"Moralischer Bankrott": Weltmeister Pirlo und Materazzi in Moskau
Die Moskau-Reise der früheren italienischen Fußball-Größen Andrea Pirlo und Marco Materazzi hat im Internet für heftige Kontroversen gesorgt. Die beiden Weltmeister von 2006 besuchten am Sonntag Moskau, um das Finale des russischen Cups zu verfolgen, das Spartak Moskau im Luschniki-Stadion im Elfmeterschießen gegen Krasnodar gewann.
In sozialen Medien blieb nicht unbemerkt, dass sich Pirlo und Materazzi genau zu dem Zeitpunkt in der russischen Hauptstadt aufhielten, als Putins Armee einen der größten kombinierten Drohnen- und Raketenangriffe auf Kiew unternahm. Dabei wurde am Sonntag unter anderem zivile Infrastruktur ins Visier genommen.
Der ehemalige Mittelfeldspieler und der Verteidiger waren im Rahmen der Feierlichkeiten zum "Tag des Fußballs" in Moskau, die vom Russischen Fußballverband und dem Moskauer Sportkomitee organisiert wurden, wie der Corriere dello Sport berichtet.
Pirlo und Materazzi nahmen zusammen mit lokalen Stars an Autogrammstunden mit Fans, einem Freundschaftsspiel, Kinderaktivitäten und Fototerminen mit russischen Fußballern teil, darunter Artem Dzyuba. Der 37-Jährige gilt als großer Unterstützer von Russlands Präsidenten Wladimir Putin und hat diesen und seine Geopolitik immer wieder auch öffentlich verteidigt und dabei immer brav Kreml-Propaganda wiedergegeben.
"Moralischer Bankrott"
Heftige Kritik für den italienischen Besuch kam auch aus der Welt des Sports. Unter anderem von dem bei den Olympischen Spielen ausgeschlossenen ukrainischen Skeletonpiloten Wladislaw Heraskewytsch.
Als "Schande" bezeichnete er den Besuch: "Heute fand einer der größten russischen Angriffe statt, bei dem 600 Drohnen und 90 Raketen auf die Ukraine abgefeuert wurden. Ebenfalls heute wurde die italienische Fußballlegende Andrea Pirlo in Moskau neben dem russischen Fußballer Dzyuba gesehen, der die Kreml-Politik und die Tötung von Ukrainern offen unterstützt", schreibt Heraskewytsch auf Twitter. "Es ist traurig zu sehen, wie aus Kindheitshelden ein moralischer Bankrott entsteht, für den nichts wertvoller ist als russische Rubel."
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