Gemeindebund-Präsident Pressl: "Volksschule gehört auch in den Ort"
Die Debatte um eine spätere Trennung von Kindern im Bildungssystem stößt bei den Gemeinden auf Skepsis. In der ZiB2 war dazu Johannes Pressl, Präsident des Österreichischen Gemeindebundes und Bürgermeister der niederösterreichischen Marktgemeinde Ardagger, zu Gast.
Platz und Kosten
Pressl verwies auf praktische Grenzen: In Österreich gebe es rund 3.000 Volksschulen, viele davon seien sehr klein. Derzeit seien 1.300 Volksschulen nur vierklassig geführt. "Da fehlt einfach der Platz", sagte Pressl. Eine gemeinsame Schule über längere Zeit sei daher vor allem eine Frage der Infrastruktur – und des Geldes. "Wenn man das haben will, dann muss man richtig Geld in die Hand nehmen."
Rolle der Volksschulen
Eine Zusammenlegung von Schulstandorten sieht Pressl kritisch. Zwar müsse man Strukturen hinterfragen, zugleich betonte er: "Volksschule gehört auch in den Ort." Gerade im ländlichen Raum funktioniere das bestehende System gut, die Schule sei Teil der Identität und des Ortslebens.
Zur Reformpartnerschaft von Bund, Ländern und Gemeinden zeigte sich Pressl vorsichtig optimistisch. Man sehe "höchstes Bemühen", es gebe aber noch Dissens. Strukturreformen seien langfristig, Effekte würden erst nach Jahren spürbar.
Finanzlage der Gemeinden
Angespannt bleibt die finanzielle Situation. Einnahmen stagnierten, Ausgaben stiegen stark – etwa durch Pflege und Kinderbetreuung. Das führe dazu, dass Gemeinden Investitionen zurückfahren. Pressl sprach von einem Investitionsstau von rund 900 Millionen Euro. Personal wolle man nicht abbauen, Effizienzsteigerungen etwa durch Gemeindekooperationen seien aber notwendig.
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