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Sport
12/09/2019

Vier Jahre Olympia- und WM-Sperre über Russland verhängt

Die Weltantidopingagentur Wada suspendiert die Russen wegen der Manipulation von Dopingdaten aus dem Moskauer Labor.

Russland ist für vier Jahre weitgehend aus dem Weltsport verbannt worden. Das Wada-Exekutivkomitee bestätigte am Montag in Lausanne die Empfehlungen der unabhängigen Prüfkommission CRC einstimmig und suspendierte die russische Anti-Doping-Agentur Rusada bis 2023. Athleten des Landes dürfen in dieser Zeit nicht unter eigener Fahne, sondern nur als neutrale Sportler starten.

Russland hat 21 Tage Zeit, das Urteil anzunehmen oder es vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas anzufechten. Laut ersten Reaktionen aus Russland will die große Sportnation Einspruch gegen die Strafen einlegen.

Die Wada-Entscheidung hat auch Auswirkungen auf den Fußball. Sollte sich die Fußball-Nationalmannschaft Russlands für die WM 2022 in Katar qualifizieren, müsste sie ohne Fahne und Ländernamen antreten. Die EM 2020, die auch in St. Petersburg stattfindet, ist davon nicht betroffen, da es sich um ein kontinentales Turnier handelt.

„Haltung der Täuschung und Verleugnung“

„Das Doping in Russland hat zu lange dem sauberen Sport geschadet“, sagte Wada-Präsident Craig. Der Verstoß der russischen Behörden gegen die im September 2018 genehmigten Bedingungen zur Wiedereinsetzung der Rusada verlangten nach einer robusten Reaktion. „Genau das wurde heute geliefert“, betonte er. Die Wada hatte die dauerhafte Aufhebung der Rusada-Sperre mit der Herausgabe der Dopingdaten aus dem Moskauer Labor verbunden. Es wurden manipulierte Daten geliefert.

Russland sei jede Gelegenheit geboten worden, sein Haus in Ordnung zu bringen..., „aber es entschied sich stattdessen dafür, seine Haltung der Täuschung und Verleugnung fortzusetzen“, sagte der Schotte. Die starke Entscheidung des ExCo zeige die Entschlossenheit der WADA. Dabei seien die Rechte der russischen Athleten gewahrt worden, die nachweislich nicht von den „betrügerischen Handlungen“ profitierten.

Welttitelkämpfe werden entzogen

Die Einzelfallprüfung gilt für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 in Tokio und 2022 in Peking, für die Olympischen Jugendspiele und Weltmeisterschaften von Sportarten, die den WADA-Code unterschrieben haben, sowie sogenannten „Major Sport-Events“. Entsprechend könnte Russland bei der WM 2002 nur mit „einer Mannschaft aus neutralen Spielern und ohne Flagge antreten“, erklärte Jonathan Taylor, Leiter der Prüfkommission CRC.

Außerdem darf Russland bis 2023 weder Gastgeber sein, noch sich für eine Ausrichtung großer Wettkämpfe bewerben. Bereits an das Land vergebene Welttitelkämpfe sollen entzogen werden. Betroffen davon könnten unter anderen die Rodel-WM im Februar 2020 in Sotschi, die für 2022 nach Russland vergebene Volleyball-WM und die Kurzbahn-WM der Schwimmer in Kazan sowie die Eishockey-WM 2023 in St. Petersburg sein. Taylor betonte allerdings auch, dass eine gewisse Flexibilität bestehen bleiben müsse. Dies könnte bedeuten, dass etwa die Zeit für einen Ersatzausrichter der Rodel-WM zu kurz ist.

Kein kompletter Olympia-Bann

Forensische Untersuchungen durch Wada-Experten hatten ergeben, dass die Moskauer Daten von 2012 bis 2015 „weder vollständig noch vollständig authentisch“ sind. Dies konnte im Vergleich mit einer der Wada 2017 von einem Whistleblower zugespielten Kopie nachgewiesen werden. Die dreiste Manipulation dürfte vergebens gewesen sein.

„Die WADA hat jetzt die Namen aller verdächtigen Athleten in der LIMS-Datenbank“, teilte Taylor mit. „Dank der sorgfältigen forensischen Untersuchung wurden auch die Athleten erfasst, deren Daten manipuliert oder sogar gelöscht wurden - einschließlich der 145 Athleten in der Zielgruppe der verdächtigsten Athleten.“ Diese Athleten, so sie denn noch aktiv sind, sollen von den Olympischen Spielen ausgeschlossen werden.

Trotz der Schwere des Betrug empfahl seine Kommission keinen kompletten Olympia-Bann. Er verstehe die Forderungen. Dennoch sei es die „einhellige Ansicht“ der CRC gewesen, so Taylor, unschuldige Athleten nicht zu bestrafen.

Die Strafen im Einzelnen:

  • Die russische Anti-Doping-Agentur (RUSADA) wird für vier Jahre gesperrt (non-compliant).
  • Athleten des Landes sowie Trainer und Betreuer dürfen in diesem Zeitraum bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio und 2022 in Peking sowie Weltmeisterschaften von Sportarten, die sich dem WADA-Code verpflichtet haben, nicht unter eigener Fahne starten und müssen als neutrale Athleten antreten. Das heißt, sie dürfen nicht durch den McLaren-Report, in dem das Staatsdoping in Russland detailliert beschrieben wird, belastet werden.
  • Russische Regierungsvertreter dürfen in dieser Zeit nicht an Sitzungen von Vorständen oder Ausschüssen internationaler Sportorganisationen teilnehmen oder in diese Gremien gewählt werden. Sie dürfen zudem nicht an Olympischen Spielen und Paralympics (Sommer und Winter) sowie anderen Sportgroßveranstaltungen teilnehmen.
  • Das Land darf während des Vierjahreszeitraumes keine Sportgroßveranstaltungen ausrichten oder sich um WM oder andere wichtige Ereignisse bewerben. Darüber hinaus kann Russland sich nicht für die Olympischen Spiele und Paralympics 2032 als Ausrichter bewerben.
  • Weder der Präsident, der Generalsekretär, der Geschäftsführer noch Mitglieder des Exekutivkomitees des russischen Nationalen Olympischen Komitees oder russischen Paralympischen Komitees dürfen an einer größeren Veranstaltung im Vierjahreszeitraum teilnehmen.
  • Die RUSADA muss zudem alle seit Jänner 2019 angefallenen Kosten der WADA für die Untersuchungen und zusätzlich eine Geldbuße von zehn Prozent ihres Einkommens im Jahr 2019 oder 100.000 Dollar (rund 90.100 Euro) - je nachdem, welcher Betrag niedriger ist - an die WADA zahlen.