Michael Fuchs (li.), der General Manager des UBSC Graz, und ÖBV-General-Manager Thomas Kanovsky

© APA/ERWIN SCHERIAU

Sport
01/28/2020

Wettbetrugsverdacht im Basketball: Fehlwürfe mit System

"Es ist ein schwarzer Tag für den UBSC Graz", heißt es. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Manipulationsskandal.

von Bernhard Hanisch, Günther Pavlovics

Der Basketball-Erstligist UBSC Graz hat sich von fünf des Wettbetrugs verdächtigten Spielern getrennt. Die Männer waren am Montag wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr festgenommen worden. Die Klub-Führung hatte bereits vor rund drei Wochen aufgrund eines für sie erkennbaren "Bedrohungspotenzials" Anzeige wegen Betrugsverdacht erstattet, hieß es am Dienstag.

"Man macht eine solche Anzeige nicht leichtfertig. Wir sind uns absolut bewusst, welche Tragweite das für den Verein und das Umfeld der betroffenen Personen hat. Wenn der Verdacht besteht, gibt es aber eine Nulltoleranz", sagte Michael Fuchs, der General Manager des UBSC Graz, der in der Basketball Superliga (BSL) spielt. "Der Vorstand des UBSC Graz distanziert sich schärfstens von diesen mutmaßlich im Raum stehenden Dingen. Dieses Verhalten, so es eines gegeben ist, hat in unserem Verein nichts verloren", sagte Fuchs.

Der Langzeitfunktionär zeigte sich bei dem Medientermin in Graz erschüttert. "Es ist ein schwarzer Tag für den UBSC Graz. Der Schaden ist derzeit weder personell noch finanziell annähernd absehbar." Der Verein sei hier das Opfer. "Man will als Verein mit so etwas nie in Berührung kommen. Der Verein ist hier unschuldig zum Handkuss gekommen." Details zum Sachverhalt wollten Fuchs und Liga-Geschäftsführer Tomas Kanovsky aufgrund des laufenden Verfahrens nicht nennen. "Mein Kenntnisstand derzeit ist, dass es sich auf diese fünf Personen beschränkt", sagte Fuchs

Der KURIER gibt die wichtigsten Fragen und Antworten.

  • Was wird den Spielern vorgeworfen?

In der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Graz heißt es: „Im Konkreten sollen sie den Ausgang der Spiele durch schwache Leistungen, spielentscheidende Fehler, vorgetäuschte Verletzungen und dergleichen gezielt zum Nachteil des Vereins beeinflusst haben.“ General Manager Fuchs sagt: „Bei der Einvernahme wurden wir zur Verschwiegenheit angehalten, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.“

  • Das heißt, die letzten zwei Ligapartien in Wien wurden mit den verdächtigen Spielern bestritten?

Ja. Im Hintergrund hat der Klub nach Ersatz gesucht, weil am 31. Jänner Meldeschluss für neue Spieler ist und die Grazer die fünf Verhafteten ersetzen mussten.

  • Was hat der UBSC Graz zu befürchten?

Am Wochenende findet im Multiversum in Schwechat das Finalturnier im Basketball-Cup statt, Graz hat sich dafür nicht qualifiziert. „Da werden wir mit den Vereinen diskutieren, was angemessen ist“, sagt Basketball-Präsident Gerald Martens. Nun wird über Punkteabzüge oder Strafverifizierungen geredet. Die Liga wurde nach dem Grunddurchgang geteilt, sechs Klubs spielen oben, vier unten. Graz führt das untere Quartett an.

  • Was sind die weiteren Vorwürfe?

Laut Staatsanwaltschaft Graz haben die Spieler im Hintergrund auch gegen den Klub gewettet. Der Vertreter eines Wettanbieters: „In österreichischen Wettbüros sind Wetten auf Basketballspiele eine vernachlässigbare Größe. Manipulationen sind eher in ausländischen Wettbüros vorstellbar.“

  • 10

Vereine spielen in der Admiral Basketball Superliga. Nach 18 Runden im Grunddurchgang wurde die Liga in die Platzierungsrunde der besten sechs und die Qualifikationsrunde der schlechtesten vier Klubs geteilt.

  • 4

Saisonspiele hat der UBSC Graz gewonnen, 14 hat er verloren.

  • 16

Spieler umfasst der Grazer Kader. Darunter befinden sich vier 17-jährige österreichische Nachwuchsspieler.

Neben den „normalen“ Wetten auf Sieg und Niederlage erfreuen sich Spezialwetten (rund 85 Prozent) erhöhter Beliebtheit. Es gibt Wetten, mit welchem Vorsprung ein Team gewinnt, weiters sogenannte Handicap-Wetten (statt wie beim Fußball ein Tor Vorsprung, wird beim Basketball dabei eine Differenz von meist 11,5 Punkten vorausgesetzt), auf die Gesamtpunkteanzahl, oder auf Spielstände nach den jeweiligen Vierteln. Die Staatsanwaltschaft bestätigt: „Im Hintergrund wurden auf Niederlagen des UBSC Graz mit einer gewissen Punktedifferenz Geldsummen gewettet.“ Die Höhe der Einsätze und wer sie platziert hat, waren gestern noch Inhalt der Ermittlungen.

  • Wie viel verdienen Basketballer in Österreich?

In der Bundesliga sollen Top-Legionäre 3.500 Euro brutto pro Monat erhalten. Spieler der Start-Fünf kommen meist auf nicht mehr als 2.000 Euro.

  • Welchen Schaden hat der Klub erlitten?

Manager Fuchs: „Es ist ein schwarzer Tag für den UBSC Graz. Der Schaden ist derzeit weder personell noch finanziell annähernd absehbar.“

  • Was machen Basketballliga und -verband?

„Ausbildung, Schulung, Prävention – das haben wir schon ordentlich gemacht“, sagt Präsident Martens. „Aber wir haben gelernt, dass wir noch mehr machen und eine noch höhere Ebene erreichen müssen.“

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