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Kritik an Aufstockung: "Fast schon schwerer, nicht zur WM zu fahren"

WM. In einer Umfrage der Bundesliga-Trainer wird vor allem die Aufstockung auf 48 Teilnehmer kritisiert. Favoriten sind für die Coaches vor allem Frankreich und Spanien.
Führt Kylian Mbappe die Franzosen bei der Weltmeisterschaft zum Titel?

Frankreich oder Spanien. Geht es nach den Trainern der Bundesligisten, so haben diese Nationen die besten Karten für den Gewinn des WM-Titels bei der Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada.

Angeführt von Sturms Vizemeister Fabio Ingolitsch nennen gleich fünf Coaches in einer APA-Umfrage die „Equipe Tricolore“, die 1998 und 2018 Weltmeister war, als Topfavorit. Austrias Stephan Helm gehört einem Trio an, das auf Lamine Yamal und Co. setzt.

„Frankreich hat eine unglaubliche Auswahl an Spielern“, begründete Ingolitsch. Dieser Meinung kann sich Ex-Salzburg-Trainer Daniel Beichler nur anschließen: „Aufgrund des insgesamt wohl besten Kaders denke ich, dass Frankreich das Rennen machen wird.“

Auch der scheidende Ried-Trainer Maximilian Senft, Thomas Silberberger (WAC) und Ognjen Zaric (Altach) geben diesen Tipp ab. Rapids Johannes Hoff Thorup sah „Frankreich und Spanien in einer sehr guten Position“. WSG-Coach Philipp Semlic attestiert Frankreich eine „außergewöhnliche“ Kaderqualität, festlegen will er sich aber nicht. „Durch den neuen Modus und das größere Teilnehmerfeld ist es schwierig, von einem einzigen, klaren Favoriten zu sprechen.“

Das sieht auch Michael Köllner (BW Linz) so. „Es gibt für mich im Gegensatz zu den früheren Weltmeisterschaften keinen Topfavoriten“, sagt der Deutsche. LASK-Meistertrainer Didi Kühbauer tippt auf „eine der großen Nationen. Gönnen würde ich es neben Österreich vor allem den Engländern, da sie schon sehr lange auf einen Titel warten“, ergänzt der Burgenländer. Sein engerer Landsmann Helm sieht wie Manfred Schmid die Spanier vorne. „Spanien wurde zuletzt souverän Europameister und ist für mich auch jetzt der große Favorit“, sagt der Wiener, der Hartberg verlassen hat. Auch Ferdinand Feldhofer glaubt an einen spanischen WM-Triumph: „Sie haben eine gute Mischung aus jungen Stars und erfahrenen Führungsspielern“, meint der GAK-Coach.

Eine „Farce“

Dass 2026 erstmals 48 Teams um den Titel kämpfen, stößt wie auch bei vielen Fans auf wenig Gegenliebe. „Gut für Österreich und für viele kleine Fußball-Länder, aber insgesamt eine Farce. Ich finde, dass die FIFA ein sehr gutes Format zerstört hat“, meint Schmid. Beichler sieht im Teilnehmerfeld „einige Nationen, die eigentlich nicht zu einer WM passen. In dem Fall ist mehr nicht zwangsläufig besser.“ Laut Ingolitsch gehe durch die Aufstockung der elitäre Rahmen etwas verloren.

Das kann auch Silberberger nur unterstreichen: „Ich kann mich noch erinnern, wo die WM mit 16 Mannschaften durchgeführt worden ist. Und jetzt sind wir auf 48. Nun ist es schon fast schwerer, nicht als Nation zur WM zu fahren, als sich für die WM zu qualifizieren.“ Auch Hoff Thorup ist der Meinung, dass „ein bisschen zu viele Teams“ am Start sind. Köllner führt eine Verwässerung des Turniers ins Treffen. „Die Qualität wird sicher, vor allem in der Vorrunde, sinken“, sagt der Deutsche.

Semlic sieht das nicht anders. „Ich verstehe zwar den Wunsch der FIFA nach einer Öffnung, aber das darf nicht zulasten des sportlichen Niveaus oder des Konsums gehen. Durch mehr Spiele werden mehr Werbeflächen geboten – das ist meiner Meinung nach die Triebfeder dahinter“, erläutert der Steirer.

Mit Helm und Zaric war nur bei zwei Coaches keine negative Tendenz erkennbar. „Ich bin gespannt, wie sich die eine oder andere vermeintlich kleine Nation tun wird. Es wird aber bestimmt auch wieder die eine oder andere Überraschung dabei sein“, sagt Helm. Und Zaric plädiert hinsichtlich der Modusänderung für Offenheit. „Man sollte dem neuen Format zuerst eine Chance geben, anstatt es im Voraus zu verurteilen.“

Politische Krisenherde

Mit Spannung wird auch erwartet, wie es abseits des Sportlichen zugehen wird. Aufgrund der vielen politischen Krisenherde könnte die WM als „Bühne“ genutzt werden. Für Brisanz ist vor allem dadurch gesorgt, dass der Iran in den USA antritt, zwei Nationen, die seit Ende Februar gegeneinander Krieg führen. Bedenken meldet Hoff Thorup an. „Ich hoffe, dass wir so viel Fußball wie möglich und so wenig Politik wie möglich sehen. Aber in der Situation, in der wir uns aktuell befinden, mit so vielen kritischen Situationen auf der Welt, wird es schwierig.“

Andere hoffen auf eine positive Wirkung. „Ich hoffe, dass das Turnier sogar einen positiven Einfluss auf das Miteinander in der Welt nehmen kann“, sagt Helm.

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