Romy
16.04.2018

Christian Tramitz hat die rote Nase und Perücke abgelegt

Der ROMY-Gewinner über die Zukunft von „Hubert und Staller“, Comedy und familiäre Vorprägungen.

Raus aus dem Smoking, rein in die Uniform. Christian Tramitz, der „Hubsi“, konnte seinen ROMY-Gewinn nicht lange feiern. Von der Wiener Hofburg ging es, bepackt mit der Statuette, quasi gleich ins oberbayerische Wolfratshausen. Dort wird für die bereits achte Staffel von „Hubert und Staller“ gedreht.

Doch so wie bisher ist es nicht mehr: Der ebenso mit ausgezeichnete Helmfried von Lüttichau hat „Hubert und Staller“ ade gesagt. „Er braucht jetzt eine Auszeit – sowohl als Staller als auch als von Lüttichau“, sagt Tramitz und verrät: „Es ist die Liebe, wegen der es Staller wegzieht, aber er ist nicht aus der Welt. Und ich glaube fest daran, dass er zurückkommt. Ich bin da guter Hoffnung.“

Quotenhit

„Hubert und Staller“ ist ein Quotenhit in Deutschland wie in Österreich. Die zuletzt ausgestrahlte Staffel hatte in der ARD die bisher meisten Zuseher. Das Erfolgsrezept? „Wüsste ich es, würde ich selbst Serien kreieren und viel Geld damit machen.“

Für Tramitz sind die Plus-Punkte „das tolle Ensemble und wir haben viel Spaß beim Drehen. Aber wir können uns auch einmal an die Gurgel gehen. Das ist gut so – ich glaub nicht an die Mär von der glücklichen Familie am Set. So kommt keine Langeweile auf, die ist für einen Dreh Gift.“ Der 62-Jährige kann sich in seiner Rolle jedenfalls ausleben. „Wir haben von der Redaktion her die Freiheit, zu verändern, Sachen auf den Kopf zu stellen, unser Ding einzubringen. Wir waren von Anfang an ungehorsam und die Redaktion hat das toleriert – ein großes Glück.“

Mit „Bullyparade – Der Film“ gab es 2017 eine Neuauflage goldener TV- und Kino-Zeiten mit Bully Herbig und Rick Kavanian. Tramitz war als Franzl („Wechseljahre einer Kaiserin“) oder Old Shatterhand („Der Schuh des Manitu“) wie einst wieder ganz Comedian. „Das war ein schönes, letztes Aufflackern. Ein neuer Film müsste aber anders aussehen. Ich habe eben zu Bully gemeint, wenn wir noch einen Film machen wollten, dann muss es einer über gescheiterte Comedians sein. Das ginge in Richtung ‚Sunny-Boys‘ und das fände ich interessant. Die pure Comedy – das hat sich erledigt. “

Tragikomödie

Tramitz schätzt inzwischen sehr die Tragikomödie. „ Das mag auch am Alter liegen. Man will irgendwann nicht mehr mit Perücke und roter Nase herumspringen.“ Genre-Filme wie „Adams Äpfel“ und andere von Mads Mikkelsen oder „In China essen sie Hunde“ liegen auf der Wellenlänge des Münchners. „Denn die Komödie braucht ja auch immer die Tragik.“

Fern halten wird sich Tramitz, wiewohl dem Hörbiger-Clan zugehörig, weiter vom Theater. „Ich liebe Kabarett, diese Menschen auf der Bühne, mit denen ihr in Österreich aufwarten könnt – von Hader über Stipsits bis Dorfer und Niavarani. Aber ganz ehrlich, ich kann mit Theater nur wenig anfangen.“

Dafür umso mehr mit Film, Funk und Fernsehen, wie auch die ROMY zeigt – mit der Tramitz gar nicht gerechnet hat. „Es hätte mich nicht gewundert, wenn es in die Hose gegangen wäre. Ich war schon fünf Mal für den Deutschen Fernsehpreis nominiert und habe noch nie gewonnen – umso mehr freut es mich. Und ich muss ehrlich sagen, ich bin gerührt.“

INFOWiederholungen von „Hubert und Staller“ laufen derzeit mittwochs, 18.50 Uhr, in der ARD und sonntags, ab 20.15 Uhr, bei ATV. Die neue Staffel wird mit dem Winter-Special „Eine schöne Bescherung“ starten.