Taj Mahal-Gärten: Restaurierung nach österreichischen Plänen
Das Taj Mahal ist wohl das bekannteste architektonische Vermächtnis Shah Jahans (1592-1666). Aber der Palast stand nicht alleine: Entlang des Flusses Jamuna blühte die Stadt Agra, der Sitz der Moguln, mit vielen weiteren Palästen und Gärten. Heute sind diese großteils zerstört oder verbaut – die Wiener Kunsthistorikerin Ebba Koch hat sich ihre Rekonstruktion und Restauration zur Aufgabe gemacht.
Viele der ehemals prunkvollen Gartenpaläste sind heute verfallen, werden landwirtschaftlich genutzt oder wurden von der sich ausdehnenden Stadt absorbiert. "Dass das Flussufer einst die privilegierteste Gegend der Stadt darstellte, ist heute kaum noch zu erkennen", meinte die Kunsthistorikerin, die mit ihrem derzeitigen, vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt am Institut für Iranistik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) angesiedelt ist. Dennoch zeigte sich die indische Regierung durchaus interessiert: Nach einem eigens ihren Forschungen gewidmeten Workshop in Agra sollen nun zumindest ein bis zwei Gärten nach den Plänen Kochs restauriert werden.
Bald könnte neben dem idealen, monumental geplanten Taj Mahal also auch einer der klassischen Gartenpaläste wieder erstehen: Typischerweise erbauten die Moguln ihre Pavillons auf einer Terrasse, um das Ufer und den Fluss zu überblicken. Die geometrisch angelegten Gärten breiteten sich dahinter ins Landesinnere aus. Genutzt wurden die Gartenpaläste von der Familie der Herrschers und Adeligen. "Vom Leben dort wissen wir aber hauptsächlich aus den Beschreibungen des Shahs selbst", so Koch.
Das Lebens spielte sich unter freiem Himmel ab
Neben Botschafterempfängen und Regierungsgeschäften vergnügte man sich in der Freizeit etwa mit Feuerwerken oder dem Besuch eines kleinen Zoos exotischer Ziegen. Besonderen Stellenwert hatten in der Kultur der Moguln die Gärten: Egal ob Politik, Repräsentation oder Handel – ein großer Teil des Lebens spielte sich unter freiem Himmel ab. "Die Wohn- und Schlafpavillons waren zwar reichlich geschmückt, aber sonst eher an Zelten orientiert und einfach gehalten. Der Lebensmittelpunkt lag klar im Freien. Da schwingt im Hintergrund noch die nomadische Herkunft der Moguln mit", erläuterte die Kunsthistorikerin.
"Das Zentrum der Stadt war eigentlich suburban", so Koch weiter. Das führt sie nicht nur auf die bedeutendere Stellung der Gärten, sondern auch auf die Erbgesetze der Moguln und darunter vor allem der muslimischen Adeligen zurück. Denn nach dem Tod eines Adeligen gingen seine Grundstücke zurück an die Krone – Generationen überdauernde Bauten waren daher selten. Errichtete man dagegen ein Grab auf seinem Grundstück, blieb es im Besitz der Familie. "So wandelte sich Agra langsam in eine sepulchrale Landschaft – mit dem Taj Mahal als Hauptakzent."
Aber Agra verlor an Bedeutung – 1639 beschloss der Shah, seinen Sitz in die alte Hauptstadt der Sultane, Delhi, zu verlegen; bereits 1648 übersiedelte der Hof. "Die Gärten werden ihrem Schicksal überlassen, nach und nach erobert sie die Bevölkerung für sich", schilderte Koch. Zeitgenossen beschreiben eine lebhafte Strand- und Schwimmkultur am Flussufer.
Ab 1803 nutzten Repräsentanten des britischen Empires manche der Paläste als Residenzen und Gastunterkünfte, der Rest verfiel. Erst langsam entdeckt man heute in Indien diese vergessenen architektonischen Juwelen der Moguln wieder – unter wütenden Protesten wurde erst vor wenigen Jahren die Errichtung eines Einkaufszentrums am Flussufer verhindert.
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