65 Millionen Euro für 400 Schulen: Wo das Geld hinfließen soll
Heute stellt sich Bildungsminister Christoph Wiederkehr den Abgeordneten: In der Aktuellen Stunde zum Thema „Zukunftsfittes Bildungssystem“ will der Neos-Politiker neben den noch nicht klaren Reformideen für den Lehrplan – Stichwort weniger Latein zugunsten neuer Fächer wie „Informatik und KI“ sowie „Medienbildung und Demokratie“ über das fixierte Projekt des Chancenbonus für Schulen berichten. Worum geht es da?
Ein Beispiel aus der Praxis: Vierzehnjährige Lehrstellensuchende sollen die Multiplikation 23 × 17 lösen – ohne Hilfsmittel, nur mit Stift und Papier. „Die große Mehrheit scheitert daran. Sie verrechnet sich nicht, die Schüler wissen schlicht nicht, wie man dies rechnet“, berichtet Ernst Smole von der Initiative Bildungsplan für Österreich. Das soll laut Smole an einer Schule ohne Migrantenanteil der Fall gewesen sein. Der Bildungsexperte berichtet von einem Unternehmen, bei dem sich zahlreiche Schüler beworben hatten – 70 Prozent seien aber an den „niederschwelligen Tests im Lesen, Schreiben und Rechnen“ gescheitert.
Unterstützung für Schulen in sozial schwieriger Lage
Der Umstand ist längst auch den Bildungspolitikern bewusst. Die Gründe sind unterschiedlich, fast immer hat es damit zu tun, dass neben den administrativen und vielleicht disziplinären Maßnahmen im Klassenzimmer zu wenig Zeit für das Lernen und Erklären bleibt. Und das hat wieder viel mit dem „sozioökonomischen Umfeld“ der einzelnen Schulen zu tun, also wie der Bildungsstand der Schüler und deren Familien ist, welchen ökonomischen und sozialen Hintergrund es gibt und wie gut bei Migranten der Spracherwerb geklappt hat.
Schon vor über zehn Jahren wurde deshalb der Chancenindex erfunden – damals ging es um 500 Schulen mit den schlechtesten Voraussetzungen, die Hilfe brauchen. Vor wenigen Jahren startete dann der „Chancenbonus“ aus Geldmangel nur für die schwächsten 100 Schulen.
Erweiterter Chancenbonus für 400 Schulen ab Herbst
Bildungsminister Wiederkehr will hier nun ansetzen – und zwar für die schwächsten 400 Schulen (von etwa 5.500 Schulen in ganz Österreich).
Wie im Regierungsprogramm von ÖVP, SPÖ und Neos vereinbart, wird der erweiterte Chancenbonus ab dem kommenden Schuljahr umgesetzt. Wiederkehr hat trotz angespannter Budgetlage dafür jährlich 65 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln bereitgestellt. Mit dem Geld sollen rund 800 zusätzliche Experten zur Verfügung gestellt werden, wobei die Schulen autonom entscheiden sollen, wen sie anwerben: Möglich sind Pädagogen als auch Schulpsychologen, Schulsozialarbeiter und Sozialpädagogen.
Die Anzahl der Planstellen je Schule ist von der Schulart und der Zahl der Schüler abhängig, heißt es dazu aus dem Ministerium.
Wie in der Grafik oben ersichtlich, werden nun 156 Mittelschulen und 244 Volksschulen eingeladen, an dem Projekt „Chancenbonus“ teilzunehmen, um Experten zu sich zu holen. Wobei mehr als die Hälfte der betroffenen Volks- und Mittelschulen in Wien sein werden.
Dieser Tage wird das Bildungsministerium die finale Verteilung der neuen Ressourcen fixieren. Klar sei, dass neben Wien vor allem Schulen in den anderen großen Ballungsräumen Linz, Wels, Graz, Salzburg Stadt oder Innsbruck profitieren werden.
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