Sport | Fußball
03/11/2019

Fix: Die Wiener Austria trennt sich von Trainer Letsch

Robert Ibertsberger übernimmt interimistisch. Bei den Young Violets trennt sich die Austria von Klub-Legende Andreas Ogris.

"Letsch raus". Das hatten im Frühjahr die enttäuschten Austria-Fans schon mehrfach gefordert, zuletzt am Sonntagabend nach dem blamablen 1:3 gegen Altach. Am Montagmittag wurde die lautstarke Forderung Realität. Thomas Letsch muss nach einem knappen Jahr im Amt als Austria-Trainer gehen, Robert Ibertsberger übernimmt das Zepter interimistisch. 

Die Austria wird die Augen nach einem neuen Trainer zwar offen halten, aber nicht zwangsweise einen verpflichten. Ibertsberger, bisher Co, darf sich als Cheftrainer beweisen, Roman Stary wird ihm als Assistent zur Seite stehen.

Einen Trainerwechsel gab es auch bei den Young Violets. Andreas Ogris wird ebenfalls mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freigestellt, auch hier übernimmt Co-Trainer Christoph Glatzer interimistisch.

Kein Kommentar

"Es gibt nicht den einen Grund, warum es nicht funktioniert hat", erklärte Sportdirektor Ralf Muhr am Montag um 12.45 Uhr das Scheitern. Muhr führte seit dem Montagmorgen Gespräche, saß lange mit dem Trainerteam in der Trainerkabine zusammen und erklärte die Lage. Danach unterrichtete man die Spieler, ehe sich Thomas Letsch von den Angestellten verabschiedete und mit seinen zwei Paar Fußballschuhe von dannen zog. "Von mir gibt es diesmal keinen Kommentar", bat er auf die Nachfrage - wie immer freundlich und höflich - um Nachsicht.

Schon am Sonntagabend, unmittelbar nach Schlusspfiff, hatten sich Präsident Frank Hensel, die Vizepräsidenten Josef Pröll und Raimund Harreither, sowie Sportdirektor Ralf Muhr, AG-Vorstand Markus Kraetschmer und Andreas Rudas vom VIP-Klub im 3. Stock in die Geschäftsstelle im 1. Stock zurückgezogen und die unmittelbare Zukunft der Violetten beschlossen.

Am Montag zu High Noon war die Trainerfrage letztlich beantwortet.

Tendenz nach unten

"Die Leistungen der Mannschaft entsprachen nicht den Vorstellungen, die wir an uns selber haben. Das hat das 1:3 gegen Altach deutlich gezeigt, demnach mussten wir Konsequenzen ziehen. Insofern war es wichtig, im Sinne des Klubs eine Entscheidung zu treffen. Wir erwarten jetzt auch von der Mannschaft ein Zeichen, eine professionelle Herangehensweise und eine Entwicklung in eine positive Richtung", sagte Muhr und appellierte damit an die Mannschaft. 

 

Die Tendenz, "insbesondere nach dem Spiel gegen Altach", habe diesen Schritt als notwendig erachten lassen, sagt Kraetschmer. "Wir sind überzeugt, dass wir eine Veränderung brauchen, um unser Saisonziel, das nach wie vor Qualifikation für einen internationalen Startplatz lautet, zu erreichen".

Präsident Frank Hensel äußerte sein Bedauern, rief aber ins Pflichtbewusstsein. "Wir haben zuletzt sehr intensive Gespräche geführt und die Entscheidung getroffen, dass wir der aktuellen Situation Rechnung tragen und handeln müssen. Wir haben eine Verpflichtung und können kein Risiko gehen, auch wenn es mir menschlich sehr leid tut", sagte der Deutsche und erklärte auch die Entlassung von Andreas Ogris: "Unser Nachwuchs ist eine ganz wichtige Säule in unserem Gesamtkonzept, die 2. Liga eine sehr gute Ausbildungsplattform, um die Spieler aus unserer Akademie über diese zweite Mannschaft an den Profibereich heranzuführen. Wir stellen bei den Young Violets aber leider eine Stagnation in der Entwicklung fest, demnach sehen wir auch hier eine Veränderung als notwendig an".

Sechs in Sechs

In nicht einmal sechs Jahren seit dem Sommer 2013 hat die Austria somit sechs Trainer verbraucht: Nenad Bjelica, Herbert Gager, Gerald Baumgartner, Andreas Ogris, Thorsten Fink und eben Letsch. Der Deutsche wurde im Februar 2018 geholt mit der Prämisse, in 12 Runden doch noch einen Europacup-Platz zu erreichen. Das Ziel wurde verfehlt, der Vertrag von Letsch verlängert.

Hauptverantwortlich dafür waren Sportdirektor Muhr und AG-Vorstand Kraetschmer, die auch gemeinsam mit dem Trainer im Sommer die Kaderplanung übernahmen.

Die Trainerwechsel in der laufenden Bundesliga-Saison:

Die Trainerwechsel während der Saison 2018/'19

21. August 2018: Gerald Baumgartner war der erste Chefcoach in der laufenden Bundesliga-Saison, der seinen Trainerstuhl räumen musste. Nach nur vier Runden musste Baumgartner beim SV Mattersburg gehen. Vorerst leitete Amateur-Trainer Markus Schmidt das Training.

28. August: Genau eine Woche nach dem Abgang von Baumgartner fand Mattersburg einen neuen Trainer. Klaus Schmidt erhielt einen Vertrag bis zum Saisonende.

29. September: Unmittelbar nach der 0:2-Heimniederlage gegen den SKN St. Pölten wurde Goran Djuricin vom SK Rapid freigestellt. 

1. Oktober: Rapid gab nach einer Präsidiumssitzung die Verpflichtung von Didi Kühbauer bekannt. Der 47-Jährige war bis dato Coach des SKN St. Pölten.

In St. Pölten wird derweil Sportkoordinator Marcel Ketelaer bis auf weiteres das Training leiten, hieß es. 

FUSSBALL TIPICO BUNDESLIGA / GRUNDDURCHGANG: SKN ST. PÖLTEN UND LASK

10. Oktober: Ranko Popovic wird zum neuen Cheftrainer des SKN St. Pölten ernannt. 

28. Oktober: Die Admira gab die Trennung von Ernst Baumeister bekannt. Der 61-Jährige wurde nach der 0:2-Auswärtsniederlage bei Rapid freigestellt.

29. Oktober: Einen Tag nach der Trennung von Baumeister präsentierte die Admira mit Reiner Geyer den neuen Cheftrainer. Der 54-jährige Deutsche kommt vom 1. FC Nürnberg, wo er Coach der U21-Mannschaft war.

5. November: Sturm Graz trennte sich von Heiko Vogel. Die Verpflichtung von Roman Mählich kurz danach bedeutete den bereits fünften Trainerwechsel in dieser Bundesliga-Saison.

Bis zum 3. März 2019 war es ruhig, dann gab Altach die Trennung von Werner Grabherr bekannt. Interimstrainer wird vorerst Wolfgang Luisser, Grabherrs Nachfolger wurde der Niederländer Alex Pastoor.

Nur zwei Tage später entließ Wacker Innsbruck Karl Daxbacher. Seine Agenden übernahm Thomas Grumser, der Trainer der zweiten Mannschaft der Tiroler. 

11. März 2019: Die Wiener Austria trennt sich nur einen Tag nach der Qualifikation für die Bundesliga-Meistergruppe von Thomas Letsch. Dessen Assistent Robert Ibertsberger wurde dessen Nachfolger.