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29.10.2018

Lopetegui entlassen, Real-Stars droht nun eine "eiserne Hand"

In einer schlimmen Krise will Klubchef Pérez Ordnung in den Laden bringen. Der autoritäre Antonio Conte könnte folgen.

In einer der schlimmsten Krisen der vergangenen Jahrzehnte macht sich Champions-League-Sieger Real Madrid auf die Suche nach einem „harten Hund“. Die Trennung von Trainer Julen Lopetegui war am Montag nach dem 1:5-Debakel im 272. Clásico beim FC Barcelona und nur einem Punkt aus den letzten fünf Liga-Spielen perfekt.

Geklärt werden müsse nur die Frage der Nachfolge des 52-Jährigen, schrieben Fachmedien wie die Madrider Sportzeitung AS. Klub-Boss Florentino Pérez wolle auf der Vorstandssitzung am Abend den joblosen Italiener Antonio Conte oder den derzeit bei Manchester United unglücklichen Ex-Real-Coach José Mourinho vorschlagen. Zwei Männer also, die wegen ihrer autoritären Persönlichkeiten berühmt-berüchtigt sind.

Favorit Conte

Ein guter, erfolgversprechender Plan des „Presidente“ für das Star-Ensemble? Hier gehen die Meinungen (weit) auseinander. Dass Pérez die richtigen Schlüsse aus der Malaise zieht, glaubt unter anderem Poli Rincón. „Das Team braucht eine harte Hand, eine sehr, sehr harte Hand“, sagte der frühere Nationalspieler und Real Profi im spanischen Rundfunk. Sergio Ramos denkt anders. Der Kapitän hatte die Pleite gegen den Erzrivalen und den Sturz auf den neunten Tabellenplatz der Primera División noch nicht einmal zu verdauen begonnen, als er von einem Journalisten im Camp Nou gefragt wurde: „Conte ist ein Trainer der harten Hand, eine gute Lösung“? Die Antwort: „Respekt muss man sich verdienen und nicht aufzwingen wollen.“

Als Mourinho zwischen 2010 und 2013 Trainer bei Real war, hatte der eigenwillige Portugiese mit den Stars große Probleme. Das führte zu Konfrontationen nicht nur in der Umkleidekabine, sondern auch mit Medien und Fans. Mit „Mou“ holte der Verein nur je einmal den Pokal (2011) und den Titel in der Liga (2012). Mit einem anderen „harten Hund“ klappte es bei Real in der jüngeren Vergangenheit noch um einiges schlechter. Der Spanier Rafa Benítez wurde Ende 2015 schon nach nur wenigen Monaten im Amt vor die Tür gesetzt.

Als Favorit auf die Lopetegui-Nachfolge galt am Montag Conte, weil er - anders als Mourinho - arbeitslos ist und daher schneller zur Verfügung stehen würde. Die spanischen Nationalspieler des FC Chelsea, wo Conte noch letzte Saison tätig war, sollen den Real-Fußballern bei „La Roja“ im WM-Trainigslager berichtet, der Italiener sei „unerträglich“, so El País.

Unumgänglicher Rauswurf

Was sagte Ramos am Sonntagabend noch zur Möglichkeit der Verpflichtung eines autoritären Trainers? Die Beziehungen zu den Spielern seien wichtiger als Fachkenntnisse. Der 32-Jährige fügte dann auch noch an: „Mit Trainern, die ihr alle kennt, haben wir ja alles gewonnen.“ Gemeint war natürlich vor allem Zinedine Zidane. Mit seiner leisen, soften Art hatte der Franzose das Madrider Millionärsensemble im Griff. Das Ergebnis: Drei Champions-League-Triumphe in Serie. Und als Zugabe sozusagen mehrere weitere Titel, darunter die Liga in der Saison 2016/17.

Dass Lopetegui nach nicht einmal fünf Monaten im Amt wird gehen müssen, gilt derweil in Madrid als Tatsache. Der Coach versuchte nach dem 1:5 seine letzten Karten zu spielen. „Das war ein harter Rückschlag, aber ich habe die Kraft, weiterzumachen“, sagte der Mann, der von Verbandschef Luis Rubiales in Russland kurzerhand des Nationaltrainer-Amtes enthoben worden war, nachdem Real nur drei Tage vor dem ersten WM-Spiel seine Verpflichtung bekanntgegeben hatte.

Ein neuer Rauswurf scheint unumgänglich. Klagen kann er nicht. So schlechte Zahlen wie er hatten Trainer bei Real zuletzt in den 1920er, 1930er und 1940er Jahren. Am Mittwoch im Pokal bei Melilla solle vorerst der Trainer des B-Teams, der Argentinier Santiago Solari auf der Platz nehmen, so Medien.