Fußball-Legende Shevchenko: "Bei Bombenalarm verschieben wir Matches"

Fußballlegende Andrij Shevchenko hielt in Wien eine Rede.
Der ÖFB will die Ukraine sportlich unterstützen. Im KURIER-Gespräch zeigte sich Verbandspräsident Andrij Shevchenko über Österreichs Fußball bestens informiert.

Der russische Angriffskrieg hat die Ukraine weiterhin fest im Griff. Zwar wird seit Monaten an einem Friedensplan gebastelt, am Donnerstag vermeldete Präsident Wolodymyr Selenskij bei einem Treffen in Zypern, dass er auf ein Kriegsende in der ersten Jahreshälfte 2026 hoffe. Zuletzt wurden solche Hoffnungen stets zerschlagen.

Andrij Shevchenko, ukrainische Fußballlegende, Weltfußballer 2004 und Ex-Teamchef ist mittlerweile Präsident des ukrainischen Fußballverbands. Gemeinsam mit ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzendem Josef Pröll, Vizekanzler Andreas Babler und Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt unterzeichnete der 49-Jährige am Donnerstag im Haus des Sports in Wien ein Memorandum, in dem sich Österreich bereiterklärt, den ukrainischen Fußball zu unterstützen.

Andrij Shevchenko und Josef Pröll unterzeichneten ein Memorandum.

Andrij Shevchenko und Josef Pröll unterzeichneten ein Memorandum.

"Nur so viele Fans, wie in den Bunker passen"

"Der Beginn des russischen Angriffskrieges", sagt Andrij Shevchenko,  „war der schlimmste Tag im Leben der Ukrainer“. Fußball – sowohl aktiv als auch passiv –  sorge für dringend nötige Ablenkung. Am Rande der Unterzeichnung des Memorandums zwischen ÖFB und UAF sprach Shevchenko mit dem KURIER über ...

... die Weiterführung des Fußballbetriebs im Krieg: 

"Alle Ligen laufen wieder – soweit es geht und unter den höchstmöglichen Sicherheitsvorkehrungen. Fans sind nur so viele erlaubt, wie in den nächsten Bunker passen.   Manche Spiele müssen um ein paar Tage verschoben werden, wenn Bombenalarm herrscht. Wir sind stolz darauf, dass wir nur vier Monate pausiert haben."

... die Bedeutung des Fußballs in Kriegszeiten: 

"Während dieser Zeit hat Fußball viele Tore geöffnet. Nicht nur als Sport. Fußball hat einen wichtigen Einfluss auf das Mindset junger Menschen. Sie können dadurch aus ihren schrecklichen Erfahrungen, ihren schlaflosen Nächten ausbrechen. Es bringt ihnen Hoffnung. Wenn sie in ein anderes Land wie Österreich kommen, um Fußball zu spielen, können sie für kurze Zeit ihren Kummer vergessen. Sie sehen Solidarität und erfahren, dass es eine andere Welt gibt. Eine ohne Bomben, Zerstörung und Morden."

Amputierten-Fußball: Zwei Spieler mit Krücken auf dem Rasen, einer in Gelb, der andere in Weiß, spielen Fußball.

In der Ukraine gibt es Zehntausende Menschen mit amputierten Gliedmaßen, 2025 wurde eine eigene Fußball-Liga geschaffen

Shevchenko begeistert von Rangnick

... Fußball für Versehrte:

"Wir haben kürzlich etwas Wichtiges gestartet. Die „League of the Mighty“ für Menschen, die Gliedmaßen verloren haben. Wir haben 22 Teams, rund 1.000 Spieler. Wir glauben, dass das das Leben für Veteranen verändert."

... das ukrainische Nationalteam: 

"Unser Team spielt derzeit nicht in der Ukraine, das schmerzt sehr. Fußball ist unser Nummer-eins-Sport. Mein Traum ist es, dass das Nationalteam zurückkommt und wieder mit Fans im Stadion spielt – so bald wie möglich, wenn das alles vorbei ist."

... das ÖFB-Team und Ralf Rangnick: 

"Ich habe deren Spiele nicht nur gesehen, ich bin großer Fan des österreichischen Teams geworden. Es gibt hier viele talentierte Spieler. Und Ralf Rangnick ist ein großartiger Coach! Ich hatte die Chance, ihn in der Ukraine zu empfangen. Er hat eine unglaubliche Erfahrung und eine Fußball-Vision. Rangnick ist ein sehr netter Mensch, er hat viel Herz für die Ukrainer gezeigt und viel mit ukrainischen Spielern gesprochen." 

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