Austria-Trainer Christian Ilzer ist ratlos

© APA/EXPA/STEFAN ADELSBERGER

Sport
09/26/2019

Die Gründe für die Krise der Wiener Austria

Ein Absturz mit Anlauf: Die schreckliche Leistung der Violetten ist das Resultat vieler Fehler. Eine Analyse in sechs Punkten.

von Alexander Strecha

Man könnte durchaus schwarzsehen was die Violetten betrifft. Dem Stolperstart in die Liga folgte nun das frühe Aus im Cup (2:5 bei WSG Tirol).

Die Ziele aus den Augen verloren, die Saison schon jetzt perdu. Umgekehrt aber die beste Gelegenheit, die Fehler der Vergangenheit allmählich zu akzeptieren und Schritt für Schritt ins Positive umzuwandeln, sofern man sich nicht weiter anlügen möchte, um den unbequemen Weg zu vermeiden. Doch dann bedarf es auch keines Sportvorstandes Peter Stöger, der bekanntlich keine Ausbildung zum Zauberer durchlief.

Der aktuelle Zustand der Austria hat nicht über Nacht am Verteilerkreis Einzug gehalten, vielmehr handelt es sich um das traurige Ergebnis eines jahrelangen Prozesses, in dem viele Fehler begangen worden sind. Hoch flog man nach Titel und Champions League 2013, wähnte sich als Dauergast in diesen Gefilden, umso heftiger schmerzt der Absturz. Vielfältig waren die violetten Fehler, Versäumnisse und Fehleinschätzungen.

Die Struktur: Der Pensionsantritt von AG-Sportvorstand Thomas Parits ließ die Austria in Folge letzten Endes alt aussehen. Sportdirektor Franz Wohlfahrt und danach Ralf Muhr wurden AG-Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer allerdings nicht gleichgestellt, sie waren Untergebene. Die Machtverhältnisse waren klar verteilt zugunsten von Kraetschmer, der nicht nur seinen Finanzbereich abdeckte, sondern sich auch im Sportlichen ein deutliches Mitspracherecht einräumte und da und dort als Letztinstanz sogar den Sportdirektor überstimmte. Was jedoch nicht von den Fehlern der jeweiligen Sportdirektoren ablenken sollte.

Die Philosophie: Auf Nachfrage hört man bei der Austria stets den Verweis, man setze sich attraktiven Fußball mit viel Ballbesitz zum Ziel. Dies möchten wohl 100 Prozent aller Vereine weltweit, denn wer will nicht den Ball haben und dabei noch hässlich spielen? Die Austria formulierte eine Hülle, über deren Inhalt sie nicht wirklich Bescheid wusste.

Die Trainerwechsel: Eine Folge dieser unausgegorenen Philosophie war unter anderem das Hire-&-Fire-Prinzip. Der Trainer ist bekanntlich immer das schwächste Glied der Kette (ein Zuschuss ans Phrasenschwein), doch die Wiener praktizierten den Tausch ihrer Coaches nahezu in Perfektion. Die Ziele wurden durch das Ziehen der Reißleine dennoch nicht erreicht. Der Wechsel von Thorsten Fink zu Thomas Letsch beispielsweise konnte letztlich gar nicht funktionieren, da sich die Vorstellungen der beiden Trainer jeweils am anderen Ende des Spektrums befanden. Die Austria-Spitze bildete sich einen Spielstil ein, ließ aber außer Acht, dass die nötigen Spieler nicht vorhanden waren/sind.

Die Transfers: Der Verpflichtung eines Spielers geht ein Scouting voraus. Sportvorstand Peter Stöger möchte diesen Bereich adaptieren, man muss mit mehr Kreativität fündig werden. Wer allzu viele Spieler von Vereinen holt, die in der Tabelle generell hinter einem stehen, darf sich nicht wundern, wenn das eigene Niveau nicht gehoben wird.

Die Finanzen: Die Austria besitzt eine tolle Infrastruktur und ein wunderschönes Stadion, das jetzt auch seinen Preis hat. Einen höheren als geplant. In den kommenden ein bis zwei Transferperioden wird man bestenfalls ablösefreie Spieler holen können, weil für Einkäufe kaum ein Euro vorhanden ist. Für die Finanzen ist Vorstand Kraetschmer hauptverantwortlich, auch deshalb steht er seit rund einem halben Jahr bei vielen Fans in der Kritik.

Die Selbstgefälligkeit: Zu lange log man sich selbst ins Gesicht und erkannte durch die violette Brille manche Probleme gar nicht oder viel zu spät. Diese Selbstgefälligkeit hielt man im Motto „Anspruch und Stil“ fest. Beiden Faktoren wird man nicht gerecht, weshalb die Rückkehr zur Demut der erste Schritt in die richtige Richtung ist. Die Situation ist ein Reinigungsprozess.

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