Sport | Fußball
03.11.2018

FIFA zu Vorwürfen: "Falsche Gerüchte und Anspielungen"

FIFA-Präsident Infantino soll auf den neuen Ethikcode Einfluss genommen haben - die FIFA bestreitet das vehement.

Die FIFA wehrt sich - doch auf die neuen Vorwürfe gegen ihren Chef Gianni Infantino geht sie nicht direkt ein. Der Fußball-Weltverband hat mit scharfer Kritik an Medien und früheren Funktionären auf Berichte über die angebliche Einflussnahme ihres Präsidenten auf den neuen Ethikcode reagiert.

Es sei "kein Wunder", dass diejenigen Funktionäre, "die entfernt oder ersetzt wurden oder unzufrieden sind, weiterhin falsche Gerüchte und Anspielungen über die neue Führung verbreiten", schrieb die FIFA am Freitagabend. "Wir sind uns bewusst, dass es Menschen gibt, die aus Frustration die FIFA aus eigennützigen Gründen untergraben möchten."

Infantino spricht von "Widerstand"

Infantino habe Korrekturvorschläge für die überarbeiteten Richtlinien der unabhängigen Ethikkommission gemacht, hatte das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Freitag mit Bezug auf interne Dokumente berichtet. So habe der Schweizer als Antwort auf einen Entwurf von Vassilios Skouris, Vorsitzender der rechtsprechenden FIFA-Ethikkammer, diesem mit mehreren Hinweisen geantwortet. Dabei sollten Voruntersuchungen gegen Funktionäre nur auf Weisung der vorsitzenden Person der Ermittlungskammer durchgeführt werden können.

Der Passus wurde im neuen Ethikcode entsprechend geändert, zuvor konnte das Sekretariat der Untersuchungskammer selbst Voruntersuchungen starten. Formal ist die Ethikkommission ein komplett unabhängiges Gremium. Sie sperrte in der Vergangenheit unter anderem Infantinos Vorgänger Joseph Blatter.

Auf die Vorwürfe gegen ihren Präsidenten ging die FIFA nicht direkt ein. Stattdessen hieß es: Keiner dieser Berichte enthalte Fakten, "die eine Verletzung von Gesetzen, Statuten oder Vorschriften darstellen", hieß es. Infantino betonte: "Es war mir immer klar, dass ich auf starken Widerstand stoßen würde, vor allem bei denjenigen, die nicht mehr von dem System profitieren können, dem sie angehörten."

"Weniger als ein Feigenblatt"

Der neue Ethikcode war am 10. Juni vom FIFA-Council verabschiedet worden. Dabei taucht unter anderem Korruption nicht mehr explizit als Vergehen auf. Die Streichung des Begriffes verteidigte der Weltverband in der Vergangenheit damit, dass dies keinen maßgeblichen Einfluss auf die tatsächlichen Verstöße habe, die verfolgt werden.

"Ich habe immer gesagt, der neue Ethikcode ist Infantinos Werk - das ist der Beweis", sagte Hans-Joachim Eckert, früherer Chef der rechtsprechenden Kammer dem "Spiegel". Infantinos Einmischung sei "ein klarer Verstoß gegen den Kodex und die Statuten der FIFA". Die Neubesetzung der beiden Ethikkammern mit der Kolumbianerin Maria Claudia Rojas als Chef-Ermittlerin und Skouris im Mai 2017 hatte international für Kritik gesorgt.

Eckert bezeichnete die neue Ethikkommission in der Vergangenheit bereits als "weniger als ein Feigenblatt" und kritisierte, dass Rojas weder Englisch noch Französisch spreche und verschwiegen habe, dass sie mit dem früheren Verbandspräsidenten Kolumbiens gut bekannt sei.