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Sport | Fußball
06/19/2019

Ilzer: "Es liegt nun an mir, den Haufen zu faszinieren"

Der neue Austria- rainer Christian Ilzer nimmt seine Arbeit auf. Und erklärt, was er konkret mit den Veilchen vorhat.

Nach der Saison ist vor der Saison. Unmittelbar nach Schlusspfiff der abgelaufenen Liga wechselte Christian Ilzer vom WAC zur Wiener Austria, wo er am Mittwoch als Trainer die Vorbereitung in Angriff nimmt. Kraft tankte er zuletzt in einer Urlaubswoche mit seiner Familie. „Die ist im letzten Jahr ohnehin etwas auf der Strecke geblieben.“

Kommenden Sonntag wird der 41-Jährige im Rahmen eines Moduls der UEFA-Pro-Lizenz-Ausbildung beim Spiel Österreich gegen Deutschland bei der U-21-EM in Udine auf der Tribüne sitzen. Vor der ersten Übungseinheit in Violett sprach der KURIER mit dem Steirer über seine Ziele, seine Idee von Fußball und den immer schwieriger werdenden Trainerjob.

Herr Ilzer, hatten Sie überhaupt schon Zeit, sich in Wien etwas einzuleben?

Christian Ilzer: Nein, dafür war wirklich noch keine Zeit. Wir haben aber schon eine Wohnung gefunden, etwas außerhalb von Wien im Grünen. Ich bin nicht so das Großstadtkind. Aber zur Generali Arena habe ich nicht weit, das ist für mich wichtig.

Wie gehen Sie an das Abenteuer Austria heran?

Ich sehe es nicht so sehr als Abenteuer, ich verspüre vielmehr eine große Vorfreude. Momentan geht alles so schnell. Ich hatte ein richtig gutes Jahr beim WAC, am Tag nach dem letzten Spiel saß ich schon im Auto Richtung Wien. Ich hatte kaum Zeit, das alles zu genießen und sacken zu lassen. Die Austria ist für mich eine ehrenvolle Aufgabe, vor der ich aber nicht in Ehrfurcht erstarren werde. Es liegt an mir, den Haufen zu faszinieren und alle auf eine Reise mitzunehmen.

Apropos Haufen: Sie haben bei Ihrem Antritt gesagt, dass in Hinblick auf Ihre Philosophie der Kader stimmig sei. Können Sie somit Ihre Ideen umsetzen?

Philosophie ist so ein großes Wort. Meine Antritts-Pressekonferenz war für mich wie die Geburt eines Kindes. Ich habe eine Idee von Fußball und von Menschenführung, dieses Kind gilt es nun zu erziehen. Die Genetik ist gut, das habe ich damit gemeint. Ich sauge derzeit alles auf in diesem Traditionsverein.

Wie sieht denn Ihre Idee von Fußball aus?

In früheren Zeiten war es bei der Austria wichtig, dass einfach schön gespielt wurde. Der Fußball hat sich mit der Zeit weiterentwickelt. Schön spielen möchte ich auch lassen, aber der körperlose Fußball von einst ist nicht mehr zeitgemäß. Ich stehe für technisch hochwertigen Fußball mit Tempo, Richtung, Leidenschaft. Ich will ein Trainer für alle Gesellschaftsschichten sein, mit Emotionen. Damit möchte ich den ganzen Klub infizieren. Wenn das gelingt, dann bekommt das Ganze richtig Kraft.

Sie gelten für viele als ein klassischer Laptop-Trainer.

Das ist auch so ein Begriff. Wissen Sie, wie viel ich noch auf Papier notiere?

Nein. Viel?

Ja. Ein Laptop gehört natürlich dazu, ist für mich ein Werkzeug, das man beherrschen muss. Der Fußball ist sehr komplex geworden, die Kunst liegt darin, es einfach herunterzubrechen, sodass es das Team in versteht.

Was muss geschehen, dass Sie bei der Austria Ihr Ziel erreicht haben?

Wenn ich an meinem letzten Arbeitstag denke: schön war’s. Und wenn es danach keinen Bruch gibt. Bei allen Vereinen, die ich verlassen habe, gab es in Folge diesen Bruch nie. Auch das spricht für die Arbeit eines Trainers.

Was braucht ein Trainer heutzutage am meisten neben der Fachkompetenz?

Fachkompetenz ist die Basis. Man muss mit Menschen umgehen und sie verstehen können, auch deren Motive lesen. Als Trainer musst du in den Aussagen und Entscheidungen für die Spieler sehr klar sein.

Wird der Trainerjob immer irrer und kürzer?

Na ja, wenn ich mir die Abschuss-Quote in der Liga in den vergangenen zwölf Monaten anschaue ... (lacht). Ich weiß nicht, wie ich das für mich persönlich nehmen soll. Ich denke, dass du in Phasen, in denen es nicht so gut läuft, als Team zusammenstehen musst. Solche Phasen können nämlich viel kaputt machen, wenn man als Verein nicht als Einheit auftritt und mit Fingern auf andere zeigt. Aber ja, Fußballtrainer ist mittlerweile ein etwas eigenartiger Beruf geworden. Am Freitag hast du mehr als 25 Spieler im Kader, am Samstag vor dem Spiel musst du fast die Hälfte entlassen, um sie am Sonntag wieder einzustellen. Das gibt’s sonst nirgendwo.

Freuen Sie sich schon auf die Europacup-Qualifikation? Mit dem WAC wären Sie schon fix in der Gruppenphase ...

Ich weiß, und ich freue mich für den WAC. Ich werde nie die freudigen Gesichter der Spieler und auch des Präsidenten nach dem letzten Spiel vergessen. Aber mit der Austria haben wir jetzt immer noch die Chance, diese Gruppenphase auch zu erreichen. Warten wir einmal das Los ab. Ich freue mich darauf.