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Porträt
11/13/2019

Kaltenborn und Kindler: Das sind Rapids Spitzen-Kandidaten

Zwei KURIER-Porträts zur Präsidentenwahl: Monisha Kaltenborn (Team Bruckner) und Max Kindler (Team Schmid) ragen heraus.

von Alexander Huber

Martin Bruckner da, Roland Schmid dort. Der ungewöhnliche Wahlkampf um die Nachfolge von Rapid-Präsident Michael Krammer erzeugt großes Interesse, im Fokus stehen die beiden Präsidentschaftsanwärter.

Beide betonen, es solle ein „Wettstreit der Ideen“ sein, über den rund 2.000 ordentliche Rapid-Mitglieder am 25. November abstimmen werden. Deswegen sprach der KURIER mit den herausragenden Anwärtern auf einen Platz im Präsidium. Sowohl Monisha Kaltenborn, die erste Teamchefin in der Formel 1, als auch Max Kindler, ein Jurist, der in Liverpool zum „Football-Master“ wurde, wissen zu beeindrucken.

Die Geschicke des Vereins prägen wird künftig aber nur eine/r der beiden Spitzen-Kandidaten.

Kaltenborn: "Möchte mein Netzwerk einbringen"

Monisha Kaltenborn wurde in Indien geboren, lebt in Küsnacht in der Schweiz und ist mit einem deutschen Juristen verheiratet. Berühmt wurde die 48-jährige Managerin als erste Teamchefin in der Formel 1 (2012 – 2017 bei Sauber). Sie selbst betont: „Ich bin eine Wienerin.“ 

Vom achten Lebensjahr bis zum Ende des Jus-Studiums lebte Kaltenborn in Wien und besuchte mit ihrem Vater regelmäßig das Hanappi-Stadion: „Diese emotionalen Erlebnisse verbinden mich mit Rapid.“

Letzter Zugang

Als AK-Präsidentin Anderl zur Liste Grüneis wechselte, wurde im Team Bruckner ein Platz frei. Stefan Singer stellte den Kontakt her, und für Kaltenborn war schnell klar: „Die Chemie stimmt, die Ideen wurden mir sehr transparent präsentiert und ich sehe es als Ehre, vom populärsten Verein Österreichs angefragt zu werden.“

Die zweifache Mutter  wäre unter Bruckner für Sponsoring und Internationalisierung zuständig: „Ich habe sehr viel Erfahrung im internationalen Spitzensport. Ich möchte dazu beitragen, die Prozesse und Strukturen  noch effizienter zu machen und mein  Netzwerk einbringen.“

Singer erzählt, dass Kaltenborn bereits bei der ersten Stadion-Runde (bei der für sie „die Tradition und Kraft des Vereins spürbar waren“)  „viele Ideen für neue Erlöspotenziale geliefert“ hätte. Es geht dabei um  das „Internet of things“.

Denn Rapid hat mit dem modernen Stadion etwas, das auf der ganzen Welt gefragt ist: Durch die digitale Bezahlung  („Rapid Marie“) kann auf die Minute genau analysiert werden, wann wo und wie viele Fans was bestellen – diese Ströme sind für die Planung jedes vergleichbaren Stadions Gold wert. Natürlich würden dabei nur anonymisierte Daten verarbeitet werden.

Erfahrung bei Chelsea

Derzeit entwickelt Kaltenborn mit ihrer Firma Rennsimulatoren für den Formelsport. Als Sauber-Teamchefin hat sie eine Partnerschaft mit dem FC Chelsea mitaufgebaut. „Seither weiß ich um die vielen Gemeinsamkeiten zwischen Teams in diesen Sportarten.“

Ihr grundsätzlicher Zugang: „Das schwächste Glied der großen Kette muss auf so  ein hohes Niveau gebracht werden, dass sich das stärkste Glied frei entfalten kann und die bestmögliche Leistung abruft.“

Rapids Rückgrat

Zum Vergleich Formel 1 – Fußball meint sie: „Das Schöne ist: Hier spürt man die Menschen und ihre Emotionen direkt. Das ist einer der Gründe, warum ich zugesagt habe: Die Mitglieder als Rückgrat des Vereins – das hat mich fasziniert.“

Ihr Versprechen als Auslandsösterreicherin: „Ich bin mit der Formel 1 so viel gereist, ich finde das  nicht anstrengend. Ich muss  Verein und  Fans spüren. Es geht nicht, dass ich aus der Distanz Ratschläge gebe.“

Kindler: "Ich war nie sauer auf Rapid"

Max Kindler hat Fußball studiert. In Liverpool ist das möglich, für Akademiker mit mehrjähriger Berufserfahrung. Er kündigte 2007 bei den ÖBB und wurde zum "MBA Football Industries": „Die Kosten für Studium und Leben liegen bei knapp 50.000, dazu  50.000, die ich in diesem Jahr nicht verdient habe: Diese 100.000 Euro waren ein Investment in meine Leidenschaft Fußball.“

Seine Abschlussarbeit schrieb der Jurist über „Football Club Ownership in England and Germany“. Kindler stellt klar: „Bevor wegen des Themas wieder Gerüchte aufkommen: Nein, wir wollen Rapid nicht verkaufen!“

„Wir“, das ist das „Team Grün Weiß“ unter der Führung von Roland Schmid. Kindler hatte als Mastermind der Liste Grüneis gemeinsam mit  Handball-Manager Conny Wilczynski das detaillierte sportliche Konzept für Grüneis erarbeitet, das Schmid übernahm: „Wir sind sicher, dass unser Weg der richtige ist.“

Kein Peschek-Konkurrent

Der potenzielle Finanzreferent stellt weiters klar: „Nein, ich will nicht den Job von Christoph Peschek, und ich werde sicher nicht Geschäftsführer.“ Der Hintergrund: Kindler gegen Peschek hieß 2014 das Duell bei der Wahl des Kuhn-Nachfolgers.

Der Wiener erzählt: „Ich war nie sauer auf Rapid, weil mir klar war, dass ich es nicht werde. Ich komme aus einem unternehmerischen Haushalt, ich bin unpolitisch. Wenn ich auf städtischem Grund ein Stadion baue und die Stadt 20 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert, ist es nur logisch, dass es auch zu den handelnden  Personen Interessen gibt.“

Firma mit Landthaler

Der heute 42-Jährige sollte dann noch ins Krammer-Präsidium, daraus wurde aber nichts. Also besuchte Kindler weiter mit seinem Fanklub „Sempre in Olio“ das Stadion – und kam doch mit einem Rapidler in Berührung: Kindler, der spätere Rapid-Finanzchef Raphael Landthaler und der Spielerberater Harald Heiss hatten eine Firma gegründet, die versuchte, junge Talente vom Balkan zu entwickeln und auf ihrem Weg in Top-Ligen zu unterstützen.

Einbringen will der Firmengründer (Legal-Tech-Branche) neben der  Ausbildung auch das Netzwerk der Liverpool-Absolventen: „Mein Studienkollege Carl Shieber ist als Sportchef von Sheffield United gerade von Liga 3 in die Premier League durchmarschiert und liegt jetzt auf Platz 5. So ein Austausch ist fantastisch.“

Quoten-Frage

Zum umstrittenen Konzept, die Eigenbauspieler-Quote auf in Europa fast einzigartige 50 Prozent zu pushen, sagt der Erfinder: „Rapid hat sich bereits auf 33% gesteigert. 50% sehen wir als Richtlinie, aber wenn es 40% werden, ist es auch gut. Es geht um den Ansatz, die Kraft der Rapid-Jugend und um den Prozess.“