Declan Rice, der Leuchtturm im Arsenal-Mittelfeld
Declan Rice und Arsenal gastieren heute bei Inter
Wenn Arsenal am Dienstag im Champions-League-Spitzenspiel bei Inter Mailand (21 Uhr, Sky) antritt, steht ein Spieler sinnbildlich für die bislang makellose Europacup-Saison der Londoner: Declan Rice. Nach sechs Runden ist Arsenal als einziges Team ohne Punkteverlust.
Der Mittelfeldspieler, dessen Weg an die Spitze alles andere als vorgezeichnet war, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor beim derzeit besten Klubteam der Welt geworden.
„Meine ersten Erinnerungen an Fußball verbinde ich mit meiner Mama und meinem Papa“, sagt Rice auf englandfootball.com über seine Anfänge. Kaum konnte er laufen, war der Ball ständiger Begleiter. Fotos zeigen ihn im Garten, bei Schnee und Regen, noch in Windeln, dem Ball hinterherjagend. „Ich hatte einfach immer einen Ball an der Hand oder am Fuß, egal ob Tennisball, Basketball oder Fußball.“
Früh war klar, wohin die Reise gehen sollte.
Besonders prägend war sein Vater, der mit ihm unzählige Stunden im Park verbrachte. „Er hat mir immer geholfen, indem er mir den Ball zuwarf oder ihn mir aus fünf Metern Entfernung zuspielte.“ Es waren einfache Mittel und doch das Fundament einer großen Karriere.
Als jüngster von drei Brüdern musste Rice früh lernen, sich durchzusetzen. Connor und Jordan waren deutlich älter, ihre Freundesgruppen die erste echte Herausforderung. „Als ich sechs oder sieben war, ging ich mit ihnen zu Fünf-gegen-Fünf-Spielen, und ich erinnere mich daran, wie ich um all ihre Freunde herumdribbelte.“
Ungewöhnlich war Rices Weg insofern, als er lange keinen organisierten Vereinsfußball spielte. Sein Vater wollte ihn bewusst davor schützen. Statt Leistungsdruck und schreiender Eltern an der Seitenlinie gab es Freiheit. „Er wollte, dass ich einfach ein Kind bin und Spaß daran habe, auf der Straße, mit Freunden und meinen Brüdern zu spielen.“
Probetraining bei Chelsea
Erst über ein Sichtungstraining kam Rice in die Akademie des FC Chelsea. Sie wollten ihn zuerst nicht, weil er noch nicht bei einem anderen Klub gespielt hatte. Bei Chelsea begann die systematische Ausbildung: Technik, Beidfüßigkeit, Dribbling. Ergänzt wurde das durch Extraeinheiten in einem Jugendklub. „Wenn ich das nicht schon in jungen Jahren gelernt hätte und später dann auch das, was ich bei West Ham dazugelernt habe – wäre ich heute nicht da, wo ich bin.“
Parallel dazu liebte Rice den Schulfußball. An der Grey Court School spielte er in einer der besten Schulmannschaften des Landes, organisierte sogar Anstoßzeiten um, um Schule und Chelsea-Training unter einen Hut zu bringen. „Ich habe das so geliebt“, sagt er. Die Erinnerungen an große Schulspiele und Pokalfinale sind für ihn bis heute präsent – ebenso wie die Erkenntnis, „wie unglaublich schwer es ist, den Durchbruch zu schaffen“.
Der erste große Rückschlag folgte schon mit 14 Jahren: Chelsea trennte sich von ihm. Bei West Ham diskutierten Trainer, ob Rice den Sprung schaffen würde. Entscheidend wurde das, was er später als „klares Feedback“ verinnerlichte: ehrliche Worte, ohne Umwege. Rice hörte zu und arbeitete.
Aus dem schlaksigen Jugendlichen mit unkoordiniertem Laufstil entwickelte sich Schritt für Schritt ein kompletter Mittelfeldspieler. Bei West Ham reifte er, übernahm Verantwortung, debütierte in der Premier League. Sah er zunächst nach einem soliden defensiven Spieler aus, wurde er im Laufe der Zeit immer vielseitiger.
Rice erzielte zwei Freistoßtore gegen Real Madrid
Bei Arsenal ist Rice heute das taktische Zentrum. Er lernte, Standardsituationen als Waffe zu nutzen, entwickelte enorme Präzision und Durchschlagskraft. Beim 3:0-Sieg im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid im April erzielte er als erster Spieler in der Königsklasse zwei Freistoßtore in einem Spiel der K.o.-Phase.
Gleichzeitig vollzog er den Wechsel vom absichernden Sechser zum vorstoßenden Achter – auch als Reaktion auf Kritik, er sei nach seinem Transfer um 116 Millionen Euro von West Ham zu Arsenal im Jahr 2023 nicht torgefährlich genug. Wie schon früher suchte er nicht nach Ausreden, sondern nach Lösungen.
Arsenal-Trainer Mikel Arteta bezeichnet Rice als „Leuchtturm“ auf dem Platz – wegen seiner Präsenz und seiner Fähigkeit, das Team durch schwierige Phasen zu führen. Mit 27 Jahren hat Rice seine Rolle als Führungsspieler angenommen, ohne seine Bodenständigkeit zu verlieren.
Seine Freundin wurde wegen ihrer Figur beleidigt
Privat ist er die Antithese zur aktuellen Glamour-Kicker-Generation. Seine Freundin Lauren Fryer kennt er, seit die beiden 17 Jahre alt waren. Weil sie nicht die Figur eines Top-Models hat, wurde sie auf Social Media grausam beleidigt. Im vergangenen Jahr löschte sie alle ihre Fotos auf Instagram. Ihr gemeinsamer Sohn Jude ist vier Jahre alt.
Das Duell beim Tabellensechsten Inter Mailand ist sportlich der nächste Prüfstein. Für Arsenal geht es um die Bestätigung eines perfekten Champions-League-Laufs. Für Rice geht es im Jahr der Fußball-WM auch um die Bestätigung seines bisherigen Weges, der ihn vom Ballspielen im Park mit dem Papa an die Spitze der Champions League und Premier League geführt hat.
Kommentare