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Sport | Fußball
03/23/2019

Dabbur: "Mit Herzog schaut alles viel positiver aus“

Salzburgs Torjäger vom Dienst hat unter Andreas Herzog wieder ein Leiberl im Team - und freut sich auf Österreich.

Er schießt noch bis zum Sommer seine Tore für Salzburg, ehe er zum FC Sevilla wechselt. Am Sonntag trifft er mit Israel auf Österreich. Munas Dabbur, Schützenkönig der österreichischen Liga, will seine Torjägerqualitäten ausgerechnet gegen seine Freunde und Kollegen ausspielen.

KURIER: Israel gegen Österreich – für Sie ein Spiel wie jedes andere?

Munas Dabbur: Nein, es ist natürlich besonders für mich, weil ich erstmals auf meine Salzburger Kollegen treffe. Ich habe noch nie gegen sie gespielt. Und natürlich ist es auch speziell für unser Trainerteam aus Österreich.

Theoretisch könnten Sie – je nach Aufstellung – direkt auf Ihren Kollegen Ulmer treffen.

Vielleicht. Wir sind gute Freunde, und natürlich haben wir schon ab und zu darüber gesprochen. Das Duell wird wirklich interessant, wenn es dazu kommt.

Wie schätzen Sie das Kräfteverhältnis in der EM-Qualifikations-Gruppe ein?

Wir wissen, dass wir nicht die Favoriten sind, das sind eher Österreich und vor allem Polen. Aber wir glauben daran, dass wir daheim gegen jeden aus dieser Gruppe gewinnen können.

Vergleichen Sie doch bitte den Fußball, wie er in Israel und in Österreich gespielt wird.

In Österreich ist die Intensität höher, vor allem physisch befindet man sich auf einem höheren Level. In Israel findet man aber sehr gute Techniker, die den Unterschied ausmachen können.

Sie haben mit Andi Herzog einen Österreicher als Teamchef. Ist das eine besondere Konstellation?

Es ist in der Tat etwas Besonderes. Ich kannte Andreas Herzog vorher nicht, ich kannte nur den Namen. Ich kann gut mit ihm, er ist ein super Typ und ein guter Trainer. Natürlich ist es ein Vorteil für uns, dass er den österreichischen Fußball so gut kennt. Für mich persönlich war es auch gut, dass er mich öfters in Österreich live gesehen hat. Er gibt mir jedenfalls viel Vertrauen.

Mit welcher Philosophie lässt Herzog spielen?

Es hat sich viel geändert, seit Herzog Trainer ist. Alles sieht viel positiver aus, die Spieler fühlen sich wohl, auf dem Platz und außerhalb. Dafür hat Herzog gesorgt. Ich denke, dass die Teams alles übereinander wissen. Wir pflegen einen schönen Fußball, versuchen in der Defensive nun stabiler zu agieren und weniger Tore zu erhalten.

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Fußball besitzt in Israel einen hohen Stellenwert. Sind auch die Erwartungen dementsprechend hoch?

Ja, die sind immer sehr hoch, egal ob bei den Klubs oder rund um das Nationalteam. Umgekehrt, wenn wir ein paar Spiele hintereinander gewinnen, dann ist im Land eine Euphorie, kommen die Leute ins Stadion, herrscht eine tolle Stimmung. Natürlich haben wir Druck und die Erwartung ist sehr hoch in dieser Gruppe, weil wir nicht gegen die ganz großen Namen spielen müssen. Die Leute glauben daran, dass da für uns etwas möglich ist. Es ist vielleicht Zeit, etwas Großes zu machen.

Welche Ziele verfolgen Sie im Nationalteam?

In den letzten Jahren habe ich nicht so viel gespielt, unter Andreas Herzog habe ich wieder mehr Chancen. Als Stürmer möchte ich natürlich regelmäßig treffen.

Kommen Sie oft nach Hause?

Meine Familie lebt in Nazareth. Wenn wir mit dem Team in Israel spielen, ist es für mich wie eine Heimkehr. Zwar nicht nach Nazareth, weil das Team immer in anderen Städten spielt, aber es kommen mich Verwandte und Freunde besuchen.

Wo ist Israel am Schönsten?

Für mich in Nazareth, meinem Zuhause. Wenn ich da bin, genieße ich es, obwohl ich eigentlich wenig Zeit habe etwas zu machen, weil mich immer so viele Leute besuchen. Das gefällt mir, das gibt mir Energie. Aber auch Tel Aviv ist sehr schön, oder Haifa, nur 25 Minuten von Nazareth entfernt.

Es kann durchaus heikel sein, einen israelischen Sportler über Politik zu fragen. Wie gehen Sie damit um?

Das hängt ganz von der Frage ab. Wenn ich darauf antworten kann, dann teile ich meine Meinung mit. Wir sind Fußballer, geben unser Bestes, um erfolgreich zu sein. Seit Herzog Teamchef ist, stehen wieder mehr Araber in der Startelf, zuletzt waren es fünf. Das hat es davor in dieser Form noch nicht gegeben. Das ist ein Unterschied. Wir fühlen jetzt, dass für uns alles möglich ist.

Sehen Sie den Fußball als Symbol des Miteinander?

Natürlich, er ist ein positives Beispiel. Fußball kann Leute zusammenbringen, zumindest auf dem Platz für Frieden sorgen. Wenn ein jüdischer Spieler ein Tor erzielt, dann freue ich mich, umarme ihn und gratuliere ihm. Wenn ich als Araber treffe, freuen sich die anderen auch. Warum denn nicht?