Sport | Fußball
27.09.2018

Djuricin zu angeblicher Geste: "Würde mir im Traum nicht einfallen"

Der Rapid-Coach will sich nicht entschuldigen für etwas, was er nicht getan hat. Sportdrektor Bickel ist wütend.

Grabesstimmung herrschte am Donnerstag bei den Verantwortlichen des SK Rapid. Gerüchten zur Folge lag sogar ein Rücktritt des seit Wochen angezählten Trainers Goran Djuricin in der Luft. Mit ernsten Mienen schritten Sportdirektor Fredy Bickel, Trainer Goran Djuricin, Kapitän Stefan Schwab und Pressesprecher Peter Klinglmüller auf das Podest des Medienraumes. Folgt nach dem Cup-Sieg am Mittwoch im Elfmeterschießen in Mattersburg gar der große Knall bei Rapid?

Nein. Im Gegenteil. Es dreht sich alles um eine Geste von Goran Djuricin. Wie schon während des Spiels faste sich der Coach in den emotionalen Momenten nach dem Elfmeter-Krimi mit einem Finger an den Kopf. Im ORF wurde die Geste als Vogel zeigen in Richtung Rapid-Fans gewertet, die nach der Leistung "Gogo raus" geschrien haben sollen.

"Dann schaut das anders aus"

Djuricin stritt das am Donnerstag vehement ab: "Jeder weiß, dass ich schon den einen oder anderen Fehler gemacht habe. Ich habe mich auch immer entschuldigt. Aber mir würde es im Traum nicht einfallen, dass ich meine eigenen Fans beschimpfe. Ich finde es sehr traurig, dass Leute so etwas hinein interpretieren."

Was und ob überhaupt der Finger auf dem Kopf etwas zu bedeuten hatte, ließ der Coach unbeantwortet. "Wenn ich jemanden den Finger oder den Vogel zeigen will, dann schaut das anders aus."

Wütender Bickel

Den Aussagen von Djuricin ging eine lange und sehr emotionale Rede von Fredy Bickel voraus. "Ich werde ablesen, denn ich möchte nicht, dass auch mit mir die Emotionen durchgehen", schickte der Schweizer voraus. "Wenn Fans in ein Verhalten eines Trainers etwas reininterpretieren, dann habe ich noch ein gewisses Verständnis.  Aber, wenn das Medienvertreter machen, dann habe ich absolut kein Verständnis mehr. Dann finde ich es boshaft." 

Bickel wirkt durch die ständigen Unruhen in Hütteldorf verärgert bis angeschlagen. "Ich bin seit 30 Jahren im Geschäft. Ich habe alles schon erlebt und kann auch sehr gut mit Druck umgehen. Aber was ich hier in letzter Zeit  erlebe, geht über jede Grenze hinaus.  Was du da an Anschuldigungen und Beschimpfungen alles mitnehmen musst.“ Der Schweizer meint damit vor allem die Beschimpfungen, die am Mittwoch aus dem Mattersburger VIP-Klub gekommen sein sollen. "Ich habe in meinem Leben noch nie jemanden geschlagen, aber ich musste mich zusammen nehmen, dass ich nicht auf die Tribüne steige. Wenn ich sogar einen besonnenen Mann wie Butre (Anm: Co-Trainer Martin Bernhard) vom Zaun runterholen muss, dann hört die Geschichte irgendwo auf. Das kam alles von der VIP-Tribüne und nicht vom Block West."

Den Druck der Fans, Djuricin zu feuern, wird Bickel nicht nachgeben: "Ich kenne die Gesetzmäßigkeiten, dass ich vielleicht mal den Trainer entlassen muss. Aber dann tust du es nicht, weil es Außenstehende fordern, sondern, weil es zum Wohle des Vereins ist."

Seit Donnerstag gibt es gar eine Online-Petition der Gogo-raus-Fraktion. Für Djuricin wieder etwas Neues: "Diese Unterwelt kenne ich nicht."

Bolingoli verlängert

Erfreuliches hatte Bickel am Donnerstag auch zu verkünden. "Im Alltag wird natürlich auch an der Zukunft gearbeitet. Innerhalb des Kaders ist uns bereits die erste Vertragsverlängerung geglückt: Boli Bolingoli bis 2021 vorzeitig verlängert", verkündete er. 

Der ursprüngliche Vertrag des belgischen Verteidigers war bis zum 30. Juni 2020 datiert.