Eklat um Austria-Legende: Nachwuchsspielerin beschimpft

Felix Gasselich ist eine Ikone bei der Austria. Am Samstag sorgte der 70-Jährige für einen Eklat. Handgreiflichkeiten inklusive.
Felix Gasselich, Austria-Legende

Felix Gasselich hat als Fußballer erreicht, wovon die meisten nur träumen können. Der Spielmacher war fünf Mal Meister mit der Wiener Austria und einmal mit Ajax Amsterdam in den Niederlanden. Er stand im Europacupfinale der Cupsieger und im Halbfinale des Meistercups. Bei Ajax spielte er etwa mit Marco Van Basten und Frank Rijkaard in einem Team. Felix Gasselich hat das runde Leder nicht getreten. Er hat es gestreichelt mit einem außergewöhnlichen Maß an Technik und Gefühl.

Weniger Gefühl als einst mit seinen Beinen zeigt der heute 70-Jährige allerdings, wenn er sich zu Wort meldet. Und das ist dem Vernehmen nach im VIP-Klub „seiner“ Austria immer wieder der Fall. Da schimpft der frühere Teamspieler gerne lautstark drauflos und bezeichnet Mitglieder der heutigen Spielergeneration gerne als „Hundskicker“ oder „Schweinskicker“, die „keinen graden Pass“ spielen könnten. Tenor: Früher war alles besser. Und vor allem: er selbst.

Am Samstag hat sich Gasselich offenbar erneut im Ton vergriffen. Diesmal aber nicht gegenüber gestandenen Profis, sondern in Richtung einer minderjährigen Nachwuchsspielerin der Austria – ihr Name ist der Redaktion bekannt.

"Was willst du da überhaupt?"

„Heast, wos spüst du für an Scheißpass? Was willst du da überhaupt, wennst kan gscheiten Pass kannst? Moch an gscheiten Pass, sonst nimm’ i da die Kapitänsschleifn weg“, hat Gasselich der 17-jährigen Spielerin zugerufen – nachdem er sie laut neutralen Beobachtern auch eine „Hundskickerin“ genannt haben soll. Die Beschimpfungen erfolgten den Beschreibungen nach von Anpfiff an und richteten sich immer wieder gegen dieselbe Spielerin. Eskaliert ist es nach einer halben Stunde.

46-45458397

Felix Gasselich

Ein Ordner schritt ein und wurde von Gasselich ebenso noch beflegelt – infolgedessen kam es zu einer Stoßerei mit dem Sicherheitsbeauftragten. Wie sich herausstellte, war der Mann der Vater der betroffenen Spielerin.

Obwohl laut offiziellem Spielbericht nur 40 Zuschauer anwesend waren, wurde es sogar dem Schiedsrichter auf dem Kunstrasen zu bunt. Die Partie wurde vom Unparteiischen für ein paar Minuten unterbrochen.

Geschehen ist das alles am vergangenen Samstag in Wien-Simmering, wo die Mädchen und Frauen der Young Violets U20 in der Future League auf das Zweierteam des SKN St. Pölten trafen.

„Das war ein Spaß“

Gasselich bestreitet auf KURIER-Nachfrage, beleidigt zu haben. „Ich habe niemanden beleidigt. Ich würd’ mich ja genieren“, sagt der Alt-Internationale, gibt aber den Zuruf mit der Kapitänsschleife zu. „Sie hat einen Pass gespielt, der war sauschlecht.“ Die Ankündigung, er würde ihr beim nächsten Mal die Schleife abnehmen, sei aber ein Spaß gewesen, so Gasselich. Ob das 17-jährige Mädchen den Zuruf so lustig gefunden hat?

Fakt ist: Mit dem Leitbild des Klubs ist Gasselichs Auftritt nicht vereinbar. In diesem heißt es unter anderem „Wir bekennen uns zu Fairness im Umgang mit allen Mitgliedern der Austria-Familie“, oder in dem Fall noch treffender: „Wir sind eine Familie. Die Austria zeichnet ein großer Zusammenhalt aus. Vom Nachwuchsspieler bis zum Senioren-Mitglied.“

Felix Gasselich ist bei der Austria nicht nur irgendein Senioren-Mitglied. Er ist Präsident des Legendenklubs, den er selbst gegründet hat. Nach Jahrhundert-Austrianer Herbert Prohaska ist der 70-Jährige eine der größten Legenden des Klubs. Wie man mit ihm nun umgeht?

„Vorfall ist bekannt“

Austria-Präsident Kurt Gollowitzer sagt: „Uns ist der Vorfall bekannt. Wir sind derzeit dabei, die relevanten Beteiligten, die vor Ort waren, zu kontaktieren, um uns ein Gesamtbild der Geschehnisse zu machen – vor allem auch zum Schutz unserer jungen Spielerin, die hier offensichtlich beleidigt wurde. Das geschilderte Verhalten wäre absolut nicht akzeptabel, ein No-Go und mit den Werten von Austria Wien nicht vereinbar. Sobald wir uns ein vollständiges Bild gemacht haben, werden wir entsprechend handeln.“

Kommentare