Warum Austria Wien in der Bundesliga wieder vorne mitmischt

Trotz Niederlage in Altach: Die violetten haben einen soliden Plan, eine gute Hierarchie und einen fleißigen Trainer.
Dominik Thalhammer
Zuletzt wieder stark: Austria unter Trainer Stephan Helm.

Das Team der Austria hat einen Transfermarktwert von 18,6 Millionen Euro und liegt damit weit hinter Salzburg (118 Mio.), Rapid (46), Sturm (42) und dem LASK (33). Trotzdem – und auch trotz der Niederlage in Altach – ist sie im Spitzenfeld der Liga dabei. Was sind die Gründe dafür?

  • Solider taktischer Ansatz und sehr gute Matchvorbereitung

Die Austria tut sich gegen große Teams leichter, das hat man auch am Wochenende gesehen und wird man umso mehr merken, wenn sie sich für die Meistergruppe qualifiziert. Sie zeigt im Spiel gegen den Ball eine bemerkenswerte Flexibilität mit unterschiedlichen Pressinghöhen. Manchmal presst sie hoch in der gegnerischen Hälfte, zieht sich dann auch oft zur Mittellinie zurück und setzt auf Mittelfeldpressing. Situativ agiert man auch defensiv in einem tiefen Abwehrblock.

Diese Anpassungsfähigkeit zwingt die Gegner, ständig auf die wechselnden Angriffshöhen der Austria zu reagieren und verschiedene Lösungen für ihr Offensivspiel zu finden. Zudem bereitet Stephan Helm sein Team mit solidem Trainerhandwerk sehr gut auf die Gegner vor und nutzt deren taktische Schwächen gezielt aus. Ein Beispiel aus dem Derby (siehe Grafik) gegen Rapid verdeutlicht das: Durch die gute Positionierung der Flügel-Verteidiger im 3-4-3-System, rechts Ranftl, und das Binden des linken Außenverteidigers (Ahoussou) durch Fischer hatte Rapid oft organisatorische Schwächen im Spiel gegen den Ball. In der Folge musste Rapids linker Flügelstürmer Nikolaus Wurmbrand defensiv wie ein Außenverteidiger agieren – eine nicht gerade zielführende Lösung. Austrias Matchplan funktionierte.

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Guter Derby-Plan: Fischer bindet Ahoussou, Ranftl hat freie Bahn.

  • Hierarchie, Charaktere und Kabine

In dieser und der letzten Saison hat die Austria einige sportliche Krisen durchlebt. Doch jedes Mal schaffte es das Team unter Stephan Helm, erfolgreich aus diesen Tälern herauszukommen. Das zeugt von einer funktionierenden Hierarchie in der Mannschaft, mit Kapitän Fischer und Dragović an der Spitze. Vom LASK kenne ich Wiesinger, Ranftl und Eggestein gut. Sie sind herausragende Charaktere und stille Führungsspieler, die durch ihre Leistungen und Einstellungen vorangehen. Das zeigt, wie wichtig die Kabine und die persönlichen Eigenschaften der Spieler für den Erfolg eines Teams sind. Ich bin überzeugt, sie werden auch die Niederlage in Altach gut wegstecken.

  • Stephan Helm als Trainer und Mensch

Schon bei Trainerkursen vor Jahren fiel mir Stephan Helm durch seine ruhige, analytische Art und den respektvollen Umgang mit Kollegen auf. Zwei Jahre später holte ich ihn als Assistenztrainer zum LASK, wo er bei den Spielern beliebt war – fleißig und loyal, ohne je im Mittelpunkt stehen zu wollen. Auch bei der Austria setzt Helm auf starke Beziehungen zu seinen Spielern. Auffallend ist, dass sie ihn mit Vornamen ansprechen – ein untypisches Zeichen von Nähe in dieser Branche. Bemerkenswert ist, dass er in Interviews immer positiv über Spieler spricht, was deren Motivation stärkt und die Bindung zu ihm vertieft. Diese Wertschätzung geben die Spieler ihm zurück.

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