Rund um das Stadion-Areal wurden Sicherheitskräfte postiert. Einen Grund dafür will der LASK nicht nennen

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Sport Fußball
05/19/2020

Nach dem LASK-Skandal: Geheime Bilder und neue Schummel-Gerüchte

Sicherheitspersonal und Sichtschutz beim Stadion: Was hatten die Linzer zu verbergen? Sturm wehrt sich gegen Gerüchte.

von Alexander Huber

Zum Jahrestag des Ibiza-Videos wurde es wieder spür- und sichtbar. Bilder sagen mehr als tausend Worte: Ohne Video würde das Geschehene nicht geglaubt werden. Ähnlich, wenn auf nicht so dramatischer Ebene, verhält es sich beim LASK-Skandal. Gerüchte über bewusste Verstöße gegen das Kleingruppentraining beim Tabellenführer gab es schon lange. Aber erst die (ebenso illegal aufgenommenen) Videos werden zu Konsequenzen führen.

Mittlerweile haben die Linzer vier Mannschaftstrainings in den vergangenen drei Wochen eingestanden. "Die Reue kommt zu spät", sagt ÖFB-Präsident Leo Windtner, der "eine harte Strafe" fordert. Das könnte ein hoher Punkteabzug sein.

Dass (schließlich erfolgreich) versucht wurde, eine Kamera im Paschinger Stadion zu installieren, könnte am Rundherum gelegen sein. Passanten ist aufgefallen, dass mehrere Sicherheitskräfte rund um das Areal postiert wurden. Zusätzlich wurde ein Sichtschutz zwischen Tribünen angebracht.

Keine Beobachter

Wurde also die Raiffeisen Arena generalstabsmäßig vor Mannschaftstrainingskiebitzen geschützt? Oder war es eine besondere Sicherheitsmaßnahme, um Infizierte vom Stadion-Areal abzuhalten? Oder war alles nur ein blöder Zufall?

Der LASK will die Bilder nicht erklären und beantwortet die Anfrage folgendermaßen: "Wir möchten uns aufgrund des laufenden Verfahrens dazu nicht äußern."

Gleichzeitig kursieren Gerüchte, dass der LASK Beweise von Verstößen anderer Vereine vorlegen könnte. Dem KURIER liegt ein Foto vor, bei dem Salzburg-Spieler zu knapp beieinanderstehen. Ob das Bild vor, während oder nach den Corona-Verordnungen aufgenommen wurde, ist nicht ersichtlich.

Sturm kontert

Auf der Gerüchtebörse besonders hoch gehandelt wird ein Verstoß beim Sturm-Training. Der neue Sportchef Andreas Schicker antwortet auf KURIER-Anfrage klar: "Wir wissen, dass Gerüchte gestreut werden, aber solches Bildmaterial wird es nicht geben. Ich kann ausschließen, dass der SK Sturm vorsätzlich gegen Verordnungen oder Liga-Beschlüsse verstoßen hätte. Vielleicht ist mal ein Zusammenstoß wie beim Rapid-Training passiert, aber wir haben wirklich versucht, alles bestmöglich umzusetzen."

Neben dem von Schicker angesprochenen Zweikampf zwischen Stojkovic und Trainingsdebütant Gobara bei einem für Medien geöffneten Training sind bei den Auswertungen der Hütteldorfer Videos keine weiteren Verstöße gesichtet worden.

Vor dem Hochhaus

Anderswo stellte sich die Frage nach dem Schummeln erst gar nicht. Das Stadion in Wattens, wo Aufsteiger WSG Tirol trainiert, grenzt unmittelbar an Hochhäuser, die einen perfekten Blick auf das Spielfeld bieten und früher bei Partien entsprechend gut besucht waren. Sportchef Stefan Köck: "Selbst wenn wir gewollt hätten – das hätte bei uns jeder mitgekriegt."

Ein erfahrener Trainer, der nicht in der Bundesliga arbeitet, meint, dass bei allen Vereinen gegen die Abstandsregel verstoßen und auf den Babyelefanten vergessen worden wäre: "Weil Fußball so ein dynamischer Sport ist, geht es gar nicht, immer auf zwei Meter Abstand zu achten." Die entscheidende Frage wäre vielmehr, ob die Verstöße einmal passiert sind, regelmäßig bewusst weggeschaut wurde, oder die Bestimmungen mit Vorsatz und Absicht durch Mannschaftstrainings umgangen sowie gebrochen wurden.

Der Ärger der anderen Vereine über den LASK wurde seit der Pressekonferenz der Linzer am Freitag übrigens nicht kleiner.

Linzer Frühstarter

Der Hintergrund: Vom LASK wurde beschrieben, dass die bewussten Verstöße aus gesundheitlichen Gründen vorgenommen wurden. Um die Spieler bestmöglich auf das heftige Programm ab Anfang Juni vorbereiten zu können.

Die Chance auf einen späteren Liga-Neustart, weniger englische Wochen oder ein späteres Saisonende wurde vom LASK aber nie gesucht. Die LASK-Verantwortlichen sind nach dem grünen Licht der Regierung bei allen Diskussionen und Beschlüssen über den neuen Spielplan innerhalb der Liga dafür eingetreten, möglichst früh möglichst oft zu spielen.