Austria's head coach Marcel Koller from Switzerland gestures during the friendly soccer match between Austria and Greece in Salzburg, Austria, Wednesday, Aug. 14, 2013. (AP Photo/Kerstin Joensson)

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Testspiel-Pleite
08/15/2013

Koller: "Ich hoffe, dass es heilsam war"

Teamchef Marcel Koller konnte mit der Leistung seines Teams gegen Griechenland nicht zufrieden sein.

Wenn das Sprichwort von der verpatzten Generalprobe und der gelungenen Premiere stimmen sollte, besteht für die österreichische Fußball-Nationalmannschaft durchaus Hoffnung. Ansonsten lieferte die 0:2-Testspielniederlage am Mittwoch in Salzburg gegen Griechenland im Hinblick auf die entscheidende Phase in der WM-Qualifikation wenig Grund zum Optimismus.

Über weite Strecken war das Spiel der Österreicher gekennzeichnet von Fehlpässen, Ideenlosigkeit und Nachlässigkeiten in der Defensive - sehr zum Ärger von Teamchef Marcel Koller. "Wir hatten zu viele unnötige Abspielfehler, da hat man die fehlende Erfahrung gemerkt", sagte der Schweizer, dem auch das mangelhafte Flügelspiel missfiel.

Koller lobte zwar die Leistung seiner Schützlinge in den ersten 25 Minuten ("Da haben wir gutes Pressing gespielt, gut kombiniert und auch zwei Möglichkeiten gehabt"), kritisierte aber die Entstehung des ersten Gegentreffers, als sich die Innenverteidigung von einem weiten Pass überraschen ließ. "Da haben wir gepennt, und dann ist alles schwieriger geworden."

In der Folge ließen sich die abgezockten Gäste den Sieg nicht mehr nehmen. "Da hat man gesehen, dass die Griechen viel Erfahrung haben und nicht umsonst die Nummer elf der Weltrangliste sind. Sie waren defensiv gut organisiert und im Spiel nach vorne gefährlich", meinte Koller.

Fehlender Biss

Der 52-Jährige erkannte noch einen anderen Unterschied zwischen seiner Mannschaft und den Hellenen. "Die Griechen hatten mehr Körperspannung", sagte Koller. Die ÖFB-Truppe hingegen ließ wie schon in den vorangegangenen Testmatches gegen die Elfenbeinküste (0:3) und Wales (1:2) den letzten Biss vermissen. "Dabei hatte ich diesmal ein besseres Gefühl als vor diesen beiden Spielen. Doch wir müssen dort hinkommen, dass wir auch solche Spiele hinkriegen, in denen wir nicht so viel Vorlaufzeit haben", erklärte der Nationaltrainer in Anspielung auf die nur zweitägige Vorbereitung.

Vor den kommenden WM-Qualifikationspartien in München gegen Deutschland (6. September) und in Wien gegen Irland (10. September) hat Koller mehr Zeit, um seine Schützlinge auf Kurs zu bringen. "In diesen Spielen müssen wir kompakter sein und brauchen eine bessere Passqualität", forderte der Coach.

Vielleicht sei die Niederlage gegen Griechenland ein Warnschuss zum richtigen Zeitpunkt, vermutete Koller. "Ich hoffe, dass es heilsam war, dass die Spieler merken, dass sie mehr in der Defensive ackern müssen. Wenn sie das nicht tun, wird es nicht reichen."

Koller schützt die Spieler

Allzu hart wollte Koller mit seinen Kickern aber auch nicht ins Gericht gehen. Lieber nahm er die Teamspieler gegen die seiner Meinung nach zu hochgestecken Erwartungen der Öffentlichkeit in Schutz. "Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Wir können nicht davon ausgehen, dass wir bei jedem Spiel Punkte mitnehmen, nur weil wir gegen Schweden gewonnen haben."

Auch auf Kritik an einzelnen Spielern verzichtete Koller. Dass sich zum Beispiel Andreas Weimann in Abwesenheit des verletzten Marc Janko nicht wirklich in Szene setzen konnte, machte der Teamchef dem Aston-Villa-Legionär nicht zum Vorwurf. "Er war viel unterwegs und hatte die eine oder andere Möglichkeit, war aber beim Abschluss unglücklich. Außerdem war es schwierig, weil ihm ein bisschen die Unterstützung gefehlt hat."

Marko Arnautovic blieb ebenfalls von einer öffentlichen Standpauke verschont. "Er hatte die eine oder andere Aktion nach vorne, von dieser Warte her war es okay", sagte Koller über den Werder-Bremen-Kicker.

KURIER-Noten für die Teamspieler

Österreich enttäuscht gegen Griechenland

Die Vorgaben des Teamchefs waren klar: Ein Feintuning für das Deutschland-Match vorzunehmen; Selbstvertrauen für die Mission Brasilien zu tanken; und nicht zuletzt sich mit einem positiven Resultat Respekt bei den kommenden WM-Qualifikationsgegnern zu verschaffen. Nach 90-minütigem Testlauf gegen Griechenland darf/muss konstatiert werden: Keine der drei Vorgaben wurde erfüllt. 0:2 – nicht zum ersten Mal in der Ära Koller endete ein Vorbereitungsspiel mit einer Enttäuschung.

Dabei hatten die Nebengeräusche rund um das Freundschaftsspiel gegen Griechenland durchaus Wettbewerbscharakter. Der zackige Radetzkymarsch und das schnulzige I am from Austria dienten wie gehabt als Stimmungsmacher. Und es schwappte lange die Welle durch das gut gefüllte Salzburger Stadion (23.400 Zuschauer).

Nach 70 Minuten war die Vorfreude in Entsetzen umgeschlagen und Pfiffe hatten die Ovationen abgelöst. 0:2 lagen die Österreicher zu diesem Zeitpunkt bereits zurück, nachdem sich die Defensivabteilung gegen lange Zeit äußerst biedere und harmlose Griechen erschreckende Schnitzer geleistet hatte. Vor dem 0:1 reichte den Gästen ein simpler Steilpass über das ganze Spielfeld, um die österreichische Abwehr in ihre Bestandteile zu zerlegen: Mitroglou durfte ungestört zwischen Pogatetz und Dragovic durchmarschieren und konnte ohne große Gegenwehr einschießen (39.).

Beim 0:2 wurde es dem griechischen Stürmer dann ähnlich leicht gemacht, kein Österreicher wollte Mitroglou an seinem Schuss von der Strafraumgrenze hindern (67.). Damit war’s um die Österreicher geschehen.

Ernüchternd die Erkenntnisse drei Wochen vor dem Ernstfall in München gegen Deutschland:

Kontinuität: Zwar hat Österreichs kaum verändertes Legionärsteam (nur Weimann ersetzte den verletzten Janko gegenüber dem Schweden-Spiel) versucht, mit frühen Störmanövern zum Erfolg zu kommen, aber das inkonsequente Pressing verpuffte an der griechischen Menschenmauer. Ein erhoffter Druckaufbau fand nicht statt. Die zuletzt gezeigte Ordnung war dieses Mal nicht erkennbar.

Torgefährlichkeit: Einmal fehlte die Durchschlagskraft, dann wieder die zündende Idee, und fast immer mangelte es an der Präzision. Die Torgefahr der Österreicher tendierte gegen null, lediglich bei Standardsituationen lag so etwas Ähnliches wie Torgefährlichkeit in der Salzburger Luft. Erwähnenswert: Einen wuchtigen Alaba-Freistoß konnte der griechische Goalie an die Stange lenken (18.).

Abwehrverhalten: Den Griechen wurde das Toreschießen sehr leicht gemacht. Wie kann es passieren, dass Alaba am gegnerischen Strafraum den Ball verjuxt und einen langen Pass später die gesamte Defensive aus den Angeln gehoben ist? Ein Fehlverhalten der ganzen Mannschaft und im Besonderen des im Nirgendwo positionierten Innenverteidiger-Duos Pogatetz/Dragovic. Die von Teamchef Koller geforderte Cleverness blieb anscheinend in der Kabine.

Professionalität: Es ist nachvollziehbar, dass Marko Arnautovic in Bremen kein Leiberl hat. Der Exzentriker fiel in diesem Spiel zwar nicht unbedingt negativ auf, musste aber mit Nachdruck zu einer Stellungnahme bewegt werden.

Fortschritt: Koller erhofft sich mit jedem Spiel eine Weiterentwicklung. Gegen die Griechen machte das Team wieder einen Schritt zurück. „Wir waren zu ungestüm, haben uns zu unerfahren präsentiert und waren auch ein bisschen naiv“, meinte der Schweizer. Er hofft, dass die Mannschaft die richtigen Schlüsse aus der Niederlage zieht. Für die WM-Qualifikation könne dies durchaus lehrreich sein. Hoffnung gibt die Vergangenheit: Die Österreicher haben zuletzt nach den schwachen Tests gegen Wales (Färöer und Irland) und die Elfenbeinküste im zählbaren Wettkampf Steigerungen erkennen lassen.

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