Tor aber auch nicht fand."

El País: "Substanzloses Remis von Villarreal in Wien. Das Calleja-Team behält die Tabellenführung mit der mageren Beute eines Punktes gegen Rapid. Das Unentschieden hinterließ einen bitteren Nachgeschmack. Calleja verliert immer mehr an Kredit."

Nachrichtenagentur EFE: "Eine Villarreal-Mannschaft ohne Kompass und mit feuchtem Schießpulver kratzte in Wien ein Unentschieden zusammen. Das Team von Rapid Wien ging engagiert und aggressiv ins Spiel und zeigte ein ganz anderes Gesicht als beim 0:5, das es vor zwei Wochen in Spanien kassiert hatte."